Bülent Ceylan mit Blödeleien á la Otto

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Mittendrin unterm Publikum, so gefällt Bülent Ceylan der Kontakt mit seinem Publikum. Fotos: kul
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Beim Festival Schloss Kapfenburg gastiert der Mannheimer Comedian mit weniger politischen Pointen, sondern vielmehr mit sinnfreiem Humor. Das Publikum liebt ihn dafür.

Lauchheim-Hülen

Uffbasse, en Monnemer“ - Comedian Bülent Ceylan schaute Freitagabend beim Festival auf Schloss Kapfenburg vorbei, um das Fähnchen der derzeit schwachbrüstigen Kultur hochzuhalten. In gewohnter Manier mit einer skurrilen Sicht auf die Welt und deren Personal.

Selbstredend politisch völlig unkorrekt trampelt er dabei genüsslich durch kurpfälzischen, schwäbischen und türkischen Lebensmief. Allerdings steht sein Abstecher nach Lauchheim in keinem Verhältnis zu seinen Auftritten in den zurückliegenden fast zwei Jahrzehnten, dafür gibt es immer wieder kleine Rückblicke, wenn er sehnsüchtig coronafreie Zeiten Revue passieren lässt. Humorvolle Splitter, die Ceylan-Fans zu Lachen verführen.

Nicht verwunderlich, schließlich gehört Komödiant längst zum Inventar der deutschen Kabarett- und Comedy-Szene, wobei auffällt, dass er bei seiner 2021er „openHair“-Tour zu sinnfreiem Humor zurückkehrt, zu launigen Blödeleien á la Otto Walkes.

Die gesellschaftspolitisch infiltrierten Gags bleiben meist außen vor, dafür macht er Abstecher zur Zukunft seiner Bühnenshow und zu neuen Bühnenfiguren, beispielsweise zum hammerbewehrten „Thor“.

Da darf man sich jetzt schon auf Ceylan-hafte Comedy freuen, auf Kokolores - Ceylan würde sicher von „Gebabbel“ reden - dem passende Mimik folgt. In einer Weise, die dem wirklichen Leben entsprungen sein könnte. Vermutlich hat der Mannheimer Komödiant ganz nach Luther dem Volk einfach nur genau „aufs Maul“ geschaut. So wird er denn doch wieder kabarettistisch politisch.

Seine Spontaneität ist Kalkül. Dafür lieben ihn seine Fans. Das war bei „Döner for One“ und „Halb getürkt“ schon so und setzt sich mit skurrilen deutsch-kurpfälzisch-türkischen Wortschöpfungen im aktuellen „Luschtobjekt“ fort.

Hier findet sich folgerichtig „Optik statt Inhalt, Nippel statt Nietzsche!“, um alle nur erdenklichen Geschlechter und Vorlieben zu bedienen, unter anderem auch osmanophile Kurpfalz-Lover und Langhaar-Fetischisten.

Bülent eben. Bereits im vergangenen Jahr hätte das Programm das Bühnenhighlight sein sollen, doch Corona machte bekanntlich einen Strich durch die Rechnung. Jetzt also die Sammelsuriumtour, eine stark abgespeckte Version, eine voll ergötzlichem „Kebabbel“.

Ceylans Erfolgsrezept: haarscharfes Timing und absolute Bühnenpräsenz. Gefüllt mit Tabuthemen, gnadenlos vorurteilsbeladen auf die Bühne gebracht. Eine unglaubliche Wandlungsfähigkeit lässt ihn in die Rolle des Monnemers Harald, in die Haut der pelzmantelverliebten Anneliese, des Jungtürken Hassan, des Hausmeisters „Mampfred“ schlüpfen und eben auch in die der neuen Figur „Thor“.

Bülent Ceylan hierüber treffend zu beschreiben fällt angesichts seines facettenreichen überbordenden Nonsenspotenzials ziemlich schwer. Man muss ihn einfach erlebt haben, um sich ein Bild von ihm machen zu können.

Bülent Ceylan gab ein erstklassiges „Luschtopjekt“ ab.

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