Bachs WO wird mutmachendes Signal

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Unter Leitung von Jörg-Hannes Hahn bringen der Bachchor Stuttgart und „La Banda Augsburg“ Johann Sebastians Bachs Weihnachtsoratorium Teil I,II, III und IV zur Aufführung.
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Unter strengen Corona-Regeln wird das Weihnachtsoratorium im Forum des Schönblicks aufgeführt. Ein Hörgenuss über 90 Minuten.

Schwäbisch Gmünd

Das Weihnachtskonzert hat Tradition. Im letzten Jahr musste es ausfallen, jetzt ist es unter strengeren Regeln möglich!“, erläuterte Martin Scheuermann dem Auditorium im Forum des Schönblicks. Bachs Weihnachtsoratorium sei ein Kontrapunkt zu dem, was man seit zwei Jahren höre und solle für weihnachtliche Freude sorgen. „Denn dieser Konzertabend ist mehr als Musik!“

Im Rahmen der Konzertreihe „Musik am 13.“ der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Bad Cannstatt brachten unter Leitung von Jörg-Hannes Hahn der Bachchor Stuttgart und „La Banda Augsburg“ Johann Sebastians Bachs Weihnachtsoratorium Teil I,II, III und IV. Ein ganz besonderer Hörgenuss schlug 90 Minuten die Zuhörerschaft in Bann. Die Freude am Singen und Musizierender Mitwirkenden sprang auf das Publikum über. Eine Unmittelbarkeit, die sich nur live einstellt, keine noch so ausgefeilte Soundbox kann das ersetzen. Nichtallein der Klang, es sind die Akteure auf der Bühne, die alles zu etwas Einzigartigem formen.

Es entfaltete sich die Weihnachtsgeschichte im Wechselspiel von Orchester, Chor und Solisten. „La Banda“ musiziert mit historischen Instrumenten. Jedes Instrument, ganz gleich, ob Streich- oder Blasinstrument, wurde meisterhaft gespielt. Feingliedrig der Ausdruck der Passagen, das Zusammenspiel mit Chor, Sängerinnen und Sängern in Tonstufen akzentuiert. Man konnte eine Ahnung erhaschen, wie das Weihnachtsoratorium zu Bachs Zeiten erklungen seinmuss.

Sopranistin Annija Kristiana Adamsone, Anneke Ulmer, Alt, Tenor Markus Brutscher und Bassbariton Manfred Bittner übernahmen die Solopartien. Letzterer war für den erkrankten Uwe Schenker-Primus eingesprungen. Nüchternhellklingendverkündete Tenor Markus Brutscher den Aufruf zur Zählung der Untertanen in Kaiser Augustus’ Reich. Warm und melodiös Anneke Ulmers Alt im Rezitativ und der Arie„Bereite dich, Zion“, das in das Motiv des Chores „Wie soll ich dich empfangen“ mündete.

Der durchsichtige Klang, die Leichtigkeit der Gesangs- und Orchesterpassagen spannen ein atmosphärisch dichtes Netz,das alles Alltägliche vergessen ließ. Hell die Stimme der Sopranistin Annija Kristiana Adamsone, untermalt von Bassbariton Manfred Bittner im harmonischen Zusammenspiel in der Arie „Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen“.

Nach einer Stunde mit Teil I und II ging es nach einer längeren Pause in den zweiten Teil des Oratoriums mit,„Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen“ (III),und IV,„Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“. Das Oratorium war nicht in voller Länge zu hören. Wegen der Pandemie wurden einzelne Sätze gekürzt oder weggelassen.

Es waren besondere 90 Konzert-Minuten. Der Bachchor Stuttgart, diesmal nur mit 16 Sängerinnen und Sängern vertreten, bewies seine Bekanntheit wieder einmal zu Recht. Durch jahrelange Schulung kommen schwierigste Passagen leicht herüber. Dirigent Jörg-Hannes Hahn ließ die eigene Freude am Werk unmittelbar an Sängerinnen,Sänger und das Orchester überspringen,und von der Bühne in den Saal.

Bachs Weihnachtsoratorium, das für viele Menschen unverbrüchlich zu Weihnachtengehört, wurde mit dieser Aufführung zum mutmachenden Signal in schwierigen Zeiten.

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