Zeiss baut und wächst weiter

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Blick auf die Bauarbeiten im Industriegebiet von Oberkochen.
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Das Südwerk des Konzerns vergrößert sich rasant. Ein Überblick über die Bauarbeiten.

Oberkochen. Rund 600 Millionen Euro investiert der Zeiss-Konzern in den kommenden Jahren in der Region Ostwürttemberg. Und wer regelmäßig die B19 zwischen Oberkochen und Königsbronn, kann diesen Investitionen beim Wachsen zusehen: Der größte Standort des Konzerns nicht nur in der Region verändert permanent sein Gesicht.

Der Schwerpunkt der Investitionen liegt wie bereits berichtet auf der Zeiss-Chipfertigungssparte SMT, die seit Jahren so kontinuierlich wie rasant wächst. Die Nachfrage nach den SMT-Optiken, mit denen die kleinsten und energieeffizentesten Computerchips der Welt hergestellt werden, ist weiter riesig. Zeiss kooperiert dabei eng unter anderem mit dem niederländischen ASML-Konzern, der der weltweit größte Anbieter von Lithographiesystemen für die Halbleiterindustrie ist und die fertigen Anlagen herstellt.  

Zeiss baut im sogenannten Südwerk an einer neuen Halle mit Büros für die Fertigung der sogenannten EUV-Spiegel, dank derer die Chips gefertigt werden können. Ergänzt wird dieser Hallenabschnitt um Sozialräume für Produktionsmitarbeitende, um Pausen- und Aufenthaltsräume für Werksmitarbeitende sowie um ein neues Bürogebäude für Mitarbeitende in produktionsnahen Entwicklungs- oder Service-Bereichen, teilt das Unternehmen mit.

Von der Bundesstraße aus sichtbar ist der Neubau in der Nähe des SMT-Bürogebäudes. In dem neuen Gebäude sollen die hochpräzisen Spiegel für EUV-Optiken mit CNC-Fräsmaschinen geschliffen werden. Diese Vergrößerung ergänzt laut Zeiss einen Produktionsabschnitt aus einer bestehenden Halle für das Schleifen und Prozessieren von EUV-Spiegeln.

Auch auf der rückwärtigen Seite des Südwerks (rechts im Bild) wird fleißig gebaut. Hier wird die Halle für die Beschichtung von EUV-Spiegeln erweitert. Einige Meter weiter entsteht ein neues Gebäude für Reinigungsanlagen, um die Zeiss-Optiken vor dem nächsten Bearbeitungs- oder Messprozessschritt künftig effizienter von Partikeln und Schmutzteilen auf den Oberflächen zu reinigen.

Zeiss baut nicht nur neu, sondern ebenso um. Aus dem ehemaligen Standortlogistikzentrum wird eine Produktionshalle, in der in Zukunft Komponenten für die Optiken hergestellt werden sollen. In jedem Fall sind die Bauarbeiten für den gesamten Standort eine besondere Herausforderung: Sie dürfen nicht die aktuelle Produktion beeinträchtigen, zumal die hochpräzise SMT-Messtechnik empfindlich auf Störungen durch Erdarbeiten oder Abbrucharbeiten auf den Baustellen reagiert.

Export nach China weiter eingeschränkt

Die Nachfrage nach Chips und deren Herstellungsanlagen ist riesig. Keine Überraschung also, als Vorstandschef Dr. Karl Lamprecht bei der Bilanzpressekonferenz erklärte, die SMT-Chip-Sparte sei im Geschäftsjahr 2021/22 um 20 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro gewachsen, der gesamte Umsatz um 16 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro.

Zeiss liefert die SMT-Systeme an den niederländischen Konzern ASML, der die Anlagen herstellt. Die ehemalige Philips-Tochter hatte im zurückliegenden Geschäftsjahr ebenfalls zugelegt, von 18,6 Milliarden auf 21,2 Milliarden Euro.

Nach China darf ASML die weltweit einzigartigen, auf EUV-Technologie basierenden Systeme übrigens auf Geheiß der Politik nicht verkaufen. Nun gibt es weitere Einschränkungen: Die Niederlande führen laut Medienberichten nach US-Vorbild eine Kontrollliste für den Export von DUV-Lithografie-Systemen, der Vorgängertechnologie, ein. Das betrifft ASML und seine Zulieferer: neben Zeiss ist das auch der Ditzinger Maschinenbaukonzern Trumpf. Die Exporteinschränkungen hat Liesje Schreinemacher, niederländische Ministerin für Außenhandel und Entwicklungszusammenarbeit, nun angekündigt.

Auswirkungen auf das Wachstum von ASML (und damit Zeiss) dürfte das mittelfristig nicht haben. Laut Angaben der Niederländer bestellen die Kunden (unter anderem die Chiphersteller TSMC, Samsung oder Intel) mehr Systeme, als der Konzern derzeit herstellen kann. rs

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