Udos Grillstation an der B19 geschlossen: Hoffnung für neuen Imbiss-Standort?

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Udo Gierlich von Udos Grillstation an der B19 in Königsbronn schließt nach zwei Jahren Foto: Markus Brandhuber

Preissteigerung und Inflation: Schweren Herzens hat Udo Gierlich entschieden, seinen Imbiss Udos Grillstation in Köngisbronn zu schließen. Aber er hofft auf einen neuen Standort.

Königsbronn

Liebe Gäste, Kunden, Freunde, es war mir eine große Ehre, Euch in den vergangenen zwei Jahren verwöhnen zu dürfen. Leider sind harte Zeiten angebrochen, ja sogar eine Zeitenwende, die mir sehr zu schaffen macht (. . .) deshalb wird zum 31. Dezember der Betrieb von Udos Grillstation eingestellt.“ Diese Nachricht war in den vergangenen Wochen an Udos Grillstation an der B 19 in Königsbronn zu lesen.

Man merkt den paar Zeilen an, dass ihm dieser Schritt schwergefallen sein muss. Und wenn man mit ihm spricht, hört man das auch. „Das war meine Leidenschaft, ich hatte mir einen Traum erfüllt“, sagt Udo Gierlich. „Aber ich musste die Reißleine, die Notbremse ziehen.“

Notbremse unausweichlich

Die Notbremse musste er ziehen, weil das Geschäft seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine stark eingebrochen ist. „Die Preise sind von Woche zu Woche so stark gestiegen, das konnte ich so schnell gar nicht an die Kunden weitergehen“, sagt Udo Gierlich. Um Preiserhöhungen kam er nicht herum. „Ich habe im April, dann im Mai und im Juni erhöhen müssen und habe versucht, es so moderat wie möglich zu halten“, so der 53-Jährige. Aber die Erhöhungen kompensierte nicht die Preissteigerungen.“

Dazu kommt: Seine Kundinnen und Kunden leiden ja auch unter den gestiegenen Lebenshaltungskosten und der Inflation. „Meine Stammkundschaft kam noch immer, aber sie haben nicht wie sonst zwei oder drei Tagesessen geholt, sondern nur noch eine Portion Pommes oder einen Schnitzelwecken.“

Er gebe seiner Kundschaft natürlich dennoch keine Schuld. „Alle müssen im Moment sparen und haben weniger im Geldbeutel. Und jetzt hat es mich eben erwischt.“

Gelernter Koch

Udo Gierlich ist gelernter Koch. Bevor er seinen Imbiss eröffnete, arbeitete er in verschiedenen Kantinen in der Region. „Was da passiert, hat mit Kochen mittlerweile aber nichts mehr zu tun“, sagt Uwe Gierlich. „Päckchen, Pulver, Eimer. Frisch ist da im Grunde gar nichts mehr. Und alles muss so schnell gehen, dass man nicht mal mehr Zeit hat, das Essen abzuschmecken.“

Das sei nicht seine Welt gewesen. Also entschied er sich, einen Imbiss zu eröffnen. Zunächst in Gerstetten, dann vor zwei Jahren in Königsbronn. Die Rahmenbedingungen dort passten. Durch den Standort auf dem eigenen Grundstück musste er keine Standgebühr bezahlen, seine Küche befand sich gleich nebenan und seine Speisekarte schlug ein wie eine Bombe.

Rinderfilet mit Spätzle und Salat

„Ich wollte es anders machen, als die anderen. Gesünder, freundlicher, exquisiter“, beschreibt Gierlich sein Konzept. Er kochte frisch, achtete auf die Qualität der Produkte, bot wechselnde Tagesessen an. An sein erstes Tagesessen kann er sich noch genau erinnern: Rinderfilet mit Spätzle und Salat. „Ich wollte gleich zeigen, was ich kann, und das Angebot wurde super angenommen.“ Suppen hatte er im Angebot, kochte zwischendurch asiatisch und hatte durchaus auch mal argentinisches Rinderhüftsteak mit Meersalz und Pfeffer im Angebot. Großes Lob bekam er auch für seine Burger – alles Eigenkreationen. „Für meine Rotweinzwiebeln bin ich zweieinhalb Stunden in der Küche gestanden, aber ich habe es gern gemacht für meine Kunden.“ Und bis zum Ausbruch des Krieges mit all seinen Begleiterscheinungen gab ihm der Erfolg recht.

„Ich hatte während der letzten Monate auch immer wieder zwei oder drei gute Tage, was den Umsatz angeht“, sagt Udo Gierlich. Darauf folgten dann aber auch wieder drei oder vier schlechte. „Wenn ich da abends, nach sieben Stunden, die Kasse gemacht habe, war das wie ein Schlag in den Nacken.“

Die Situation habe ihn zunehmend belastet und zermürbt. „Ich habe den Fehler bei mir gesucht und mich gefragt, was ich falsch mache, aber meine Kundinnen und Kunden haben gesagt: ‚Udo, dein Essen ist Bombe und du machst ganz und gar nichts falsch.“ Das tat zwar gut zu hören, verbesserte seine Situation allerdings nicht, denn kaufen kann er sich vom Lob natürlich nichts.

Nun ist Udos Grillstation geschlossen. Ein paar Tage früher als angekündigt. Und Udo Gierlich blickt in eine ungewisse Zukunft. „Als Selbstständiger konnte ich so kochen, wie ich es gut und richtig finde“, sagt er. Jetzt zurück in die Gastronomie zu gehen, sei ein schwieriger Schritt. Und etwas Hoffnung, dass sich die Situation normalisiert und er seinen Imbiss weiter betreiben kann, hat er doch noch. „Die großen Baustellen bei Hensoldt und bei Zeiss – die Leute, die da arbeiten und arbeiten werden, müssen ja was essen.“ Er hofft also auf einen alternativen Standort, bestenfalls in unmittelbarer Nähe der genannten Unternehmen. „Ich würde auch mein Konzept anpassen und morgens Kaffee und Butterbrezeln anbieten und mittags dann Essen auf die Hand. Im Prinzip könnte ich schon morgen anfangen.“ Christine Weinschenk

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