Statt München – lieber Oberkochen

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Karl Kehrle ist Oberschützenmeister bei der Schützengilde Oberkochen und Orga-Vorsitzender.
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Er ist Oberschützenmeister und organisiert die Termine der örtlichen Vereine: Was Karl Kehrle an der Stadt im oberen Kochertal schätzt und wie er die Stadt noch liebenswerter machen will.

Oberkochen

Wie kommt es, dass man die Weltstadt München gegen Oberkochen als neue Heimat tauscht? Die Frage kann Karl Kehrle beantworten. Seit acht Jahren lebt der Oberschützenmeister der örtlichen Schützengilde und Orga-Chef nun schon in der Stadt am Schwarzen Kocher. „Meine Mutter ist Oberkochenerin und die Sommerferien habe ich als Schüler immer bei meiner Oma hier verbracht“, sagt Kehrle, dessen Verwandtschaft mütterlicherseits in und um Oberkochen gewohnt hat.

Doch nicht nur die Erinnerung an schöne Kindheitserlebnisse und Freundschaften haben den 71-Jährigen ins obere Kochertal gelockt. Auch der Liebe wegen wechselte der ehemalige Berufssoldat seinen „Standort“.  „Bei einer Beerdigung meines Taufpaten habe ich eine Freundin aus Kindertagen wieder getroffen“, erzählt er. Sie beide hätten ihren Lebensgefährten verloren und sich neu verliebt. Nach viel Fahrerei an den Wochenenden sei der Entschluss gereift, nach Oberkochen zu ziehen – in eine Stadt mit vielen Facetten und herrlicher Landschaft, mit Albuch und Härtsfeld.

Sich hier einzuleben, fiel ihm nicht schwer. Dazu beigetragen haben seine leutselige Art und die Oberkochener. „Auf dem Weg durch die Stadt treffe ich immer irgendwen, mit dem ich ein Schwätzchen halten kann.“ Man kennt ihn und er die Oberkochener, denen er attestiert, eine „liebenswerte Gemeinschaft“ zu sein.

Nicht ganz unschuldig an seinem positiven Bild von Bürgerinnen und Bürgern ist auch die Schützengilde. „Als Berufssoldat mochte ich den Schießstand überhaupt nicht“, erzählt der Hauptmann der Reserve. Doch in Oberkochen hat er Heinz Jakubowski kennengelernt. Der einstige Oberschützenmeister forderte ihn sprichwörtlich heraus: „Schau'n mer mal, was du triffst.“ Das Ergebnis lässt der gebürtige Günzburger offen. Nur so viel: Jakubowski habe ihm das Pistolenschießen beigebracht.

Kaum ein Jahr in Oberkochen wird Kehrle Schatzmeister der Schützen, ein weiteres Jahr später übernimmt er den Vorsitz des Vereins und ist seither Oberschützenmeister – eines Vereins, wie er betont, der gut durch die Zeit der Pandemie gekommen ist. „Trotz dass wir unsere sportlichen Aktivitäten zurückfahren mussten, ist es uns gelungen, Neumitglieder zu gewinnen“, freut er sich.

Selbst Negativem kann Kehrle Positives abgewinnen: Er hat sich und der Gilde einen Traum erfüllt. „Wir haben schnell reagiert, als es darum ging, Fördergelder zu beantragen.“ Mit einem Bundeszuschuss von 25 000 Euro und 6000 Euro Selbstbeteiligung hat der Verein zehn digitale Schießstände während der Zeit der Pandemie realisiert.

