Keine wilde Partyszene mehr - Letzter Versuch für „Bauwagentreff“ auf der Heide

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Die kleine Bauwagen-Burg neben dem Bolzplatz in Heide
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Verwaltung und Gemeinderat müssen sich mit exzessiven Auswüchsen im Wohngebiet Heide beschäftigen. Worum es geht und wie es überhaupt dort weitergehen kann.

Oberkochen.

Eigentlich ist es ein Dauerbrenner, in letzter Zeit wieder brennend aufgeflammt: Die Situation beim Bauwagen neben dem Bolzplatz und in Nähe des Kinderspielplatzes. Aktuell befassen sich Verwaltung und Gemeinderat mit dem Thema, am 2. Mai in nichtöffentlicher Sitzung fast zwei Stunden lang. Man muss zurückblenden. Als der Jugendclub e.V. anno 2000 gegründet wurde, war das der Beginn der offenen Jugendarbeit in Oberkochen, die zunächst auf rein ehrenamtlicher Basis beruht hatte. Götz Hopfensitz war langjähriger Vorsitzender des Jugendclubs. Damals entstanden am Bahnhof die ersten Container für den Jugendtreff, der noch heute existiert und mittlerweile im der Stadt gehörenden Postgebäude untergebracht ist und von der Caritas Ostwürttemberg professionell betreut wird. Im Zusammenhang mit dem Jugendtreff am Bahnhof wurde damals an die Stadt Oberkochen der Wunsch herangetragen, auch für die Jugendlichen auf der Heide einen Treffpunkt zu schaffen. Ein Bauwagen wurde zur Verfügung gestellt, von Jugendlichen betreut. Nachdem Götz Hopfensitz den Vorsitz des Jugendclubs abgegeben hatte, folgte auf ihn Udo Bräuning. 2019 wurde der Jugendclub aufgelöst, weil die Meinung bekundet wurde, die Vereinslösung sei zu starr und zu bürokratisch. „Der Bauwagen wurde mehr oder weniger zu einer privaten Angelegenheit in Selbstverantwortung und dies hat nicht funktioniert“, so rückblickend Bürgermeister Peter Traub auf Nachfrage dieser Zeitung.

Der Bauwagen ist zu einer regelrechten Partyszene mutiert.

Peter Traub, Bürgermeister Oberkochen

In den letzten Jahren wurde der Bauwagen sukzessive aus- und umgebaut, eine regelrechte Wagenburg ist entstanden. Es fehlte die baurechtliche Erlaubnis und verbundene Gefahren in Sachen Brandschutz seien missachtet worden. Wie der Bürgermeister ausführt, sei das Besucherklientel stark angewachsen mit zahlreichen auswärtigen Besuchern. „Der Bauwagen ist zu einer regelrechten Partyszene mutiert“, fügt der Bürgermeister hinzu. Anwohner hätten zu Recht Alarm geschlagen, weil es Lärm und laute Musik bis in die Morgenstunden gegeben habe - inklusive Vermüllung. Glasscherben zertrümmerter Schnaps- und Bierflaschen rund um den Bauwagen auch auf dem öffentlichen Spielplatz bis hin zu Drogenkonsum und – handel. Unzählige Polizeieinsätze und Beschwerden der Anwohner habe es gegeben.

2019 wurde der „Bauwagen Heide e.V.“ gegründet, weil die Auflösung des Jugendclubs e.V. als Fehler gesehen wurde. Gebessert habe sich wenig. Es sei keine Verantwortung erkennbar, betont der Bürgermeister. Mit offener Jugendarbeit und mit einem lockeren Treffpunkt für Jugendliche auf der Heide habe dies nichts mehr zu tun. Udo Bräuning habe nun wieder die Fäden in die Hand genommen und ist Vorsitzender des Vereins „Bauwagen Heide.“

Wie es weitergehen soll

Nachdem die Stadt angekündigt hatte, den Bauwagen zu schließen und zu entfernen, gibt es mittlerweile strengere Regeln und Öffnungszeiten. Ein letzter Versuch, ob dies auf Dauer funktioniert und eine nachhaltige Struktur entstehen wird. Auf Wunsch von Udo Bräuning und einiger Jugendlicher gab es am 2. Mai ein Gespräch mit dem Gemeinderat, um eine gemeinsame und tragbare Lösung für die Zukunft zu finden. „Wir wollen gemeinsam ein tragbares Konzept für die Zukunft erarbeiten“, so Traub zum genannten Gespräch. Dabei solle der Wunsch der Jugendlichen berücksichtigt werden, auf der Heide einen Treffpunkt zu haben, wo man sich zwanglos begegnen könne. Der Bürgermeister betont aber auch, dass für eine professionelle Jugendarbeit der Jugendtreff am Bahnhof zur Verfügung stehe. Ein zweiter professioneller Jugendtreff solle auf der Heide ausdrücklich nicht entstehen. „Der ist auch von den Jugendlichen nicht gewünscht“, unterstreicht Traub. Sofern die jetzigen Regeln wie Öffnungszeiten, keine Lärmbelästigungen, kein exzessiver Alkoholkonsum und kein Drogenkonsum eingehalten würden, sei die Stadt bereit, einen neuen Versuch zu unternehmen und eine nachhaltige Zukunftslösung gemeinsam mit dem „Bauwagen Heide e.V.“ zu suchen.

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