Chin Meyer zeigt, was er drauf hat

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Der Berliner Kabarettist Chin Meyer bietet in Ellwangen beste Unterhaltung; singt, tanzt und schlüpft in verschiedene Rollen.
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Wie der Berliner Kabarettist politische Themen in ein unterhaltsames Programm verpackt.

Ellwangen. Zwanzig Sekunden ist er auf der Bühne. Und schon schallt vielstimmiges Lachen durch den Raum. Der Berliner Kabarettist Chin Meyer ist auf Einladung des Stiftsbund mit seinem Programm „Leben im Plus“ zu Gast im Atelier Kurz. Und beweist: Er hat's drauf. Definitiv. Politische Themen verpackt er so geschickt in seine Geschichten und Figuren, verwickelt Angelika, Karl-Heinz, Wolfgang und Petra aus dem Publikum in seine Storys. Singt. Tanzt. Er gibt Vollgas für die gut 30 Gäste.

Heraus kommt dabei Unterhaltung vom Feinsten. Und nebenbei der vielleicht lustigste Abend sein langer Zeit. Gemeinsam erörtert Meyer mit den Ellwangern, was Leben im Plus eigentlich ist, was Reichtum bedeutet und entlarvt die eigentlich Pandemie: die Idiotie.

Er erklärt, warum sich der geschlossene AfD-Parteitag im Pariser Zoo befindet, hinkt Aliri, seiner Kreuzung von Alexa und Siri, immer einen Schritt hinterher und zieht trotz supersexy Stimme die Reißleine: Und entscheidet sich fürs Selbstdenken. So ganz ohne künstliche Intelligenz.

Vom Rubbellos zur Regierung

Endlich kapieren die Besucherinnen und Besucher, warum die Queen eine „Ossifrau mit Migrationshintergrund“ ist, wie Boris Johnson zu Namen und Kabinett kam und Amazon sediert, warum Hartz IV ein Vollzeitjob und ein Kabarettist ein Killer ist. Ach ja. Und wie das mit den Cum-Ex-Geschäften geht, verklickert er auch. Damit sich Piet und Co mal aufs Wesentliche konzentrieren können. Rechnet kurz darauf vor, was jeder Bundesbürger jährlich an kriminelle arabische Clans bezahlt und wie eindeutig der Zusammenhang zwischen einem Rubbellos und der deutschen Regierung ist. Er macht einen Steuerexkurs, für den es Szenenapplaus gibt, und erklärt Georg, wie er das mit dem Abrechnungsalgorithmus für Pornos angehen muss.

Nach Strich und Faden ausgefragt

Die Ellwanger sind ein wirklich prima Publikum, lassen sich abholen und drauf ein. Obwohl weder Angelika noch Petra den Zweit-BH schmeißen. Wolfgang gibt alles und schreit wie gewünscht „Ich will ein Kind von Dir.“ Zur Belohnung gibt’s am Schluss noch ein echtes Sahnehäubchen. Ein romantisches Lied, innerhalb nicht mal einer Minute gedichtet – ja es reimt sich sogar - , für Julia und Georg aus Abtsgmünd, nachdem er die beiden nach Strich und Faden über ihre Liebesgeschichte ausgefragt hat.
Panja Tillmann-Mumm

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