Mit d'r Lisbeth im Kuhstall unterwegs

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Klaus Ziemons, Oberkochen
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  Klaus Ziemons (69) ist im „Bronkel“ aufgewachsen. Warum seine Kindheit in urwüchsiger Gemeinschaft für ihn  unvergessen bleibt.

Oberkochen 

Wir sitzen bei Klaus Ziemons in der Sperberstraße. Immer wieder geht sein Blick hoch zur  Rodhalde. „Die und der Bronkel waren für mich echte Heimat“, sagt der waschechte Oberkochener, der in Oberkochen bekannt ist wie der sprichwörtlich bunte Hund.

„Ich kenne  Oberkochen nicht zuletzt durch meine langjährige ehrenamtliche Tätigkeit bei der Narrenzunft aus dem Effeff“, sagt er, um gleich hinzuzufügen: „Geprägt wurde ich durch die tolle Gemeinschaft im Bronkel.“

Das ist das Gebiet  zwischen Mühle und Bahn und zwischen der Post und dem ehemaligen „Wagenblast-Gebäude.“

Aufmerksam sei er geworden durch die schönen Geschichten der Schwäpo über den Rodstein und die Rodhalde „Da musste ich einfach den Reporter anrufen“, sagt er. In Oberkochen hat er den Kindergarten und die Schule besucht, eine Lehre bei der Firma Bäuerle gemacht und zuletzt neunzehn Jahre bei der Firma Jakob Schmid im Qualitätsmanagement gearbeitet. Bei den Schlaggawäschern hat er Geschichte geschrieben, nicht zuletzt durch die legendären Fernsehauftritte  mit dem Männerballett und die vielen Jahre als NZO-Präsident. 2015 wurde er zum Ehrenpräsident gekürt.

Im Kapellenweg 21 ist der Klaus geboren, mittendrin im „Bronkel.“ Einem Gewann, das heute noch -  zumindest bei den Älteren – in aller Munde ist. Seine Eltern hatten eine Getränkehandlung. An das „Plopp“ erinnert er sich noch heute, wenn die Alten ihre Bügelflaschen mit kühlem Gerstensaft öffneten und die Kinder sich zum Spielen im Garten versammelten. „Das ging rundum, einmal hier,  mal dort in der Nachbarschaft, die fest zusammenhielt“, erinnert sich Ziemons. Die Bank vor dem Haus war eine Institution.  Unvergessen blieben für ihn Müller Hans Scheerer und dessen Schwester Lisbeth. Die wohnten in der Mühle und „da habe ich von der Lisbeth immer ein Gsälz-Brot bekommen“, erzählt er weiter. Und der Klaus  schwärmt vom Unimog-Fahren mit dem Müller, von den Visiten im Kuhstall mit der Lisbeth. Das Kuhmelken sei ein richtiges Erlebnis gewesen. Wenn der Müller („Er war kein ganz  Einfacher“, Zitat Ziemons) mal ganz gut drauf gewesen sei, durfte er auch seine Freunde mit in die Müllerwohnung  mitbringen. „Das sind Kindheitserlebnisse, die man nie vergisst“, blickt der fast Siebzigjährige zurück.

Auch beim Spielen am Kocher seien tolle Freundschaften entstanden. „Statt elektronischer Spielgeräte wie heute haben wir uns an der Natur erfreut“, lacht Ziemons. Das „Schaffa“ habe er so im Alter von vierzehn bei der Ferienarbeit im Sägewerk Bäuerle gelernt. Schwere Bretter tragen und sortieren, da „kam man auf keine dummen Gedanken“ und mal einen kräftigen Anpfiff einfach geschluckt.  Ja, und da wäre eben noch jene Rodhalde und der Rodstein, über den die Schwäpo ausführlich berichtet habe. Von der Rodhalde sei man mit dem Schlitten die Wiesen runter geflitzt, ein Riesenspaß. Im Felsen unter dem Rodstein habe er mit seinen Jugendfreunden  vom Bronkel „ein Lägerle gebaut“ inklusive Holzbarriere  und dort in Gedanken gegen die anderen „Oberkochen-Klassiker“ vom Kies, vom Dreißental und vom Tierstein gekämpft. Ganz ohne Alkohol, anders als dies heute so üblich sei. Am Ende des Gesprächs fasst Klaus Ziemons zusammen: „Eine Sozialisation in einfacher Zeit, die einfach schön war.“

Klaus Ziemons

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