Allrounder Dietmar Schmid zeigt „Metamorphosen“

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In der Esssinger Kulturscheune sind bis zum 7. November Dietmar Schmids ® "Metamorphosen" zu sehen.
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Der Künstler ist in der Essinger Schlossscheune mit seinen aktuellen Arbeiten zu Gast.

Essingen. Dietmar Schmid ist ein Allrounder. Neben Bildern schafft er auch Skulpturen, deren Großformate im Schlosspark zu sehen sind. Objekte, mittel Hammer und Meißel aus Marmor- und Sandsteinblöcken gehauen. Torsi und Nixen hier, „Aphrodite“ und „Liberté“ da - die Antike lässt grüßen. Kunst zum Anfassen, polierter Marmor neben rauem Sandstein.

Das lockte am Freitagabend über 100 Kunstfreunde zur Eröffnung, das verführt zu einer Art Blindverkostung von Kunst und zu ungewohnten Erfahrungen in der Wahrnehmung unmittelbarer körperlicher Empfindungen, wie Vernissagerednerin Dr. Sabine Heilig treffend umschrieb. Zur Ausstellung eingeladen hatte die Essinger Kulturinitiative, deren Vorstandsmitglied Christof Morawitz den 80 Jahre jungen Dietmar Schmid als immer neugierig bezeichnete, als einen, der der Befindlichkeit des Menschen mit künstlerischen Mitteln nachforsche. Zur Malerei gekommen ist der ehemalige Aalener Hochschulprofessor bereits in jungen Jahren, zur Steinbildhauerei jedoch erst nach seiner Pensionierung, als Schüler von Christoph Traub, dem Enkel von Bildhauer-Professor Fritz Nuss.

Inhaltlich stellt er - wie in seiner Malerei - den menschlichen Körper in den Focus, einen klassischen Duktus bevorzugend. Dennoch scheut er sich nicht, zeitgemäße Schnitte und Brüche einzuarbeiten. Bei Bedarf dürfen solch interpretationsreiche Verfremdungen auch aus unbearbeiteten Stellen bestehen. Kunstfreunden will er so „Augenfutter“ bieten, sie einladen, die steinerne Kunst mit den Händen zu erforschen.

Mit ein Thema in Schmids Ausstellung ist die Malerei mittels Blindtastung. Hierbei wird ein Modell nicht durch Abzeichnen, sondern durch „blindes“ Ertasten in ein Bild transferiert. Die haptische Wahrnehmung liefert die Information, während die kinästhetische die Bildformen generiert. Ein zweites Thema: die Pigmentpenetration, ein von Farben durchdrungenes Vlies, bei der die Bildseite zur Rückseite wird, das eigentliche Revers so zum Bild. Mit ganz neuen Einsichten, zumal der ehemalige Robotik-Professor nicht von der Technik lassen kann, weshalb manch ein Vliesobjekt mittels LED zum Lichtobjekt mutiert.

Dietmar Schmids Kunst steht im Widerstreit zwischen abstrakt und konkret. In seinen metamorphorischen Plastiken wie in den Bildern, in denen Menschen nach nonverbaler Kommunikation suchen. Sinnbilder einer verborgenen Wirklichkeit mit Interpretationspotenzial.

Herbert Kullmann

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