Nichts weniger als die „eine Welt“

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Bischofskandidatin Dr. Viola Schrenk sprach beim Jahresempfang der Offenen Kirche in Oberkochen. Anschließend gab es ein Wiedersehen mit ihrem Patenonkel: Ulrich Pfeifle.
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Was Dr. Viola Schrenks Ziele sind, falls sie am 17. März Landesbischöfin wird und was sie so alles aus Oberkochen „mitgenommen“ hat.

Oberkochen

Am 17. März wählt die Evangelische Landeskirche ihren neuen Bischof. Oder eine Bischöfin? Die ELKW hat zum zweiten Mal in ihrer Geschichte die Chance darauf, eine Frau zur Chefin zu machen. Und zwar Dr. Viola Schrenk, die aus Oberkochen stammt und auch hier aufgewachsen ist. Am Mittwochabend war sie dort beim Jahresempfang der „Offenen Kirche“, die sie auch für die Kandidatur vorgeschlagen hat .„Viola, kennsch me noo?“, „Semmr noo per Du?“ Na klar. „Das bleibt“, lächelt sie.

Die Theologin, die nach zehn Jahren in Berlin als wissenschaftliche Mitarbeiterin an einem Lehrstuhl und einigen als Gemeindepfarrerin in Lorch-Waldhausen, inzwischen als Studieninspektorin am Evangelischen Stift in Tübingen ist, genießt den Besuch in der alten Heimat.

Besuch in der alten Heimat

War am Nachmittag auf dem Friedhof, ihren Vater besuchen. Volkmar Schrenk. Oberstudiendirektor am Gymnasium Oberkochen. Mama Anne (91) lebt seit über vier Jahren bei ihr in Tübingen. Beide Eltern waren enorm in der Kirchengemeinde in Oberkochen engagiert gewesen. Die Versöhnungskirche, in der Viola Schrenk jetzt steht und erzählt, was ihre Ansichten, ihre Ziele sind für die Landeskirche - und nicht nur für die -  ist ihr bestens vertraut.

Hier wurde sie getauft, konfirmiert. Hat als kleines Kind jeden Winkel erforscht. Und war manches Mal nach ihren Erkundungstouren im Nebenraum unterm Tisch eingeschlafen. Pfarrer Klaus Thierfelder verdanke sie viel.

Er sei ein Vorreiter gewesen bei den Themen Nachhaltigkeit und (Klima-)Gerechtigkeit. Zu einer Zeit, als dies noch nicht zum guten Ton gehörte. Er habe keine Angst vor Weiterentwicklung gehabt.

„Das habe ich von hier mitgenommen.“ Kirche sei für sie ein Ort geworden, in dem man sich einbringen „kann und soll und darf.“ In der es um das gegenseitige Fördern und Ermutigen, und dann aber um das Machen geht. Keinen Platz gibt’s bei Schrenk für „Enge im Denken, Herz und Handeln“. Mit „das geht nicht, das war schon immer so“ braucht man bei ihr nicht zu argumentieren.

Nähe schaffen

Ihre Ziele fürs Bischofsamt – und überhaupt – sind: „Wie sind wir für Menschen in ihrem Alltag als Kirche sichtbar, erreichbar? Wie schaffen wir Nähe?“ Konkret, besonders auch digital. Davor gibt’s kein „Drücken“. Aber besonders auch geistlich. Der Kirchenraum als Denkraum. In Sachen Politik – ganz aktuell – hält sie nichts vom moralischen Zeigefinger, sondern von einem friedensethischen Konzept. Kirche müsse eine Stimme im gesellschaftlichen Zusammenspiel bleiben.

„Da müssen wir aber an unserer Sprachfähigkeit arbeiten.“ Und digital mehr Außenwirkung erzielen, so die 51-Jährige. Ihr Wunsch: kein Kleinklein. Über den Tellerrand gucken. Groß, global denken. Ihre Vision: „eine weltweites Miteinander. Die Botschaft der Versöhnung.“

Kein Nord-Süd-Gefälle. Beispielweise im Umgang mit Afrika. Sondern Gemeinsamkeit. Auf Augenhöhe. Kurz und schlicht, aber so groß: „die eine Welt.“ Altdekan Erich Haller, auch Gast beim Jahresempfang, stimmt zu: Die Landeskirche habe es dringend nötig, „aufzumachen.“ Oberkochens Pfarrer i.R. Ulrich Marstaller, sagt, es sei eine wichtige und tolle Sache, dass sich eine Frau für das Bischofsamt bewerbe. Und fragt, wie Schrenk das Vertrauen in die Institution zurückgewinnen will. „Durch gute Arbeit. Von jedem. Und die Kirche muss ein vorbildlicher Arbeitgeber sein.“

Das Wichtigste zur Bischofswahl

  • 91 Landessynodale wählen am 17. März  in Stuttgart den Nachfolger ihres bisher noch amtierenden Bischofs Frank Otfried July. 31 davon stellt die theologisch liberale „Offene Kirche“. Kandidat für die theologisch konservative „Lebendige Gemeinde“ ist Gottfried Heinzmann, Chef des Diakoniewerks „Zieglersche“. Für „Evangelium und Kirche“ tritt der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl an. Um die Wahl zu gewinnen, braucht's eine Zweidrittelmehrheit. „Die erreicht keiner von uns durch seine „eigenen“ Synodalen“, sagt Viola Schrenk. „Es wird also eine spannende Geschichte.“ Sechs Wahlgänge gibt’s, alle am 17. März bei der Tagung der Landessynode. Erreicht keiner der drei Kandidaten das erforderliche Ergebnis, gibt es ein neues Verfahren mit neuen Kandidaten. Pfarrer Manfred Metzger hatte während des Jahresempfangs auf ein halbes Jahrzehnt „Offene Kirche“ zurückgeblickt.
Bischofskandidatin Dr. Viola Schrenk spricht beim Jahresempfang der Offenen Kirche in Oberkochen.

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