Dem Wert der Kunst auf der Spur

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Benjamin Tiberius Adler (rechts) im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Gmünder Kunstvereins, Prof. Dr. Klaus Ripper. Foto: Jan-Philipp Stobel
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Benjamin Tiberius Adler ist mit Objekten im Gmünder Kunstverein vertreten. Ein Mix aus Metall, Holz, Stoff und Keramik.

Schwäbisch Gmünd

Ein Trampolin steht mitten in der Galerie des Gmünder Kunstvereins. Wann es zuletzt sportlicher Betätigung diente, ist unwichtig. In den Kunsträumen kommt dem Gerät dafür eine neue Rolle zu. Für Benjamin Tiberius Adler, der jetzt im Kornhaus Schwäbisch Gmünd  unter der Überschrift „Der Titel ist unwichtig“ ausstellt, hat dieses Trampolin Symbolkraft.

Der studierte Betriebswirt und Wirtschaftsjurist sieht dort die monetäre Macht. „Jeder will höher springen als der Andere“, sagt er und hat deshalb Logos und Schriftzüge von Unternehmen platziert, die ihre Marktmacht mal legal, mal illegal ausübten. Der Künstler selbst geht dabei besonders sparsam vor. „Ich verwende nur kostenloses Material“, sagt er.

Gewöhnlich bedient er sich dort, wo die Wohlstandsgesellschaft ihre Güter ausrangiert. Eine zerbrochene Spanplatte hier, ein halber Stuhl dort, ein Stück gusseiserner Vorgartenzaun an anderer Stelle.

Das Trampolin fand er (natürlich kostenlos) auf ebay-Kleinanzeigen. Er hat es bearbeitet. Ein Goldrand unterstreicht die Aussagekraft, der Schriftzug „Positive Cash Flow“ auf dem Sprungtuch ist Teil einer (ironischen) Inszenierung. Wie der „Opferstock“ an der Seite. Für 12 Euro dürfte man das Trampolin sogar benutzen. Und für einen Betrag X könnte man sogar eine digitale Version des Trampolins kaufen, dann sieht man das Kunstobjekt sogar bunt blinken.

Benjamin Tiberius Adler geht es im Kern um viel wichtigere Dinge: „Was ist der Wert der Kunst.“ Rekrutiert sich der Wert allein dadurch, dass er an „wertlose“ Materialien selbst Hand anlegt, sie einfärbt, zusammenschweißt, verschraubt und an der einen oder anderen Stelle ein selbst geschaffenes Gemälde einfügt? „Der Wert ist mehr als eine monetäre Angelegenheit“, so der Künstler, der an diesem Eröffnungsabend in einen von Till Vogel moderierten Dialog mit den Kunstinteressierten eintritt. Der Wert könne sich auch durch Publikumsreaktionen ergeben, Oder durch die Beschäftigung mit dem eingesetzten Material. Wenn er Holzreste aus der Natur oder einem Abbruchhaus in die Hand nimmt, dann wird die Zeit zum Wert. „Bäume können 1000 Jahre alt werden, in einem Fachwerkhaus sind sie weitere 500 Jahre existent.“

Die weiteren Objekte, zum Teil extra für diese Ausstellung im Gmünder Kunstverein gefertigt, offenbaren ihren Wert auch durch Charme und Witz. Darunter ein Werk, das Besucherinnen und Besucher verändern können. Hinter einer Plexiglasabdeckung können unten Kleidungsstücke entnommen werden, oben kann man Getragenes einwerfen. So ändert das Objekt ständig Form und Farbe.

Benjamin Tiberius Adler, der nach dem Studium nur kurz Erfahrungen in der Wirtschaft sammelte, sich dann rasch einem Kunststudium widmete, lebt als Künstler die Zufriedenheit. „Wenn ich am Schreibtisch den Computer abschalte, sehe ich das Werk eines ganzen Arbeitstages nicht mehr. Wenn ich ein Objekt geschaffen habe, ist das Gegenteil der Fall.“

Gut zu wissen

Die Ausstellung „Der Titel ist unwichtig“ im Gmünder Kunstverein dauert bis 6. November. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag 10 bis 14, Sonntag 11 bis 17 Uhr.

Das Trampolin von Benjamin Tiberius Adler
Für seine Werke verwendet Benjamin Tiberius Adler alltägliche, teilweise recycelte Materialien.

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