Kein Stadtfest in der Innenstadt

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Stadtfest Oberkochen 2018
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Das Stadtfest wird auch 2022 auf und vor dem Eugen-Bolz-Platz laufen. Ein Antrag der CDU-Fraktion auf einen Umzug in der City wurde mit 7:10-Stimmen abgelehnt.

Oberkochen

Bereits im November 2020 hatte die CDU-Fraktion einen Antrag auf Rückkehr des Stadtfestes in die City gestellt. „Es gibt mehr Vorteile pro Eugen-Bolzplatz, wir haben das in der Vorlage ausführlich dargestellt“, eröffnete Bürgermeister Traub den Tagesordnungspunkt. In der Tat, die Sitzungsvorlage war proppenvoll, nahezu ausschließlich mit Nachteilen für einen Wechsel in die Innenstadt bestückt.

Die Neue Mitte stelle „keine Alternative zum jetzigen Standort dar“, hieß es dort. Die Fläche wäre deutlich kleiner als der Eugen-Bolz-Platz mit seinen umliegenden Flächen. Das Stadtfest in der Neuen Mitte wäre dann „kein kompaktes und übersichtliches Fest mehr“, erklärte der Bürgermeister. Bürgerschaft und Gäste könnten sich nicht mit Blickkontakt begegnen.

Eines der größten Probleme sei die mehrtägige Sperrung der Hauptverkehrsachse. Drei Straßen seien betroffen. Ein weiteres Problem: die Logistik. Auch für die Standbetreiber entstünden Nacheile bei einer Rückkehr in die Innenstadt, weil sie für eine sachgemäße Ver- und Entsorgung verantwortlich wären. Anders sei dies auf dem Eugen-Bolz-Platz, wo eine nahezu „mundgerechte und beinahe individuelle Ver- und Entsorgungsinfrastruktur geboten wird“.

Man habe die Standbetreiber angehört, erklärte Traub. Die Quintessenz sei, dass diese lediglich „aus nostalgischen Gründen“ ein Zurück wollten. Auch die Gastronomen und die großen Vereine favorisierten den Eugen-Bolz-Platz. Auch sei die „Entfluchtung in alle Richtungen“ dort bedeutend besser und sicherer. Zum Hintergrund: Das Stadtfest wurde erstmals 1980 in der Innenstadt (Heidenheimer Straße) zwischen Katzenbach- und Dreißentalstraße abgehalten. 2013 folgte der „Umzug“ auf den Eugen-Bolz-Platz.

Stadtfest gehört in Stadtmitte

Die Verwaltung sehe den Eugen-Bolz-Platz als „allein selig machende Möglichkeit“, erklärte Rainer Kaufmann (CDU). Vieles sei an den Haaren herbeigezogen. Kaufmann sprach von „mehr Vielfalt in der Innenstadt“, bei Alt und Jung gleichermaßen beliebt. „Das Stadtfest gehört einfach in die Stadtmitte“, so der CDU-Fraktionsvorsitzende. Reinhold Vogel fügte hinzu, dass die Infrastruktur in der Innenstadt vorhanden sei.

Es möge sein, dass das Stadtfest in der Innenstadt schöner gewesen sei, räumte SPD-Fraktionsvorsitzender Richard Burger ein. Allerdings wäre es jetzt durch die Verlängerung zur Neuen Mitte hin „zu weit auseinandergezogen und es mutiert zum Wanderfest“, so Burger.

Robert Ness verwies in seiner Eigenschaft als Polizist auf den Sicherheitsaspekt. Die Auflagen würden immer anspruchsvoller und eine Entfluchtung sei in der City schwer möglich. „Nein, die Entfluchtung ist in der Innenstadt in alle Richtungen möglich“, konterte Rainer Kaufmann. Offensichtlich sehe die Welt in Oberkochen anders aus.

„Es ist eindeutig, dass die Bürger eine Rückkehr in die City wollen“, fügte Martin Balle hinzu. Das Fest auf dem Eugen-Bolzplatz sei ein Dorfplatzfest, die Bürger wollten aber ein echtes Stadtfest in der Innenstadt.

Uwe Marianek meinte, die Standbetreiber seien der Schlüssel. Sie machten letztlich erst das Stadtfest möglich und da gehe eben die Tendenz auf Verbleib. „Wenn Sie eine Rückkehr beschließen, sind die Vereine weg“, mahnte der Bürgermeister.

Das Stadtfest solle dort steigen, wo es hingehöre, nämlich in der Innenstadt, führte Albert Schwarz aus. Auch sei die Lärmbelästigung über eine lange Straße hinweg deutlich geringer. Auch Peter Beck stellte „mehr Vielfalt am Innenstadt-Standort“ fest. Relevant sei aber, wenn die Standbetreiber nicht mitzögen.

Dr. Joachim Heppner reklamierte den Verbleib. Man könne ja zusätzlich in der Neuen Mitte etwas für junge Leute anbieten. Die Abstimmung endete mit 7:10 Stimmen gegen eine Rückkehr des Festes in die Innenstadt.

  • Kommentar: Chance für Bürger vertan
  • Wer 40 Jahre Stadtfest erlebt hat, kann die jetzige Entscheidung nur bedauern. Es bleibt ein anonymes Fest, kein Zurück zu sprühender Lebendigkeit. Das ist nicht im Sinne der Bürger. Gerade in einer Zeit, da Oberkochen nicht mit Festen gesegnet war. Ein Wanderfest war das Stadtfest in der Innenstadt nie. Vielmehr kreativ, kuschelig, Bühnen-Atmosphäre pur, Kommunikation inklusive. Es wäre interessant, was bei einer Bürgerbefragung herausgekommen wäre. Die Chance für die Bürger wurde vertan. Jetzt sollte man sich über Zugewinn auf der Veranstaltungsbühne auf dem Eugen-Bolz-Platz kümmern. Seit 2013 nahezu die gleichen Darbietungen. Kapellen gut und schön, aber Stadtfest ist eben mehr. Lothar Schell

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