„Wir alle sehnen uns nach einer Normalität.“

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Andreas Hug

Nach zwei Jahren Fast-Stillstand herrscht wieder Aufbruch-Stimmung.

Oberkochen-Königsbronn.  Nach zwei Jahren Fast-Stillstand herrscht Aufbruch-Stimmung bei der Musikschule Oberkochen-Königsbronn. Musikschulleiter Andreas Hug blickt mit der SchwäPo zurück und in die Zukunft.

SchwäPo: Herr Hug, fast zwei Jahre ohne, Ihre Gefühlswelt?

Andreas Hug: Zu Beginn der Pandemie musste ich erst einmal begreifen, dass von einem Tag auf den anderen nichts mehr ist wie es war. Vorausplanungen wurden jäh gestoppt. Der zweite Lockdown war lange und sehr schwierig. Über Monate Corona-Verordnungen zu studieren und nur Online-Unterricht zu geben war ermüdend – keine Konzerte, keine  Aufführungen, Motivation auf Null.  Emotional aufwärts ging es, als wir im späten Frühjahr wieder Präsenzunterricht erteilen durften. Endlich wieder Gemeinsamkeit, im Oktober 2021 öffnete auch wieder die  Kindermusikschule mit mehreren Kindergruppen. Das fühlte sich befreiend an und lässt mit optimistisch bleiben.

Im Zweckverband war von Abmangel angesichts des Schülerrückgangs die Rede…..

Wir haben viele Schüler verloren, das ist richtig. Der Begriff Abmangel wird in der Kameralistik verwendet und steht für Defizit im Kontext der öffentlichen Finanzen. Übersetzt ein Fehlbetrag, ein Defizit, ein Zuschussbedarf. Abmangel sendet zwei negative Signale – erstens „Ab“ und zweitens „Mangel“. Deshalb sollte der Begriff nach meiner Ansicht durch die Bezeichnung Bildungsinvestitionen ersetzt werden. Bei den Nachberichten aus der  Zweckverbandssitzung bleiben den Lesern nur zwei Begriffe im Gedächtnis, nämlich „Musikschule und Abmangel.“ Assoziationen mit Abwärts, Abseits, Abschlag und sogar Ablass liegen nahe. Dies ist keine Werbung – weder für die Kommunen noch für die Musikschule. Wie sollen mit solchen Negativ-Begriffen Bürgerinnen und Bürger verstehen können, dass es sich um eine gewollte Bereitschaft der Kommunen handelt, jeden einzelnen Musikschüler finanziell innerhalb seiner ganz persönlichen musikalischen Weiterbildung zu unterstützen?

Wie kann man Schüler zurückgewinnen?

Schüler werden dann wieder kommen, wenn wir einer Nachfrage entsprechend gute Lehrkräfte anbieten können. Wichtig für Schüler und Eltern ist ein wöchentlich regelmäßiger Musikschulunterricht, der mit kurzen Wegen leicht erreichbar und für Entgeltzahlende leistbar ist. Mittlerweile haben wir wieder elf Gruppen in der Kindermusikschule. Im April startet voraussichtlich eine neue Kleinkindgruppe. Aus der Kindermusikschule bleiben die Kinder dann meist als  Instrumental- oder Gesangschüler bei der Musikschule. Wir hoffen auch wieder auf die beliebten Musikschul-Vorspiele, was für Klein und Groß eine gute Gelegenheit ist, sich zu präsentieren. Vorspiele sind in der Öffentlichkeit eine gute Werbung.

Wo sehen Sie den Mehrwert der Musikschularbeit?

Der statistisch messbare Hauptanteil von Musikschülern bei den null bis 27jährigen bei neunzig Prozent, bei den Erwachsenen ab 27 Jahren bei zehn Prozent. Bei genauerer Betrachtung müssen aber Kontakte zu Vereinen und Kirchen berücksichtigt werden. Hier gibt es lose Bindungen, unterschiedliche Ensembles und Chöre aller Altersstufen finden sich projektweise zusammen. Manche Musikschullehrer sind auch außerhalb ihrer Musikschularbeit aktiv und das ist gut sei, quasi eine Vernetzung. Somit besteht auch die Gelegenheit für alle Altersstufen, sich aktiv einzubringen, ohne sich zuerst für einen Musikschulunterricht entscheiden zu müssen. Durch diese Kontakte finden insbesondere Erwachsene Zugang zur Musikschule, die durch diese Begegnungen erst auf die Musikschule aufmerksam werden.

Was plant die Musikschule Oberkochen-Königsbronn für dieses Jahr?

Ab Frühjahr freuen wir uns alle sehr auf öffentliche Begegnungen mit Schülervorspielen, Auftritten und Konzerten. Musikschul-Ensembles müssen teilweise wieder neu aufgebaut und installiert werden. Das Interesse an Klavierunterricht ist so groß wie lange nicht, dagegen an Blasinstrumenten bislang verhalten,, obwohl sehr gute Lehrkräfte vorhanden sind. Hier wollen wir den Unterricht neu beleben, aber so richtig kann dies erste mit weiteren Lockerungen ermöglicht werden

Abschließend, was liegt dem Musikschulleiter besonders am Herzen?

Wir alle sehnen uns nach einer Normalität. Wichtig für uns ist, in allen erdenklichen Besetzungen  auch öffentlich wieder musizieren zu dürfen. Schüler und Lehrer sollen gerne zur Musikschule kommen und wieder gemeinsam musikalisch aktiv sein können.

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