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Eröffnungsmatinee der Ausstellung „eating harmony“ im Gmünder Prediger.
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Die Galerie im Prediger Schwäbisch Gmünd zeigt Werke des Künstlers Philipp Messner. Es geht um ein Thema mit drei Teilen. Nun wurde sie eröffnet.

Schwäbisch Gmünd

Der Blick in der Galerie im Prediger richtet sich zunächst auf 84 Meter edlen Flexschlauch, keinen schnöden Plastik-Wasserschlauch aus dem Vorgarten. „Noch wichtiger als das Konzept ist die Ästhetik“, sagt Museumsdirektor Dr. Max Tillmann zur Arbeit des Künstlers Philipp Messner, dessen Werke bis 22. August im Prediger in Schwäbisch Gmünd zu sehen sind. „eating harmony“ ist eine dreigeteilte Ausstellung mit Installation, Zeichnung und Großskulptur.

Kurator und stellvertretender Museumsleiter Joachim Haller beginnt mit seiner Führung dort, wo sich fürs Kunstpublikum die größten Fragen stellen. Was hat es mit den am Boden liegenden Carrara-Marmorplatten auf sich, mit den Schläuchen, an deren Ende zungenhafte Objekte ihren Dienst tun. Wasser diffundiert kaum merkbar und verlässt das Objekt, den Marmor, erobert sich den Raum. Der Künstler ergänzt die Arbeit durch Pillen, die er auf Marmor und Wasserlauf streut, Symbole gegen Unangenehmes, gegen Kopfschmerz oder Angst. Eine Installation, die Verbindung zum weiteren Werk Philipp Messner aufnimmt. Etwa zur Großskulputur „Globo“, ein Kopffüßler, vier Meter hoch und mitten im Innenhof des Predigers platziert. Auch „Globo“ ist in seinem Ausdruck wie geschaffen, Unangenehmes fernzuhalten. Im offenen Mund zeigt sich die Zunge, die unvermittelt in ein Bein übergeht. „Ein Schlund, der alles Schlechte, Mutanten oder Kleingeistigkeit neutralisiert“, sagt dazu Dr. Max Tillmann.

Philipp Messer sieht eine weitere Parallele, eine entäußerte Körperlichkeit, wie sie auch bei den Zungengebilden auf dem Marmor zum Ausdruck kommt, „niemand weiß, wo der ganze Körper ist“.

Der Museumsdirektor spannt einen Bogen zu den Kopffüßlern Hieronymus Boschs. Und Joachim Haller erinnert an den Kopffüßler als „die knappste, bildnerische Darstellungsform eines Menschen“. Kopf, Beine und Füße gehen in der Figur undefiniert ineinander über: Ist das noch Kopf oder schon Körper? Noch Bein oder schon Fuß?

Programmatisch setzt sich die Ausstellung in einer Serie von zehn jüngst entstandenen, noch nie gezeigten Papierarbeiten fort. Dabei handelt es sich um Zeichnungen mit Aquarellfarben, -kreiden und Farbverläufen, die an das Wischen über die Oberfläche eines Smartphones denken lassen. An diese Farbverläufe sind in Farbe getauchte Gipsfinger angedockt, die sich teils in den Zeichnungen tarnen, teils von diesen abheben und in den Bildraum ragen. Dabei handelt es sich um Gipsguss-Abformungen von Fingern des Künstlers. „Das flache zeichnerische, zweidimensionale Bild wird durch die Plastizität der Finger ins Dreidimensionale überführt, so dass der Blick des Betrachters zwischen bildhafter Fläche und räumlicher Tiefe oszilliert“, sagt Joachim Haller. Mehr noch, die Zeichnungen spielten durch die eingeschriebenen, gipsernen Fingerabformungen des Künstlers auf die Urheberschaft der Werke durch die Künstlerhand an. „Nicht zuletzt beglaubigt die physische Fingerspur des Künstlers auf den Werken subtil deren Authentizität und Autorenschaft“ so Haller. Eine Ausstellung, die Betrachterin und Betrachter auf Spurensuche schickt, die sich nicht im Vorbeigehen erschließt, sondern aktive Mitarbeit herausfordert.

Die Ausstellung ist in der Galerie im Prediger Schwäbisch Gmünd bis 22. August zu sehen. Geöffnet ist Dienstag, Mittwoch, Freitag von 14 bis 17 Uhr, Donnerstag 14 bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertage von 11 bis 17 Uhr.

Die knappste, bildnerische Darstellungsform eines Menschen.“

Joachim Haller, Kurator

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