Kultur ist Oberkochen lieb und teuer

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Brian Auger
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Die Bürgerstiftung und die Kulturreihe „dell arte“ sind eng miteinander verknüpft. Am Mittwoch, 13. Oktober, wird im Rathaus gemeinsam der zehnte Geburtstag gefeiert.

Oberkochen.

Momente dell´arte – unter diesem Motto gastierte im Oktober 2011 die britische Musiker-Legende Brian Auger mit seiner Kultband Trinity im ausverkauften Bürgersaal. Es war der Start für die Kulturreihe „Oberkochen dell ´arte“, die sich binnen zehn Jahren zu einem Markenzeichen entwickelt hat, das weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt und beliebt ist. Auch viele Auswärtige finden den Weg nach Oberkochen.

Ideengeber und „Spiritus Rector“ war viele Jahre Reinhold Hirth, jetzt sorgt sein Nachfolger Thomas Ringhofer für die Ideenbörse. Jahr für Jahr präsentierten nationale und internationale Gäste Kunst auf höchstem Niveau. Mehr als 100 Mal war die Kulturreihe Gastgeber von Solisten, Bands oder Gruppen.

Die Ausstellung am 13. Oktober im Foyer des Rathauses wird Ausschnitte der Künstlerinnen und Künstler zeigen, die meist im Bürgersaal des Rathauses, aber auch in der Mühlenscheune, in der Dreißentalhalle oder bei Carl Zeiss aufgetreten sind. Anschließend gibt's einen weiteren Höhepunkt, wenn Axel Schlosser, ein ehemaliger Oberkochener, im Bürgersaal seine Aufwartung machen wird.

Bürgerstiftung – Zangengeburt

Die Bürgerstiftung sichert die finanziellen Möglichkeiten von dell ´arte. Man startete im September 2011 mit einer städtischen Grundausstattung in Millionenhöhe. In einer Zeit, da es noch „fette Zinsen“ gegeben hat.

Bei der Gründungsversammlung im Bürgersaal kamen Dr. Gert Littmann, Hans Joachim und Vera Neumann sowie Doris und Peter Meisel als private Zustifter hinzu, wie auch finanzielle Zuwendungen von den Vereinen Chorvision Oberkochen und dem Mühlenverein. Allein voran Dr. Gert Littmann war es, der sich finanziell nachhaltig eingebracht hat für die Geburt der Bürgerstiftung.

Im Gemeinderat hatte es vor der Gründung der Bürgerstiftung heftige Diskussionen gegeben, wegen der finanziellen Grundausstattung durch die Stadt. „Die Stadt muss die Kultur auch in der Zukunft fördern, genauso wie sie die Müllabfuhr finanziert“, hatte Bürgermeister Traub bei der Gründungsversammlung betont. Kultur sei die Müllabfuhr für die Seele. Heute ist das „Zinsdasein“ ganz anders. Man bezahlt Minus-Zinsen, aus hohen Einlagen erwächst kein Geld, das für die Kulturarbeit und damit ganz speziell für dell ´arte verwendet werden kann.

Um die zweckgebundene Rücklage der Bürgerstiftung nicht außerplanmäßig auf ein Minimum zu reduzieren und damit den Handlungsspielraum noch einmal deutlich einzuschränken, hatte im März dieses Jahres das Kuratorium der Bürgerstiftung, unter Leitung von Martin Balle, um einen Betriebsmittelzuschuss in Höhe von 43.400 Euro gebeten, um die weiteren Veranstaltungen im zweiten Halbjahr sicherzustellen. „Keine dauerhafte sondern eine einmalige Maßnahme“, versicherte Bürgermeister Traub. Auch wegen der Pandemie sei es schwierig mit Einnahmen.

Ottmar Bihlmaier sprach damals einen „wunden Punkt“ an, inwieweit von der Bürgerstiftung neben dell`arte auch andere Bereiche wie Völkerverständigung, Bildung und Sport oder andere Kulturveranstaltungen unterstützt würden. Schon wegen des Erhalts der Gemeinnützigkeit müsse man diese Bereiche in Zukunft im Auge behalten, meinte der Bürgermeister.

Ein Blick in die Satzung

Zweck der Stiftung ist die Förderung oder Initiierung von Projekten, Aufgaben oder Vorhaben auf den Gebieten Kunst und Kultur, Heimatkunde und Heimatpflege, Denkmalpflege und Denkmalschutz, Bildung und Sport, Kinder- und Jugendarbeit sowie Völkerverständigung. So steht´s wörtlich in der Satzung.

Diesen Aufgaben muss sich die Bürgerstiftung künftig widmen. Bei aller Freude über die hochklassige Kultur die dell´arte immer wieder nach Oberkochen bringt, sollten kleinere Kulturveranstaltungen auf den Weg gebracht werden, damit nicht nur im Bürgersaal gejubelt wird, sondern vielleicht auch auf dem Platz in Oberkochens Neuer Mitte, der sich für die sogenannte „Kleine Kultur“ in idealer Weise anbietet.

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