Wespels Wort-Wechsel

Am Ende des Tages ...

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Manfred Wespel

Manfred Wespel über die Wiese Guys, Mathias Schweighöfer und Eva Dix

Was haben Mathias Schweighöfer, die Wise Guys, Julian David, Miriam Hanika (und viele andere) gemeinsam? Sie alle haben einen Popsong mit dem Titel „Am Ende des Tages“ produziert. Und was haben Robert Hultner, Bjarne Reuter, Eva Dix und Bernhard Meuser (und viele andere) gemeinsam? Richtig, sie haben ein Buch mit genau diesem Titel geschrieben, manche mit einem Zusatz wie eines langen, bösen, vergeblichen, siebten Tages, damit man sie besser unterscheiden kann.

Aber am Ende des Tages geht es hier um die Finanzierung der Vorhaben.“Zurzeit überrollt uns diese Redensart wie eine Springflut. Sie wurde in den 1990ern aus dem Englischen „at the end oft he day“ übernommen, wobei sie dort recht pragmatisch benutzt wird, etwa at the end oft the business day – bei Betriebsschluss. Im Deutschen hat die Redensart vor allem bei den Popsongs nicht nur eine konkrete zeitliche Bedeutung, sondern auch etwas geradezu Philosophisches: Man denkt am Abend über den Tag nach. Was habe ich heute getan, erreicht, was war und ist mir überhaupt wichtig? Längst aber wird die Wendung bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit verwendet, und bisher sagte man dazu: schließlich, endlich, tatsächlich, in der Tat, in Wirklichkeit, unterm Strich. Am Ende des Tages (und manchmal schon am frühen Morgen bei der Zeitungslektüre) frage ich mich, wann es mit dieser Am-Ende-des-Tages-Inflation ein Ende hat.

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