Deep Purple: Ihr Hammer-Hit vom Genfer See wird 50

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Eine kleine Installation erinnert in Montreux als Denkmal an den Brand vom 4. Dezember 1971 und die Geburtsstunde des Welthits „Smoke on the Water“.
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Deep Purples Welthit „Smoke on the Water“ entstand im Dezember 1971 nach einem Großbrand. Was es damit auf sich hat und warum auch Beethoven mitmischte.

Montreux

Einer der bekanntesten Rocksongs wird in diesen Tagen 50 Jahre alt: „Smoke on the Water“ von Deep Purple. Mit seinen 5:40 Minuten eröffnet er die B-Seite des Albums „Machine Head“. Es ist das einleitende Gitarrenriff, das dem Song seine Berühmtheit verschafft. Für viele sind es die ersten Griffe, die sie auf der Gitarre lernen, meistens noch vor einem Unterricht. Das Riff spielt in einer Klasse mit den ersten Takten von „Satisfaction“ der Rolling Stones.

Das britische Rockmusik-Quintett Deep Purple reist Anfang Dezember 1971 nach Montreux am Genfer See. Dort, in der französischen Schweiz, wollen sie eine Schallplatte aufnehmen, mit einer neuen Methode: zwar eine Studioaufnahme, aber mit dem Live-Sound einer Konzertbühne – wenngleich ohne Publikum. Den Ballsaal des alten Casinos von Montreux haben sie dafür auserkoren. Eine Location, die auch Veranstaltungsort des 1967 begründeten Montreux-Jazzfestivals ist. Die Band hat von den Stones das „Rolling Stones Mobile Unit“ geliehen, ein Tonstudio auf Rädern. Der Sattelzug parkt direkt beim Casino.

Ein Zappa-Fan flippt aus

Die ersten Proben sollen am 4. Dezember sein, aber zunächst mal spielen dort noch Frank Zappa und seine Band „Mothers of Invention“. Plötzlich steigt vom alten Casino aus Rauch auf, der von einem Fallwind sogleich auf die Seeoberfläche gedrückt wird. Flammen schlagen in den Himmel. Was war geschehen?

Ein ausgeflippter Zappa-Fan jagt während des Konzerts mit einer Signalpistole eine Leuchtkugel zur Decke. Die Rattan-Verkleidung des hölzernen Dachstuhls fängt sofort Feuer. Frank Zappa singt nicht mehr, er brüllt „Fire!“ ins Mikrofon, und das Konzert ist beendet.

Es bricht offenbar keine Panik aus. Zappa ruft die 2000 Besucher dazu auf, sich ruhig und zügig zu den Ausgängen zu bewegen. „Und wir hatten dieses große, bodentiefe Fenster, so dass sich die Leute innerhalb von zwei Minuten in Sicherheit bringen konnten“, erinnert sich später Claude Nobs, der Direktor des Montreux-Jazzfestivals. Er kommt übrigens als „funky Claude“ im Song selbst als Lebensretter zu Ehren. Ernsthaft verletzt wird niemand. Auch das Rolling Stones Mobile Unit kann gerade noch rechtzeitig weggefahren werden. Mit dem kompletten alten Casino verbrennt das Equipment von Zappa und seiner Band. Die Musiker von Deep Purple sind Augenzeugen.

Aus dem Ereignis wird Musik

Immerhin haben Deep Purple noch das mobile Studio zur Verfügung. Aber es kostet jeden Tag Geld, ohne dass man einen Ort für die Aufnahmen hätte. Ein Ausweichquartier wird aufgegeben, weil Nachbarn über Lärm klagen. Fürs geplante Album fehlt noch ein Song. Blackmore hat dieses unglaubliche Riff, das musikalische Gerüst steht, aber es fehlt noch ein Text. Was also liegt näher, als das Erlebte musikalisch zu verarbeiten?

Schließlich landen Deep Purple im Grand Hotel, das den Winter über eigentlich geschlossen ist. Und mit engagierter Improvisation wird „Machine Head“ aufgenommen. Ein Album, das Anfang 1972 erscheint und zum erfolgreichsten aller Deep-Purple-Platten werden wird, ganz gleich, in welcher Besetzung weitere Alben eingespielt werden.

