Ein Glas mit Lars – Folge 53

Udo Bräunings „konsequentes Leben“

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Er kümmert sich um Jugendliche im Bauwagen auf der Heide, einen Pflegebedürftigen, gibt Musikunterricht, hilft beim Stadtfest Oberkochen und malt. Ein Gespräch mit einem reichen Mann ohne Geld am Monatsende.


Oberkochen. Wer ist eigentlich Udo Bräuning? Wer sich mit dem 49-Jährigen unterhält, dem stellt sich zwangsläufigdiese Frage. Für viele Jugendliche auf der Heide in Oberkochen ist Udo der Kümmerer für den Bauwagen. Ansprechpartner, Schlüsselmeister, Kümmerer. Für einen Freund ist er der Pfleger, für Zeiss war er mal Feinoptiker.  


Für Udo Bräuning gibt es nicht den einen, den ihn erklärenden Begriff. Berufsjugendlicher? Bestimmt. Künstler? Sicherlich. Gläubig? Auf seine Art ja. Sozialarbeiter? Garantiert. Philosoph? Er würde vermutlich nicht so weit gehen, seine Gesprächspartner würden zustimmen.  


45 Minuten plauderte Udo Bräuning bei einem „Glas mit Lars“ über sein Leben und seinen Antrieb, genau das zu tun, was er gerade tut. 


Er möchte ein „konsequentes Leben“ führen, sagt Udo Bräuning. Der Berliner Künstler Jonathan Meese hat den Mann mit dem schwarzen, dezenten Irokosenhaarschnitt zu dieser Konsequenz inspiriert. Dabei brauchte es diese Inspiration vermutlich nicht. Konsequent lernte er Feinoptiker. Schaffte sieben Jahre beim Zeiss. Dann studierte er Technik, Sport und Kunst. Beim Vorstellungsgespräch als Lehrer trug er einen Jogginganzug. Die Haare waren „knallrot“. Er bekam die Stelle und machte gleich eine Einschränkung: „Gerne nicht Vollzeit“. Er bekam eine Teilzeitstelle an einer Aalener Realschule. „Vollverbeamtet“, sagt er. Nach 15 Jahren, mitten in der Coronazeit, dann die Erkenntnis: „Obacht, ich glaube, ich werde zynisch.“ Er gibt den sicheren Job auf. Die Sicherheit, das Geld …? „Ich arbeite mit dem Geld, ich lebe aber nicht fürs Geld.“ Sparverträge, das Geldpolster auf der hohen Kante? „Nein, am Monatsende habe ich nichts mehr. Das letzte Hemd hat keine Taschen.“ Luxus? Klar. „Der fängt bei mir aber schon sehr früh an: fließendes Wasser, ein Dach über dem Kopf, Strom.“ 


Arm ist Udo Bräuning nicht. Er hat mehr zu tun als vorher. Er pflegt einen Freund, lehrt Schlagzeug, malt, ist wie gesagt seit 25 Jahren im Bauwagenverein Heide engagiert. Er ist beim Stadtfest Oberkochen dabei … Wenn er etwas für sich erkennt, zieht er das auch für sich durch. Klingt egoistisch. „Ich bin das, was ich suche. Ich drehe mich aber nicht um mich selbst.“ 


Im Podcast klingt er zuweilen missionarisch. Das Wort ist ihm aber zu bestimmend. Ich will einladen, animieren. Sowieso: „Jeder predigt etwas. Der eine Wissenschaft, der andere seine Partei, jeder gibt doch Output.“ Freundlich zu sein, aufeinander zu achten, dabei gültige zwischenmenschliche gesellschaftliche Regeln zu beachten und etwa „niemanden zu bescheißen“ ... das treibt ihn um. Er ist auf der ständigen Suche. Seinen Schüler hat er immer gesagt, er sei wie der außerirdische ET: „Bitte input, bitte input.“  


Udo Bräuning ist auf vielen Ebenen aktiv. Manchmal ist er dann doch in seinen vielen Strukturen gefangen. Er weiß aber, wie er da wieder rauskommt. Auch darüber spricht er im Podcast „Ein Glas mit Lars“. 

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