Wiedersehen der Skisport-Asse

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Oberkochens Ski-Ikonen haben sich getroffen und Erinnerungen aufgefrischt. Von links: Hubert Wunderle, Hartmut Arnold, Heidrun Miese und Thomas Prosser. Foto: ls
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Turnierdirektor Hubert Wunderle hat das Treffen für die Schwäbische Post ermöglicht und Hartmut Arnold, Thomas Prosser und Heidrun Miese plaudern aus der Nostalgie-Kiste.

Oberkochen

Drei ehemalige Skisport-Asse treffen sich in Oberkochen nach Jahrzehnten wieder: Da sprudeln die Erinnerungen.

Hartmut Arnold (64), früher hieß er mit Nachnamen Fickert, ist aus Oberstdorf angereist, Thomas Prosser (60) wohnt jetzt in Neresheim und Heidrun Miese (60) auf der Oberkochener Heide. Heidrun und Hartmut sind Geschwister. Überschäumend ist die Freude bei Thomas Prosser – ein Wiedersehen mit den Freunden nach fast vierzig Jahren. Alle drei sind sich einig, dass man dem damaligen TV Oberkochen (heute TSV) „ganz viel zu verdanken“ hat. „Wir waren eine richtige Familie“, sagt Heidrun Miese. Es war jene Zeit, als der nordische Skisport groß wurde in Oberkochen und auf dem Volkmarsberg die erste Schanze stand.

Heidrun Miese absolvierte als erste Frau einen Biathlon

Turnen, Ski nordisch und Alpin gab's im TVO. „Alpin für die Elitären“, lacht Thomas Prosser und Heidrun Miese fügt hinzu: „Wir Langläufer wurden belächelt von den Alpinen.“ Heidruns Vater Harald Fickert hatte ihre Langlauf-Ski selbst gezimmert, Holzski-geteert quasi. „Die ganze Familie war unglaublich engagiert“, erzählt Hartmut Arnold. Schon mit sechs Jahren stand die kleine Heidrun auf den Brettern und landete ihre ersten Erfolge auf der Ostalb. Zwölf Jahre – bis 1960 – war sie Leistungssportlerin und in Baden-Württemberg im Einzel wie in der Mannschaft immer im vorderen Feld zu finden. Und sie war die erste Frau, die einen Biathlon-Wettbewerb absolvierte. „Das war damals schon ein echtes Kuriosum“, erinnert sie sich an ihren ersten Platz im Fünf-Kilometer-Sprint wie auch an ihre Teilnahme am berühmten Engadin-Skimarathon.

Thomas Prosser – der erfolgreiche Mann von der Schanze

„Stark im Springen“, schwärmen die Alt-Oberkochener noch heute von der nordischen Ikone. Prosser selbst sagt: „Im Sprung war ich stark, in der Langlauf-Spur weniger.“ Zu bescheiden, denn seine ersten internationalen Springen bestritt Prosser bei der Vierschanzen-Tournee 1978/79. Er war dritter Deutscher Meister auf der Kleinschanze und holte sich in Willingen Silber. Sein Höhepunkt: Der dritte Platz 1981 bei der Vierschanzen-Tournee in Oberstdorf. Einen Empfang habe es seinerzeit in Oberkochen nicht gegeben. Aber es wäre auch keine Zeit dafür gewesen. „Die Wettkämpfe gaben sich die Klinke in die Hand“, sagt er.

Beim Weltcup in Sapporo 1982 erreichte er noch einmal einen glänzenden vierten Rang. Nach Beendigung seiner Karriere fungierte Thomas Prosser als Skisprung-Trainer in Königsbronn und er betreute dort den Nachwuchs. „Die Zeit beim TVO bleibt für mich unvergessen. Das war Kameradschaft pur“, blickt er zurück.

Hartmut Arnold – Spitzen-Biathlet und „Doping-Entdecker“

Wie bei Heidrun Miese und Thomas Prosser hatte auch die Karriere von Hartmut Arnold mit Langlauf begonnen. Schon mit drei Jahren stand er auf den Brettln, bestritt mit sechs die ersten Wettkämpfe. Dass er es später zu einer bundesweiten Spitzenstellung im Biathlon bringen würde, hatte damals kaum einer gedacht. Er hatte großes Talent im Schießsport bei der hiesigen Schützengilde. 598 Ringe im Kleinkaliber liegend. Das war schon was. Der Deutsche Skiverband beobachtete dies mit Argusaugen, lud ihn zu einem Biathlon-Sichtungslehrgang ein. Dort gewann er alle Rennen. 1976 wurde er in Ruhpolding Deutscher Jugendmeister und ein Jahr später mit der Staffel Deutscher Juniorenmeister. Bereits mit siebzehn Lenzen war er Mitglied des Biathlon A-Kaders in einer Zeit, als noch mit Großkaliber geschossen wurde. Drei Mal nahm er an den Weltmeisterschaften der Junioren teil.

Harald Fickert: Ein „Revolutionär und Bahnbrecher“

Ein „Revolutionär und Bahnbrecher“ in Sachen Biathlon-Weiterentwicklung sei Vater Harald Fickert gewesen, erzählt Hartmut. Der Werkzeugmeister sei in seiner Werkstatt in Königsbronn ein echter Tüftler gewesen. Wurde zuvor im Biathlon auf Papierscheiben geschossen, so entwickelte Harald Fickert die erste Fallscheibe aus Metall, was dann in der Folge international übernommen wurde, und den Weg geebnet habe zu einer enormen Publikumswirksamkeit.

Und wie war diese heikle Geschichte? Der Name Peter Angerer fällt, zweifacher Olympia-Sieger über zwanzig Kilometer Einzel und Mannschaft. „Ja, der hat gedopt und ich habe das entdeckt“, sagt Hartmut Arnold unverblümt. Bei der „Quali“ für Sarajevo 1984 habe er eine verdächtige Ampulle mitgenommen und untersuchen lassen.

Später musste Angerer seine Medaillen zurückgeben, er hatte in der Tat gedopt. Aber die Repressalien seitens des Verbands Arnold gegenüber seien übergroß gewesen. „Entweder Du nimmst Deine Vorwürfe zurück oder es gibt in der Mannschaft keinen Platz mehr für Dich“, so der Tenor damals. Und beim Weltcup in Ruhpolding 1983/84 habe man ihm das Gewehr so verdreht, „dass ich zum Versagen am Schießstand gezwungen war.“ Hartmut wurde letztendlich aus der Mannschaft geworfen. Peter Angerer wurde vom Biathlon-Weltverband rehabilitiert, da er „nicht wissentlich gehandelt hat“.

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