2,6 Millionen Kopien wurden verkauft, drei Viertel davon allein in den USA. Dort ist einer Umfrage zufolge „Smoke on the Water“ nach der Nationalhymne das zweitbekannteste Lied überhaupt. 1973 erscheint es erstmals ausgekoppelt als 7-Zoll-Single (45 rpm).

Mehr Bilder im Internet unter www.schwaepo.de und www.tagespost.de

„Der Brand des Casinos hat uns nicht glücklich gemacht, aber ziemlich reich.“

Jon Lord, Organist von Deep Purple
  • Die Idee zum Riff ist eigentlich geklaut
  • 50 Jahre später gilt „Smoke on the Water“ nicht nur als der erfolgreichste aller Deep-Purple-Songs. Er zählt zum Beispiel fast 340 Millionen Aufrufe bei „spotifiy“, fast drei Mal so viele wie „Highway Star“, das eigentlich der Hit der Scheibe werden sollte. „Smoke on the Water“ ist unzählige Male von anderen Bands gecovert worden, darunter von berühmten Namen wie AC/DC, Black Sabbath oder Iron Maiden. Sogar von der Bundeswehr-Bigband existiert eine Aufnahme. Als beste Version aber gilt Deep Purples eigene Aufnahme auf dem bis beute unerreichten Live-Album „Made in Japan“ vom Sommer 1972.
  • Nach dem verheerenden Erdbeben in Armenien im Dezember 1988 ruft das Hilfsprojekt „Rock Aid Armenia“ dazu auf, Smoke on the Water mit namhaften Musikern neu einzuspielen. David Gilmour(Pink Floyd) ist von der Idee begeistert. Letztlich nehmen Bryan Adams, Geoff Beauchamp, Ritchie Blackmore, Bruce Dickinson, Geoff Downes, Keith Emerson, Ian Gillan, David Gilmour, Tony Iommi, Alex Lifeson, Brian May, Paul Rodgers, Chris Squire und Roger Taylor den Titel zusammen neu auf.
  • 2009 gesteht Deep-Purple-Gitarrist Richie Blackmore, die Idee zu seinem Smoke-on-the-Water-Riff damals eigentlich gestohlen zu haben. Von keinem Geringeren als Ludwig van Beethoven. Wenn man den Beginn von dessen 5. Symphonie rückwärts abspiele, ergebe sich die Klangfolge der ersten Takte von Smoke on the Water, so Blackmore.
  • 50 Jahre nach den geschilderten Ereignissen sind drei der genannten Hauptakteure nicht mehr am Leben: Frank Zappa stirbt (am 4. Dezember) 1993 an im Alter von erst knapp 53 Jahren an unbehandeltem Prostatakrebs. Deep-Purple-Organist Jon Lord ist 71, als er 2012 einem Bauchspeicheldrüsenkrebs erliegt. Und Claude Nobs stirbt 2013, bereits 74-jährig, an den Folgen eines Skiunfalls.,
  • INFO
  • Zwei Schweizer Fans nahmen damals illegal ein sogenanntes „Bootleg“ des Frank-Zappa-Konzerts vom 4. Dezember 1971 auf. Es ist heute auf dem Internet-Kanal „Youtube“ zu hören, einschließlich Frank Zappas „Fire!“-Kommentar zum Schluss. Hier der link: https://www.youtube.com/watch?v=9lpFeopjJhI&t=11s
1973 aus der LP ausgekoppelt: die 7-Zoll-Single „Smoke on the Water“.
Reste des alten Casinos von Montreux nach dem verheerenden Brand vom 4. Dezember 1971.
Titelseite des Deep-Purple-Albums „Machine Head“ von 1972.
Festivaldirektor Claude Nobs (links) mit einem Helfer beim Verlegen eines Löschwasserschlauchs.
Die Jungs von Deep Purple 1971, von links: Sänger Ian Gillan, Gitarrist Ritchie Blackmore, Drummer Ian Paice, Bassist Roger Glover und Organist Jon Lord.

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