Das Besondere Leben der Hilletje Jans: Letzte Vorstellung heute um 18 Uhr

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Sel Elit glänzt als Madame Pomdadour.

Wie der Spielclub 2 im KubAA brilliert.

Heute, am Samstag, 21. Mai, letzte Chance

Am Samstag, 21. Mai, 18 Uhr im KubAA ist die letzte Vorstellung von "Das besondere Leben der Hilletje Jans".

Aalen. Spitzenmäßig. Super. Einfach nur gut. Das war die Aufführung des Spielclubs 2 des Theaters der Stadt Aalen am Freitagabend. Wer nicht da war, als die jungen Schauspieler - alle so zwischen 13 und 15 – das „Besonderen Leben der Hilletje Jans“ auf die KubAA-Bühne brachten, hat etwas verpasst.

Cool, schon der Einsteig, als die Erzählerinnen Isabella Schumann und Klara Vogelsang das Publikum locker, flockig, historisch kostümiert abholen. Kurz mal eben mit einer gelungenen Mischung aus Ernst und Komik ins 18. Jahrhundert nach Holland verfrachten – zu Reifröcken, Bier zum Frühstück, Pocken und Perücken. Und – äh – ja, Unterhosen gab's auch noch keine, wie Isabella mit einem kurzen Blick feststellt. Vorallem aber mitten hinein ins schwere Leben der kleinen Hilletje (Hanna Kuhn), grade mal Sechs. Frisch Waise geworden, muss sie sich allein von Utrecht nach Amsterdam durchschlagen. Erschöpft und halb verhungert kommt sie beim Gasthaus der Tante an. Und gerät vom Regen in die Traufe. „Hör gut zu Täubchen, von Tränen wird man nicht satt“, ist wohl der freundlichste Satz, der Tante Therese je über die Lippen kam. Die – herrisch und herzlos-hart - ausdrucksstark und verdammt gut gespielt von Amelie Möcklin – schiebt der Kleinen gemeinsam mit der unwilligen Tochter Roosje (Malena Tomanek) einen Mord in die Schuhe.

Schultheiß und Priester (Jasmin Alyssa Wolber) versagen auf ganzer Linie. Letzterer droht gar – gut dargestellt und nur zu realistisch fanatisch-hysterisch, mit lüsternem Blick und der Hoffnung, von schlimmsten Sünden zu hören - mit des Teufels glühenden Gabeln. Wenn da Mädchen nicht sagt, was er hören will. Eine von mehreren Pointen: „Wer so das Sakrileg der heiligen Beichte entwürdige, verdient es, Protestant zu werden.“ Hilletje muss unschuldig für sieben Jahre ins Spinnhaus. Der Teddy ist ihr einziger Halt.

Als Jugendliche aus der Haft entlassen, nimmt Hilletje (jetzt gespielt von Sophie Möcklin) ihr Leben in die Hand, befreit sich aus Tante Thereses Unterdrückung, schlüpft in die Rolle eines Jungen, heuert am Hafen bei dem gestrengen Kapitän (Leonie Krieger) auf der „Guten Hoffnung“ an und macht neben Steuermann Charlotte Roscher im Lauf der Jahre Karriere, wird später selbst Kapitän – und eine Legende. Als sie – weil ihr Herz zu gut ist – an den Galgen soll, schreitet Emma Rau als Prinz von Oranje in feinem Zwirn und gezierter Perücke grade noch rechtzeitig ein.

Viel Drumrum brauchen die jungen Spielclub-Schauspieler nicht, um das Bild eines Lebens, das mit Mut und Verstand gelingt, und das einer schwierigen Zeit und all' ihren himmelschreienden Seiten zu zeichnen: einen Vorhang, mal einen Tisch oder Stuhl, eine Leiter. Tolle Mimik, guter Ausdruck, engagiertes Spiel. Das reicht dem Theaternachwuchs, um die Bühne zu rocken. Sel Elit glänzt als Madame Pompadour mit seinem souveränen Solo. Die 14 begeistern ihr Publikum. Und machen Regisseur Arwid Klaws zurecht stolz auf seine Truppe. Panja Tillmann-Mumm

Der Erste Steuermann (Charlotte Roscher) hat überzeugende Argumente für Gerbrands Anheuern.

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