Wenn eine Katze besonders viele Vögel fängt

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Die Katze, die im Garten von Wilfried Vögel fängt. Ihm selbst gelang es, das Tier zu fotografieren. Foto: privat
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In einem Garten auf der Oberkochener Heide erlegt eine Katze besonders viele Vögel. Über den Jagdtrieb und das Problem Hybrid-Katzen.

Oberkochen

Weck den Tiger in ihr“, so lautet wohl das Motto derjenigen, die sich statt einer schnöden Hauskatze eine Hybridkatze ins Haus holen – eine gewollte Kreuzung aus Haus- und Wildkatze. Professor Wilfried Koch aus Oberkochen ist sicher – auch auf der Heide ist so ein Tier unterwegs. „Ich habe eine solche Katze regelmäßig im Garten. Er ist naturnah, es gibt dort viele Vögel und die Katze schleppt dauernd einen mit ab. Man kann sagen, fast täglich.“

Die Katze habe ein Jagdverhalten, das mit dem einer normalen Hauskatze nicht vergleichbar sei. Sie zeige eindeutig alle Züge eines Wildtiers, besonders, was den extremen Jagdtrieb angehe, so Koch. Der sei ganz anders entwickelt als bei einer durchschnittlichen Hauskatze. Die Katze trage sogar ein Glöckchen um dem Hals und gehöre demnach auch jemandem, ist Koch sich sicher. 

Dem Oberkochener gelang es, das Tier zu fotografieren – dem Foto nach ist es nach Auffassung der Aalener Tierarztpraxis Dauser vermutlich eine Bengalkatze, die heute allerdings nur noch reinrassig gezüchtet wird. „Eine Bengalkatze ist sicher nicht schlimmer als eine andere Katze“, sagt Dr. Stefan Dauser. Das Jagdverhalten einer Katze hänge nicht von der Rasse ab, sondern von den Gewohnheiten. Manche Katzen würden besonders gerne Vögel jagen, andere Mäuse, manche Frösche. „Das ist vermutlich eine Katze, die gerne Vögel jagt. Mehr als andere“, so Dauser. Und die vermutlich etwas schlauer sei, als so manch andere – weil ihr das trotz Glöckchen gelinge.  Dass Bengalkatzen aber sehr aktive Tiere seien, ergänzt Martina Kaasen, Katzenexpertin im Tierheim Dreherhof. Da könne es auch sein, dass eine Bengalkatze ein besonders aktiver Jäger sei.

Die Katze lässt das Jagen nicht

Katzen jagen andere Tiere. „Wenn man damit Probleme hat, kann ich das verstehen“, sagt Dauser. Wenn vom Meisennachwuchs im Garten nichts mehr übrig bliebe, weil von sechs zwei so nicht durchkommen würden, zwei von anderen Vögeln  und zwei von Katzen gefressen würden, sei das einfach bitter. Es gebe Katzen, die würden jeden Tag einen Vogel fressen, andere nicht. Abgewöhnen könne man das den Tieren nicht.

Als Problem sieht Dauser bei der Züchtung von Katzen aktuell vor allem die gewollte Kreuzung der bis zu 60 Zentimeter Schulterhöhe großen Serval - einer afrikanischen Wildkatze - und Hauskatzen, bekannt als Savannah-Katze. Hier leide das viel kleinere Muttertier, sterbe oft schon am Paarungsbiss in den Nacken.

Zu unterscheiden sind aber auch diese Züchtungen von den Hybriden, die durch die Kreuzung von heimischen Wildkatzen mit verwilderten Hauskatzen, die durch die Wälder streifen, entstehen. Letztendlich führt das zu einem Aussterben der  Wildkatze.

Darum ist Kastration wichtig

„Das Thema Hybridkatzen, also Kreuzungen aus Haus- und Wildkatzen ist beim Veterinäramt bisher nicht aufgeschlagen“, so Katharina Oswald, Sprecherin des Landratsamtes Ostalbkreis. Grundsätzlich gelte es deshalb, solche Kreuzungen mit der Kastration von Hauskatzen, vor allem von Freigängerkatzen zu raten. Es sei nicht bekannt, dass Wildkatzen generell mehr Vögel töten würden als Hauskatzen. Was allerdings aber naheliegend sei, wenn sie sich natürlich in freier Natur durchschlagen müssten.  

Tipp für Katzenhalter, die auch Vögel lieben

Wo Katzen in Freigang leben, sollten Futterstellen und Nistplätze gut geschützt werden. Dichte Hecken und Büsche können den gefiederten Freunden hier auch Schutz bieten.

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