Zum Tode von

Willibald MannesDer „Treppenpapst“ ist tot

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Oberkochen. Seine genialen Entwürfe für Holztreppen bleiben unvergessen und Willibald Mannes, der im gesegneten Alter von 97 Jahren verstorben ist, hat weit über die Region hinaus, ja sogar national und international Treppengeschichte geschrieben.

Der Zimmermann aus dem Kapellenweg war ein urständiger Oberkochener. Vorzeitig legte er nach Arbeitsdienst, Soldatenzeit und amerikanischer Gefangenschaft 1948 seine Meisterprüfung bei der Handwerkskammer Ulm ab. Mannes lernte im Betrieb der Eltern das Zimmererhandwerk. Sein Spezialgebiet war der Bau von Treppen aus verschiedenen Stilrichtungen.

International anerkannter Fachmann und Künstler

Er war ein Künstler des Treppenbaus, Lehrmeister, Buchautor und ein verdienter Kommunalpolitiker seinerzeit bei der Bürgergemeinschaft Oberkochen (BGFO).

Er zeichnete pfiffige Aquarelle und seine genialen und mitunter für diese Zeit ausgefallenen Entwürfe für Holztreppen ließen aufhorchen. Sein besonderes Faible waren Wendeltreppen. Die zweite Schutzhütte des Schwäbischen Albvereins war sein Werk, er hatte sie eigenhändig erbaut. Dreißig Jahre lang gehörte er dem Oberkochener Gemeinderat an. Er war einer der ersten, der zusammen mit dem verstorbenen Lokalhistoriker Dietrich Bantel zum Ausdruck brachte, dass Oberkochen unter keinen Umständen einen Aalener Autobahn-Südzubringer über Oberkochener Gemarkung dulden dürfe.

Willibald Mannes schrieb unzählige Treppenbau-Fachbücher, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden und bis heute Standardwerke sind. Er hielt auch nach seinem aktiven Ausstieg aus der Treppenproduktion 1985 über viele Jahre in seiner Werkstatt im Kapellenweg Fachkurse ab.

Eine große Wendeltreppe vermachte er als Dauerleihgabe dem Heimatmuseum. Willibald Mannes ist wie kein Zweiter eine Verkörperung der Entwicklung des alten hin zum neuen Oberkochen und er verwendete bei der Erschaffung seiner Werke und Kunstwerke die Werkzeuge der alten und der neuen Oberkochener Holzbearbeitungs-Werkzeugindustrie. Der „Bronkel“ und die Stadt verlieren ein Aushängeschild Oberkochener Geschichte. ⋌Lothar Schell

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