Wie sich Oberkochens Wald wandelt

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Die Klimaveränderungen machen immer mehr Baumarten zu schaffen. So sterben auch die Eschen ab.

Förster Reinhold Vogel erklärt, wie es zu den Veränderungen gekommen ist und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen.

Oberkochen

Dem Wald kommt in Oberkochen eine große Bedeutung zu. Während in Deutschland rund ein Drittel der Fläche bewaldet ist, liegt der Anteil in Oberkochen bei satten 73 Prozent. Insgesamt wird eine städtische Fläche von 128 Hektar, davon 87 Hektar Waldfläche, bewirtschaftet. Hinzu kommen 900 Hektar genossenschaftlicher Realwald sowie weitere 16 Hektar Wald, der im Eigentum der katholischen Kirche ist. Für diese Gebiete ist Förster Reinhold Vogel schon seit 1984 zuständig, seit 2005 im Auftrag des Landkreises.

In den mehr als 30 Jahren hat Vogel jeden Winkel des ausgedehnten Waldgebiets erkundet und die Veränderungen miterlebt: "Das Wachstum der Pflanzen hat durch die Zunahme von Stickstoff zugenommen. Auf der anderen Seite können wir die Probleme durch die zunehmende Erwärmung deutlich sehen", sagt Reinhold Vogel: "Den Wald, wie wir ihn kennen, wird es in den nächsten 20 bis 30 Jahren nicht mehr geben." Im Zuge des Forsteinrichtungsplans, der alle zehn Jahre erstellt wird, ist abzulesen, wie auf die veränderten Bedingungen reagiert wird, reagiert werden muss. Bei dieser Inventur wird nicht nur festgelegt, wie der jährliche Hiebsatz ist, sondern wie der Wald gepflegt und bewirtschaftet wird. Und hier stehen deutliche Veränderungen an. "Die Fichte wird über kurz oder lang in unseren Wäldern verschwinden", so Vogel. Die Wärme schwächt die Bäume, die dann gegen Borkenkäfer keine Abwehrchance mehr haben. Deshalb ist langfristig geplant, den Anteil an Fichtenholz von 48 auf 30 Prozent zu senken. Alternativen an Nadelbäumen gibt es zur Fichte kaum, auch wenn im kalkhaltigen und nährstoffarmen Stadtwald aktuell eine Versuchspflanzung mit Lärchen und Douglasien gestartet wurde.

Die Fichte wird in unseren Wäldern verschwinden.

Reinhold Vogel Förster

Umso wichtiger wird in den heimischen Wäldern deshalb die Buche, die die Trockenheit besser verträgt. Denn es ist fast schon dramatisch, wie sich das Klima auf die heimischen Arten auswirkt: "Die Eichen werden vom Prozessionsspinner, einem Falter, befallen und wir müssen erleben, dass auch die Eschen aufgrund des Triebsterbens verloren gehen. Wir haben deshalb in diesem Jahr erstmals Esskastanien und Elsbeeren gepflanzt und setzen langfristig auf Rot- und Stieleichen, Kirschen und den Spitzahorn", erklärt der Förster: "Alles, was wir machen, ist wohlüberlegt. Um den Wald zu erhalten, muss er bewirtschaftet werden."

Ohne den Eingriff durch den Menschen würde die Fläche verbuschen und es würde ein Wald entstehen. So ist auch der Volkmarsberg eine geschaffene Kulturlandschaft, die eine wichtige Aufgabe erfüllt. Der Wald hat aber auch eine Schutzfunktion, indem er Wasser speichert und er liefert Holz. "Aber auch hier sehen wir die deutlichen Veränderungen. Wir hatten immer positiv gewirtschaftet und einen Überschuss erzielt. Das ist uns 2019 leider nicht mehr gelungen und wird auch dieses Jahr nicht klappen, zumal die Holzqualität schwindet und auch die Holzpreise drastisch gesunken sind", so Vogel. Doch bei all den Problemen liebt es der 61-Jährige in seinem Revier zu sein, die Natur zu genießen und bei idealen Bedingungen vom Volkmarsberg aus die Alpen sehen zu können.

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