Axel Nagel als der Poet des Alltags

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Axel Nagel im Garten des Palais Adelmann.
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Der Schwäbisch Gmünder Multiinstrumentalist beeindruckt in Ellwangen mit feinem Humor.

Ellwangen. Macht das den Unterschied? 1500 Fans bei Tim Bendzko auf Schloss Kapfenburg, rund 40 bei Axel Nagel im Garten des Palais Adelmann in Ellwangen. Beide sind Singer Songwriter, auf Deutsch Liedermacher. Der Unterschied: Axel Nagel geht nicht so leicht ins Ohr, weder mit seinen Melodien noch mit seinen Texten.

Umso intensiver am Freitagabend das Erlebnis im Palaisgarten. Einschließlich der 20-minütigen Verschiebung. Denn kaum hat der Gmünder Multiinstrumentalist auf der Gitarre die ersten Akkorde gezupft, setzt der Regen ein. Im Gebäude warten die Nagelfans, bis der Schauer vorüber ist und die Stühle trockengelegt sind.

Dann dauert es ein bisschen länger als die „Drei Sekunden“ seines aktuellen Albums, bis Sänger und Publikum bei einander „angekommen“ sind. Wenig später begleitet man den Künstler gerne auf seiner „Reise ins Innere“, bei der sich der eine oder die andere auch selbst begegnet. Ohne Sorge vor Traumata. Denn Axel Nagel ist ein feiner Mensch mit hintergründigem, doch nie verletzendem Humor.

„Dinge, über die ich singe“ sind Alltagserlebnisse, gesammelt unter anderem auf einer Tour durch malerische schwäbische Dörfer. Man könnte ihn einen mit Selbstironie begabten Poeten des Alltags nennen, weil alles Spektakuläre nicht sein Ding ist.

Außer sein Auftritt. Wie er über die Loop-Maschine seine Percussion sampelt oder sich selbst zum Duo reproduziert, verlangt nach dem Prädikat „Einmann-Orchester“. Zwischendurch greift Nagel zur Querflöte oder beflügelt das Theremin mit seinen Zauberhänden zu sphärischen Höhenflügen.

Für wen macht er das? Die Antwort gibt er in dem Lied „ihr alle“. Für seine Freunde, für sein Publikum. Vermisst hat er sie mit der Zeit, als er von Februar bis April in der „Casa Ananda“, dem Haus eines Freundes auf Sardinien, so ganz allein an dem gleichnamigen Album gearbeitet hat. Nur der Text eines der eindringlichsten Songs auf der sardischen CD stammt nicht von ihm. Den hat sein österreichischer Kollege Gernot Rupp geschrieben. „Der Turm“ hat viel gesehen in seiner mehrhundertjährigen Geschichte. Axel Nagel gibt ihm Melodie und Stimme dazu.

Zu den harmonischen Perlen im sonst eher jazzig geprägten Programm zählt eine Auftragsarbeit des Bayerischen Rundfunks. „Der Fluss“ über die Donau bei Lauingen fließt ganz er selbst herrlich entspannt dahin. Zu vorgerückter Stunde haut Axel Nagel dann noch ganz schnörkellos einen rockig grundierten Blues ‘raus. Er hat’s einfach drauf. Mehr Infos auf www.axelnagel.com

Wolfgang Nußbaumer

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