Außerirdische werfen ihre Schatten

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Schattentheater im Freien. Foto: Jan-Philipp Strobel
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Das Ensemble „Kaleidolux“ spielt unter freiem Himmel und geht mit dem Equipment neue Wege.

Schwäbisch Gmünd. Der Johannisplatz in Gmünd wird zum Ort seltsamer Begegnungen. Außerirdische werden gesichtet und dafür ist das Ensemble „Kaleidolux“ verantwortlich. Sara Gros NF und Chris Kaiser machen es sich gerade in Sesseln bequem, da werden sie durch Himmelsereignisse aufgeschreckt. Die Geschichte nimmt ihren Lauf.  Ein Ereignis, das am Sonntag mehr als 150 Schattentheater-Interessierte unter freiem Himmel verfolgen. Das Schattentheater-Festival geht auf das Publikum zu und „es sind viel mehr da als wir das erwartet haben“, sagt Festival-Intendantin Sybille Hirzel. Schattenspieler und Publikum kommen sich näher, Sara Gros NF erläutert auch , was hinter dem Titel „Upcycling Shadows – Nachtschattengewächse“ steckt.  Auf ihrer mobilen Einkaufswagen-Bühne gibt die Gmünder Gruppe Kaleidolux Alltagsgegenständen wie Mülleimern oder Joghurtbechern ein zweites Leben. Teil des Konzeptes ist es, die Figuren aus recyceltem Material zu erstellen. So wird ein Kartoffelsieb zum UFO, ein To-go-Becher zur Taube, die  im Schattenspiel auf Fassaden und Plätzen zum Leben erwacht. 

Aber es geht ja um die Außerirdischen. „Flexies“ nennt sie Gros und die „landen“ über die Westfassade der Johanniskirche direkt vor dem Publikum, um an weiteren Stationen in der Innenstadt einzudringen in banale irdische Angelegenheiten. Immer musikalisch begleitet von Peter Nickel, der beweist, dass „Der dritte Mann“ auch mit dem Cello perfekt klingen kann. Und wenn die Außerirdischen eintreffen, darf es Space-Sound sein, der den Gänsehaut-Effekt unterstreicht. Die „Flexies“ erfahren bei der nächsten Station an der Augustinuskirche das Dolce far niente, träumen im Liegestuhl von Tanz und süßem Nichtstun. Um später am Münster bei einem Bar-Besuch samt Hütchenspiel mit Chris Kaiser irdische Freizeitbeschäftigung kennenzulernen. Welche Lebewesen sich sonst noch so tummeln, das projiziert das Ensemble auf den Glockenturm am Münster, ein frecher Waschbär zeigt sich als Fassadenkletterer und verschwindet im Dachgeschoss des Nachbargebäudes, Tauben gleiten wie schwerelos vorbei und weisen den Weg zurück zum Ausgangsort: Denn an der Johanniskirche wartet schon das UFO, die „Flexies“ sind so rasch wieder weg, wie sie gekommen sind.

Ein experimentelles Stück, eingebettet in klassisches Schattentheater. Die Produktion zeigt, dass nicht immer ein geschlossener Raum fürs Schattenspiel da sein muss, dass ein Festival Aufführungen im Freien braucht, um noch mehr Aufmerksamkeit zu wecken. „Kaleidolux“ trifft damit den Nerv des Publikums, anhaltender Beifall bleibt nicht aus. ⋌ Kuno Staudenmaier

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