Schließung aquafit - „Sie treffen den Verein Mitten ins Herz.“

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Nico Köchler (r.) mit Schwimmern im Gemeinderat. Foto: ls
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Es bleibt dabei: Keine Schwimmkurse im aquafit. Das Bad bleibt zu.

Oberkochen. Der Schwimmverein hatte, wie diese Zeitung bereits berichtet hat, eine Petition an die Bevölkerung gerichtet. Ziel: Weg von der Total-Schließung und zumindest eine Teilöffnung zu reduzierten Zeiten, um Kindern Schwimmkurse zu geben und wenigstens einen Teil der Trainingszeiten für den Schwimmverein und auch die im Verein integrierte Tauchsport-Abteilung zu erreichen.

„Wir sind mit dreihundert Mitgliedern der zweitgrößte Sportverein in Oberkochen und wir betreuen 150 Kinder und Jugendliche“, erklärte SVO-Vorsitzender Nico Köchler.

Sorge um die Kinder

Am 28. Juli habe man aus der Presse erfahren, dass das Hallenbad geschlossen werde. Mit den Schulen sei kurz gesprochen worden. Köchler brachte seine Sorge in Sachen Schwimmkurse zum Ausdruck. Sechzig Prozent der Viertklässler seinen Nichtschwimmer. Köchler ging damit konform, dass Spaß-und Warmbäder geschlossen werden müssten, ehrenamtliche Trainerinnen und Trainer hätten aber kein Verständnis dafür, wenn es um Übungstraining und Schwimmkurse gehe.

„Sie verkennen den Ernst der Lage, die große Politik ist hilflos, wir erleben gerade die schwerste Krise seit 1945“, antwortete der Bürgermeister. Es werde kolportiert, die Energieversorgung sei gesichert, aber dem sei in keiner Weise so. Selbst wenn die Gasspeicher gefüllt seien, könne man nicht von einer sicheren Energieversorgung sprechen.

Mit dem Sparen jetzt beginnen

Wenn man mit einem blauen Auge davon kommen wolle, müsse man jetzt mit dem Sparen beginnen, erklärte Traub. Er habe die Aufgabe und Verantwortung, für achttausend Bürgerinnen zu denken und zu handeln. „Das Hallenbad ist der größte Energieverbraucher bei öffentlichen Gebäuden“, so Traub wörtlich.

Dort werde Gas in einer Menge verbraucht wie bei 37 Einzelfamilienhäusern und Strom wie für 55 Einfamilienhäuser benötigt werde. Man dürfe nicht nur Gas fokussieren. In Deutschland würden derzeit dreizehn Prozent Strom in Gastheizkraftwerken hergestellt. Den Strommangel müsse man derzeit in Frankreich ausgleichen.

„Wenn Strom fehle, säßen die Leute im Dunkeln. Traub fügte hinzu: „Wenn kein Strom da ist, können wir auch die Wasserversorgung nicht mehr sicherstellen.“ Der Schwimmverein sei ein wichtiger Verein, man habe die Entscheidung nicht nach Herzenslust getroffen.

Suche nach einem Kompromiss

Was wichtig ist: Die Diskussion im Gemeinderat war immer fair, auch wenn die Kontrapunkte hart aufeinandertrafen. Der Schwimmverein-Vorsitzende bat darum „auf Sicht zu fahren, Bad wieder auf und die Öffnungszeiten reduzieren.“

Dies sei keine Lösung, man müsse ad hoc sparen und der drastischen Gesamtlage ins Auge sehen, antwortete der Bürgermeister. Und: Man müsse jetzt solidarisches Handeln einfordern. In gut einem Jahr habe auch der Schwimmverein das schönste Bad in der Region und damit hervorragende Bedingungen. Das „aquafit“ habe eine malade Technik, die Folie sei rissig, man könne wohl nicht mehr öffnen, werde aber in drei bis vier Monaten noch einmal darüber beraten, falls sich die Gesamtlage wider Erwarten verbessere. Die Gesamtversorgung sei das brennende Problem, der Schwimmverein müsse jetzt leider eine Durststrecke überwinden.

Auf Nachfrage Köchlers sagte Traub, dass die Entscheidung über eine Badschließung in der letzten Sitzung vor der Sommerpause nichtöffentlich gefallen sei. „Ich gebe zu, dass ich an den Schwimmverein keine persönliche Information übermittelt habe“, so Traub weiter.

„Wir vom Schwimmverein fühlen uns in den Arsch getreten“, erklärte Köchler. Man hätte eine Teilschließung verstanden, aber kein Verständnis für die komplette Schließung.

„Das ist existenzbedrohend für unseren Verein und trifft uns mitten ins Herz“, betonte Köchler und er fügte hinzu, dass „wir in keiner Weise unsolidarisch sind, wir stehen für über einhundert Kinder.“

Man habe bei zahlreichen Nachbarvereinen wegen Schwimmkursen nachgefragt, überall Fehlanzeige, Kurse belegt. Jetzt hofft der SVO darauf, dass sich die Sache in einigen Monaten doch noch zum Guten kehrt. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, hieß es aus den Zuhörerreihen. ⋌Lothar Schell

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