Beim Kirchenmusikfestival knarzen die Türen

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Nimmt mit auf eine musikalische Reise mit in Länder, die am Mittelmeer liegen: Das Zanouska Quartett auf der Remsparkbühne beim EKM.
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Das Zakouska Quartett besticht auf der Remsparkbühne mit einfallsreicher Weltmusik.

Schwäbisch Gmünd. Der meteorlogische Sommer, er lässt immer noch auf sich warten. Gut, dass es da solche Musik gibt, wie sie das Zanouska Quartett am Mittwochabend beim Festival für Europäische Kirchenmusik auf der Remsparkbühne feierte. Es ist das letzte EKM-Konzert auf dieser Bühne in diesem Jahr, wie Intendant Klaus Stemmler sagt. Eines, das noch mal zeigte, wie vielfältig dieses Programm auch unter Pandemiebedingungen ist.

Denn die vier jungen Musikerinnen und Musiker zelebrieren feinste Weltmusik, voller Einfälle und Überraschungen. Dabei ist die Besetzung zunächst gar nicht so spektakulär ungewöhnlich. Akkordeon, zwei Violinen, Gitarre. Nach einem kurzen "Salut" ein Auftakt irgendwo zwischen Country, Balkanmusik und Volkslied. Sofort fliegen dazu vor dem geistigen Auge bunte Röcke, tauchen lachende Münder auf, wird ein ausgelassenes Fest gefeiert. Ein Tanz zwischen Gitarre und Akkordeon auf der einen Seite, zwischen den beiden Violinen auf der anderen. Ein paar Takte später lassen Aline Haelberg und Elodie Messmer mit diesen die Luft drängend summen, während dazu die Rems unablässig rauscht, zusammenfließt mit dem Mittelmeer. Später setzen sie sich wieder zusammen an einen Tisch mit den beiden anderen.

"La Crié" heißt das Programm. Musik aus den Hafenstädten des Mittelmeers, eine Seereise von Marseille über Heraklion und Athen nach Istanbul ist angekündigt. Dorthin reisen die vier, die allesamt eine klassische Ausbildung an ihrem Instrument haben. Aber noch an ein paar andere Orte. Zum Beispiel nach Bukarest, wie Arthur Bacon, der sich mit seinem Akkordeon mitreißend dorthin und an alle anderen Orte begibt. In einem charmanten Mix aus Englisch, Deutsch und Gestik, der sich keinen Deut um Perfektion müht, schickt er vorweg, dass der Song "Coconut" von einer sehr betrunkenen Frau handelt, die durch Bukarest Straßen torkelt und an ihre Mutter denkt. Nichts ist glatt an diesem spannungsreichen Lied, an dem Fabien Bucher den Gitarrenhals auf die Oberschenkel legt und auf die Seiten klopft und die beiden Violinen wetteifern, wer am schnellsten kann. Musik, die ständig strudelt und tost wie das Meer. Ruhig wird es nur, als Bacon unter dem Flüstern und Wispern der Violinen eine Hommage vorliest, die unter anderen denen gewidmet ist, die es verstehen, langsam zu leben und denen, welchen sich den Normen entgegenstellen. Erst allmählich bekommt diese Hommage einen fast rockigen Groove, eine Melodie, die nicht leicht ins Ohr geht, die austariert, probiert, mit sich selbst diskutiert.

Fast magisch dagegen "Aspasia", bei der Aline Haelberg die kretische Lyra spielt, die anderen dazu zwitschern und zischen. Betörend weit weg führt diese anrührend schöne Komposition, um dann die Harmonie zu brechen und zurück zukehren in den Lärm einer Hafenstadt. Nicht dort, aber in den rumänischen Bergen haben die vier eine besondere musikalische Eigenheit entdeckt, mit der man die Violine wie eine Türe knarzen lassen kann - was dann auch ausgiebig demonstriert wird. Angefeuert vom Zugabenapplaus des Publikums machen sich die vier Künstler aus Straßburg noch einmal auf eine Reise. Vielleicht diesmal ans französische Mittelmeer. Ist aber eigentlich egal. Zumindest für eine Weile haben sie ja mediterrane Lebensart an die Rems gebracht.

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