Das zeigt, dass der 71-Jährige ein Macher ist – seit 2018 auch als Vorsitzender des Orga, des Organisationsausschusses der Oberkochener Vereine. Da nimmt Karl Kehrle kein Blatt vor den Mund. „Schließlich geht es ums Wohl der Stadt, der Bürger und der Vereine“, hebt er hervor.  Der Orga-Chef ist dabei gleich beim Thema Stadtfest: „Da muss ich dicke Bretter bohren.“ Der Mittler zwischen Verwaltung und Vereinen fordert fürs Fest Flair und Unterhaltung ein. Da seien kreative Ideen gefragt, nicht wie so oft ein „weiter so“. Kehrle ist erfolgreich. „Dieses Jahr gibt's eine Premiere beim Stadtfest“, freut er sich. Mit einer Disco für die Jugend soll die „Neue Mitte“ Teil des Festes werden. „Es lässt sich also etwas bewegen.“

Das erhofft er sich auch von den halbjährlichen Orga-Sitzungen mit den Vereinsvorsitzenden, bei denen es um Terminabsprachen geht. „Da würde ich gerne noch mehr Vereine in unsere Gemeinschaft einbinden“, sagt er mit Blick auf die Zukunft. Das Potenzial sei vorhanden, um sich gegenseitig zu helfen; etwa bei Jubiläen. „Gemeinsam lassen sich solche Feierlichkeiten leichter stemmen“, meint er. Schließlich sei in Oberkochen die Bereitschaft, sich ehrenamtlich zu engagieren, vorhanden. „Das schätze ich sehr“, sagt er, der sich als „voll integriert“ bezeichnet in eine Stadt, die vieles bietet: Kultur – nicht nur mit den Jazz-Lights und Oberkochen dell'Arte; für die Vereine mit hohen Investitionen – ins neue Hallen- und Freizeitbad sowie in ein Sportzentrum; und als Wirtschaftsstandort – mit Arbeitsplätzen für viele.

Bekannter Kopf

Berühmter Sohn der Stadt ist Axel Schlosser. In Oberkochen hat der Trompeter in jungen Jahren gelernt, Musik zu machen, ehe er Musik für Jazztrompete in Mannheim studiert und seine internationale Karriere gestartet hat. Der 45-jährige Schlosser ist Solotrompeter der Bigband des Hessischen Rundfunks, „Leader“ eigener Formationen, wie des „Axel-Schlosser-Quartets“, und Gastsolist – etwa bei der SWR Big Band und seiner Heimatstadt musikalisch treu verbunden.

Instagram-Fotomotiv

Der Volkmarsberg mit seinem Turm, seiner Heidelandschaft und der Schutzhütte des Schwäbischen Albvereins ist über die Region hinaus bekanntes und beliebtes Ausflugsziel. Bei guter Sicht sind vom 23 Meter hohen Aussichtsturm aus die Alpen zu sehen. Das Naturschutzgebiet mit seiner Wacholderheide ist Wanderern attraktiver Teil diverser Routen. Ein Abschnitt des Jakobswegs etwa führt von Neresheim über den Volkmarsberg nach Rottenburg. 

Schon gewusst?

Zwei Kilometer vom Schwarzen Kocher entfernt verläuft die Europäische Hauptwasserscheide zwischen Rhein und Donau. Einst floss die Brenz durchs heutige Kochertal zur Donau. Wegen der Erosion verläuft heute der Schwarze Kocher im Urtal der Brenz. Geologen haben festgestellt, dass sich der Quelltopf des Schwarzen Kochers in den letzten 40 Jahren um acht Meter in Richtung Südosten verlagert hat. So wird in ferner Zukunft der Brenztopf Teil des Kochers sein.

Dieses Jahr gibt es eine Premiere beim Stadtfest.“

Karl Kehrle , Vorsitzender des „Orga“
Axel Schlosser beim Konzert in Oberkochen 2021.
Volkmarsbergturm und Hütte
Der Schwarze Kocher fließt im Urtal der Brenz.
Karl Kehrle im Gespräch
Karl Kehrle ist Vorsitzender der Schützengilde Oberkochen und damit Oberschützenmeister. Während der Corona-Pandemie konnte der Verein zehn Schießstände digitalisieren, was Kehrle besonders freut.

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