Traub fürchtet Zerschlagung des Photonik-Standorts

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Von den insgesamt 8,8 Hektar Fläche werden 4,6 Hektar bebaut. Ausgleichsmaßnahmen sind vorgesehen. Archivfoto: ls
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Was der Bürgermeister zur Petition gegen das geplante Gewerbegebiet „Oberkochen-Süd III“ sagt.

Oberkochen. Auf der Plattform „openpetition.org“ läuft derzeit die Petition von Bündnis 90/Die Grünen, die sich für den Erhalt der Hecken und Wiesen am Hang unterm Rodstein einsetzt.

„Der Bebauungsplan für das geplante Gewerbegebiet 'Oberkochen-Süd III' befindet sich in der Aufstellung“, so Bürgermeister Traub im Gespräch mit dieser Zeitung. Aktuell werden die aus der Öffentlichkeitsbeteiligung und der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange eingegangenen Stellungnahmen bearbeitet und in die Planung eingearbeitet. Parallel dazu, so Traub weiter, werde der Bebauungsplanentwurf im Rahmen des Zielabweichungsverfahrens mit dem Land Baden-Württemberg abgestimmt. Dieses Zielabweichungsverfahren sei nötig, weil die sogenannten Ziele der Raumplanung (regionaler Grünzug) tangiert würden. Mit den beiden Verfahren liege man im Zeitplan. Mit der Firma Hensoldt sei die Stadt in Kontakt und „unsere Planungen werden mit dem Unternehmen abgestimmt“, erklärt der Bürgermeister. Das Unternehmen habe ein Konzept vorgelegt, um betriebliche Belange mit dem Bebauungsplan zu synchronisieren.

Der Knackpunkt:Die Petitionsunterzeichner wehren sich gegen das 88 000 Quadratmeter große Industriegebiet. Jedes Wohn- oder Gewerbegebiet bedeute einen Eingriff in die Natur. Dies sei in Oberkochen so, aber auch woanders, sagt der Bürgermeister. Deshalb solle man nicht so tun, als ob dies andernorts gut, aber ausgerechnet in Oberkochen schlecht sei. Der Flächenverbrauch sei andernorts genauso groß wie in Oberkochen und „wir haben bereits im Vorfeld des Bebauungsplans sensible Bereiche ausgenommen“, argumentiert Traub. Für die restlichen Flächen, die in Anspruch genommen werden sollen, werde es an anderer Stelle Ausgleichsmaßnahmen geben. Die Stadt nehme viel Geld in die Hand, damit „eine ökologische Wiedergutmachung“ stattfinden könne, so Traub.

Die „Aussiedlung“: Diese Forderung der Petitionsunterzeichner sei kurzsichtig, denn der Eingriff in die Landschaft werde woanders genauso groß sein wie in Oberkochen, so Traub. Es mache zudem keinen Sinn, Unternehmen dort anzusiedeln, wo die Voraussetzungen gar nicht gegeben seien. Im Falle Hensoldt betreffe dies nicht nur Gewerbeflächen, sondern auch das gesamte Umfeld – etwa Arbeitskräfte und Personalgewinnung, Forschungsumfeld, Interaktion und Verbindungen mit anderen Unternehmen, Attraktivität als Wohn- und Arbeitsstandort oder den Freizeitwert.

Die Forderung nach einer Aussiedlung sei auch deshalb kurzsichtig, weil sich Oberkochen binnen der letzten zwei Jahrzehnte zu einem „Hochtechnologie-Standort“ entwickelt habe. Dies, so Traub weiter, sei nicht einfach so entstanden, sondern dafür hätten Unternehmen und Stadt gemeinsam sehr viel getan. Oberkochen sei Nukleus des „Photonic Valley“ in Ostwürttemberg und als solcher Teil des Photonik-Clusters Baden-Württemberg. Wenn der Neubau von Hensoldt Optronics am Standort Oberkochen verhindert werde, würde dies gleichzeitig die Zerschlagung des Photonic-Standorts bedeuten. „Nicht das zerschlagen, was in zwei Jahrzehnten mühsam aufgebaut wurde und was die Region des Ostalbkreises stark gemacht hat“, blickt der Bürgermeister in die Zukunft.

Renaturierung, Beschäftigte, Verkehrskollaps: Die Festlegung der Ausgleichsmaßnahmen wird im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens geregelt. Insbesondere gelte dies für die sogenannten FFH-Mähwiesen, für die es einen „Eins-zu-Eins-Ausgleich“ geben werde, stellt Traub fest. Nach eigenen Angaben des Unternehmens habe Hensoldt mit Stammsitz in Oberkochen etwa 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Internet kursiere teilweise die Zahl 500, die jedoch nicht mehr aktuell sei. „Hensoldt Optronics hat sich insbesondere in den letzten zwei Jahren dynamisch entwickelt“, betont Traub. Als „Scheinargument“ der Gegner des Gewerbegebiets bezeichnet er den von dieser Seite befürchteten Verkehrskollaps. Richtig sei, dass Hensoldt bereits in Oberkochen ansässig sei und daher der geplante Neubau im Süden der Stadt keinen zusätzlichen Verkehr bringen werde. Dies hätten auch Verkehrsuntersuchungen ergeben, die im Vorfeld in Auftrag gegeben worden seien. Ob ein anderes Unternehmen ansässig wird, wenn sich Hensoldt für einen anderen Standort entscheidet? Traub stellt hier kategorisch fest: „Das Gewerbegebiet 'Oberkochen-Süd III' wird im Hinblick auf die Unternehmensentwicklung von Hensoldt Optronics am Standort Oberkochen benötigt.“ Lothar Schell

Photonik ist die Wissenschaft vom Licht. Ein Photon ist ein ganz kleines Licht-Teilchen. Autonom agierende Systeme wie Fahrzeuge benötigen Infos über ihr Umfeld. Ist es ein Lastwagen oder eine Schilderbrücke? Photonische Sensoren wie Kameras auf Lichtbasis zur optischen Abstands- und Geschwindigkeitsmessung liefern im Zusammenspiel mit einer intelligenten Datenverarbeitung diese Infos. Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung

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