Ulrich Elser: „Bye-Bye Sonnenberg“

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Ulrich Elser plauderte mit der SchwäPo über die Sonnenberg-Schule. Hier ist er bei dem Interview in seinem Garten in Heubach-Lautern zu sehen. Foto: ls
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In wenigen Wochen ist die Sonnenberg-Schule im geschichtsträchtigen Bergheim Vergangenheit. Ein Gespräch mit dem dort lange tätigen Sonderschullehrer Ulrich Elser (72) aus Heubach-Lautern

Oberkochen

Ja, man kann schon sagen, einmal Sonnenberg – immer Sonnenberg“, sagt Ulrich Elser, als wir ihn in seinem schönen Garten in Lautern besuchen.

Natürlich habe er die Berichterstattung der Schwäbischen Post mit größtem Interesse verfolgt und: „Ich freue mich für meine ehemalige pädagogische Heimat, dass sie jetzt ein tolles Gebäude am Tierstein bekommt“, fügt der Uli hinzu. Das sei ein weiser Beschluss von Bürgermeister Traub und dem Gemeinderat gewesen.

Er blättert in seinen Aufzeichnungen, schließlich ist Oberkochen auch für ihn eine ganz wichtige Station in seinem Lehrerleben gewesen. Nach dem PH-Studium war er 1973 an der Realschule Bopfingen tätig, dann schon folgte der Sonnenberg und nach dem Studium der Sonderpädagogik in Reutlingen und Tübingen und einer kurzen Station an der Förderschule Fichtenau-Unterdeufstetten kehrte er 1978 an die Sonnenbergschule zurück.

Fast dreißig Jahre hatte Elser an der Mörike-Förderschule in Heubach unterrichtet. ‚“Einmal Sonnenberg, immer Sonnenberg, zumindest in meinem Gedanken“, lacht er und irgendwie sei für ihn diese schulische Einrichtung immer Nostalgie geblieben. „Warum?“, so die Frage des Reporters. Zunächst schweift der Sonderpädagoge, der seit 2018 bis zum heutigen Tag in Sachen sonderpädagogischer Betreuung und Förderung inklusiv beschulter Kinder an der Essinger Parkschule (Gemeinschaftsschule) tätig ist, ein wenig ab.

„Man muss froh sein, dass es seinerzeit einen Schulleiter namens Hans-Joachim Gentner gab und die damaligen Bürgermeister Harald Gentsch (Oberkochen) und Karl Burr (Königsbronn), die sich wie Berserker um den Erhalt und die Selbstständigkeit der Sonnenbergschule bemüht haben“, blickt Elser zurück, der diese Jahre hautnah miterlebt hat.

Da hat er recht, der Schreiber dieser Zeilen kann dies als ehemaliger Kollege nur unterstreichen. Das war in den beginnenden 1980er-Jahren. Oberkochen und Königsbronn hätten an einem Strang gezogen. Gentner hatte die Sonnenbergschule von 1972 bis 1986 geleitet und als er dann an die Hermann-Hesse-Schule Aalen wechselte, zeichnete Elser als kommissarischer Schulleiter verantwortlich. „Als die Selbstständigkeit unter Dach und Fach war, haben wir das zünftig in der Zunftscheune gefeiert“, blickt er mit einem Augenzwinkern zurück.

Familiärer Charakter

Besonders hervorzuheben seien bei der kleinen, aber feinen Sonnenbergschule der familiäre Charakter und damit der ganz enge Kontakt zu Schülern, Elternhaus, Rathaus, ortsansässigen Firmen und das Untereinander der Kollegen gewesen. „Das war ein ganz dickes Pfund und die Basis für die individuelle Förderung von Kindern, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen“, fügt Elser hinzu.

Man muss verstehen, es war jene Zeit, da das Wort Inklusion noch nicht im Duden stand und man einen auf die Finger bekam, wenn man von Integration sprach. Man sprach von Kooperation „und das war dasselbe“, betont Elser. Im Klartext: Betreuung von Kindergärten und Schulen in Oberkochen und Königsbronn, Sprachheilunterricht, enger Kontakt zu den Erziehungsberechtigten.

Nicht außen vor lässt Elser, dass diese kleine Schule mit ihren gerade einmal fünfzig Kindern immer hohes Ansehen bei den Stadtverwaltungen genossen habe. Er erinnert an das Pilotprojekt, als im Jahr seiner kommissarischen Schulleitung eine komplette Küche zur Versorgung der Schüler im Hinblick auf Ganztagesbetreuung eingerichtet wurde. Wohlgemerkt, das war Mitte der 1980er-Jahre.

Außerschulisches Leben sei eine feste Hausnummer gewesen, erinnert sich der Uli an unzählige Schullandheimaufenthalte, die die Gemeinschaft gefestigt hätten, aber auch an unvergessliche Kinderfeste und die Fußball-Matches auf dem Pausenhof, wenn der Kollege Lotus den „Wetz“ erst dann beendete, wenn seine Mannschaft endlich einen Treffer mehr auf dem Konto hatte.

„Ja, die Sonnenbergler waren schon eine ganz besondere Truppe, aber eine richtig gute“, sagt Elser zum Abschluss. Er schaut auf die Uhr, die Gartenarbeit ruft.

Am Bergheim wird derweil schon ausgeräumt, der erste Container ist schon da. Im neuen Schuljahr geht´s an den Tierstein, der Name Sonnenbergschule aber bleibt. Gott sei Dank. Das ist gute Oberkochener Geschichte und Tradition.

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