Sondermodell für Wohngebiete?

+
Zeiss dominiert in Oberkochen und schafft Arbeitsplätze. Wohnraum ist für die vielen Fachkräfte jedoch Mangelware, Einpendler sind nicht gut fürs Klima. Ein Dilemma, das es zu lösen gilt. Archivfoto: opo
  • schließen

Das Thema  Wohnen zieht sich wie ein roter Faden durch die Diskussion. Wie Landrat Dr. Joachim Bläse die Bedeutung der Stadt Oberkochen für die Region sieht

Oberkochen 

Dass Oberkochen Impulsgeber für den Ostalbkreis ist, stand beim CDU-Bürgerforum auch im Impuls-Referat des Landrats ganz oben an. Aber es wurde auch sehr deutlich, dass sich die CDU nicht damit zufrieden geben will, dass auf der einen Seite Arbeitsplätze in überdimensionalem Maß geschaffen werden, man aber auf der anderen Seite in Sachen Wohngebietsausweisung stark begrenzt sei.

Die Stadt Oberkochen setze richtungsweisende Signale für die Region, erklärte Stadtverbandsvorsitzender  Martin Balle eingangs. Der Wirtschaftsstandort Oberkochen habe Geschichte geschrieben und dies gelte gleichermaßen für Gegenwart und Zukunft. „Oberkochen und der Ostalbkreis sind Leuchttürme der Region“, so Balle. In die Problem-Kerbe hob CDU-Fraktionsvorsitzender Rainer Kaufmann in seinem „Fakten-Check“:  Lage im Kessel, ein Minimum an Erweiterungsfläche fürs Wohnen, die Zahl der Einpendler ist binnen zwanzig Jahren um 103 Prozent auf nunmehr 9426 gestiegen mit Tendenz nach oben. Die Zahl der Arbeitsplätze sei um 74 Prozent auf nunmehr 10747 gewachsen. Auf der anderen Seite ein Bevölkerungsrückgang von fast  fünf Prozent. Verdichtetes Bauen bringe nur geringfügige Erleichterung, im Innenbereich stünden gerade einmal zwischen drei bis fünf Hektar Fläche zur Verfügung. Oberkochen brauche dringend ein größeres Baugebiet, das Einpendlern die Möglichkeit biete zur Verzahnung von Arbeitsplatz- und Wohnort biete.

Kommune der Zukunft

Oberkochen sei Wirtschaftsmotor par excellence und „eine Kommune der Zukunft“, eröffnete der Landrat. Bläse ermunterte zum demokratischen Dialog im Netzwerk von Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Er forderte aber auch dazu auf, sich intensiv mit dem Generationenvertrag und dem Thema Älterwerden zu befassen. Oberkochen brauche gute Betriebe, kreative Köpfe, aber auch wissenschaftliche Forschungsstrukturen. Dass in Oberkochen das Fraunhofer-Institut IOSB in Sachen KI-Forschung Einzug halten solle, bezeichnete Dr. Bläse als „echten Sechser im Lotto.“  Dafür werde er auch am kommenden Montag im Gemeinderat werben.  Nicht außen vor ließ Bläseda Thema Mobilität. Im Rahmen des Mobilitätspakts werde es entscheidend sein, wie man dies ökologisch und Klimaschutz-konform hinbekomme. Schiene und Rad würden wichtige Parameter sein. Die Stadt Oberkochen sei ein bedeutender Partner des Mobilitätspakts im Rahmen des Gesamtpakets Wirtschaftsstandort. In Sachen Wohngebiete brauche Oberkochen Entwicklungsperspektiven, man müsse solche entwickeln und dabei aber auch Naturschutz-Interessen einbeziehen. „Eine Herausforderung, ja ein Spagat“, so der Landrat. Oberkochen könne Impulsgeber für regionales Denken sein, meinte der Landrat im Blick darauf, dass „wir im Land in einem gnadenlosen Wettbewerb um Fachkräfte stehen.“ Auf jeden Fall müsse der Ostalbkreis geschlossen auftreten. „Oberkochen ist ein Spiegelbild für eine erfolgreiche Entwicklung des Ostalbkreises“, so . Bläse. Oberkochen habe auch in der Diskussion um HENSOLDT mit dem Zielabweichungsverfahren eine ökologisch saubere Lösung gefunden.

Arbeitsplätze und Wohnen im Schulterschluss?

 Georg Brunnhuber sprach in der anschließenden Diskussion pointiert die Diskrepanz zwischen Dynamik von Arbeitsplätzen und Einwohnerschwund an. Jedem müsse klar sein, dass Innenverdichtung eine zähe Angelegenheit sei und nicht selten juristische Nachspiele habe. Ohne Wenn und Aber brauche Oberkochen eine zusammenhängende Wohnbaufläche. Nicht selten kämen bei potenziellen Baugebieten Hemmschwellen durch Nachbarkommunen. Man könne das Verkehrsproblem auf der B 19 nur dadurch lösen, wenn Einpendler auch in Oberkochen Wohnplatz finden könnten. Letztlich gehe es auch darum, wie viel Natur Oberkochen behalten und wie viel Wohnfläche eruieren könne, meinte Rainer Kaufmann.  Von gewisser Seite im Gemeinderat komme die Devise „Wir wollen nichts mehr Neues.“ Klar sei, dass man nicht mit dem Dampfhammer vorpreschen könne, die Bevölkerung sei sensibilisiert, ökologische Vertretbarkeit dürfe nicht außen vor bleiben. Schützenhilfe bekam Georg Brunnhuber vom ehemaligen Gemeinderat Dr. Michel LeMaire, der Landkreis und Regionalverband in die Pflicht nahm. Oberkochen müsse eine Sonderstellung gewährt werden: der Schaffung von Arbeitsplätzen müsse Wohnen und Neuansiedlung gleichgestellt werden. Auch der langjährige CDU-Fraktionsvorsitzende Franz Uhl forderte den Landkreis auf, ein Modell anzubieten mit der inklusiven Vernetzung von Arbeitsplatzangebot und Wohnraumschaffung. Man sei unmittelbar vor der Fortschreibung des Regionalplans, antwortete der Landrat. Er sagte zu, einen konkreten Blick in den Plan zu werfen, was Oberkochen hier plane. Klar sei, dass die  Rahmenbedingungen wegen der Naturschutzgebiete nicht einfach seien.

Zurück zur Übersicht: Oberkochen

Mehr zum Thema

Kommentare