Den Aufbruch auf Schloss Kapfenburg gestalten

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Akademiedirektor Moritz von Woellwarth stellt das musikalische Programm auf Schloss Kapfenburg für 2022 vor. Auch das Festival wird es wieder geben, unter anderem ist Lotte dabei.
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Akademiedirektor Moritz von Woellwarth legt das Kulturprogramm 2022 auf Schloss Kapfenburg vor. Zu dem gehört auch eine neue Jazz-Reihe und das Festival.

Lauchheim-Hülen

Er sei grundsätzlich ein Optimist, sagt Moritz von Woellwarth. Seit 1. April 2021 ist er Akademiedirektor auf Schloss Kapfenburg. Mitten in der Pandemie hat er die Leitung einer Einrichtung angetreten, zu deren wichtigsten Aufgaben auch die Schaffung menschlicher Begegnungen zählt. Optimismus braucht er da also auch in einer Zeit, in der Abstand halten zu den obersten Geboten zählt. In der Absagen im Kulturbereich zum Arbeitsalltag gehören. Trotz all dieser Widrigkeiten legt Moritz von Woellwarth nun das Kulturprogramm für 2022 vor. Zu dem gehört auch eine neue Reihe. Um diese und mehr geht es im Interview mit Dagmar Oltersdorf.

Herr von Woellwarth, steht mit Ihnen als neuer Akademiedirektor programmatisch ein Wandel an?

Moritz von Woellwarth: Vieles, wie das Festival im Sommer und die Accelerando-Reihe bleibt, aber es gibt auch Neues im Programm 2022. Da ist zum Beispiel die Reihe 'Turnaround – Jazz im Bandhaus“. Da kann man, wie man so schön sagt, auch ein wenig dabei abhängen, wenn man möchte. Wir stellen dabei etliche junge Musizierende aus Baden-Württemberg und Deutschland vor, die aber auch international unterwegs sind. Auftakt ist am 11. Februar mit Markus Ehrlich, der ja aus Schwäbisch Gmünd stammt. Diese Konzerte sind im Trude-Eipperle-Rieger-Saal, aber dort werden Bistrotische platziert, die Türe bleibt offen und man kann rausgehen, sich was zu trinken holen. Schon vorher kann man sich im Bandhaus in lockerer Atmosphäre treffen. Die Mischung der Reihe ist sehr abwechslungsreich. Es kommt auch die Tobias Becker Bigband und ein Höhepunkt wird sicher auch der Auftritt des Trompeters Markus Stockhausen, dem Sohn des Komponisten, der am 7. Oktober, mit einem Trio des polnischen Pianisten Tomasz Kowalczyk kommt.

Viel Jazz also mit Ihnen?

Mit der Idee für diese Reihe bin ich schon hergekommen. Da helfen mir natürlich meine Kontakte in die Jazzszene. Aber auch die Accelerando-Reihe werden wir weiterführen. Das erste Konzert mit Johanna Summer und Florian Uhlig am 24. Februar – ein Schumann-Abend – planen wir jetzt mit der Hälfte der Karten, also mit 150, die in den Verkauf gehen. Die anderen 150 kommen auf die Warteliste, um dann vielleicht an dem Abend auch zwei Konzerte machen zu können. Insgesamt haben wir in dieser Reihe nicht nur bekannte Namen, sondern möchten damit die Kultur in Baden-Württemberg hochwertig abbilden. Internationales Niveau trifft auf aufstrebende Kunst. An anderen Stellen haben wir versucht, auch noch das Restaurant einzubinden, wie etwa beim Nachholkonzert von Saxofourte am 26. Mai. Insgesamt kommt die Klassik also weiterhin nicht zu kurz. Herausstellen möchte ich auch ein Benefizkonzert am 24. April mit Georg Wacker und Ulrich Herzog an zwei Pianos mit dem Ensemble Inklusiv-Exklusiv der Städtischen Musikschule Ellwangen, dem Chor der Stiftung Haus Lindenhof Smiling-People und der Chorwerkstatt Rindelbach. Da hoffe ich auf einen Post-Corona-Aufbruch, denn inklusive Arbeit ist ja in der vergangenen Zeit fast zum Erliegen gekommen.

Die Inzidenz im Ostalbkreis ist sehr hoch. Wie wirkt sich das auf die aktuelle Arbeit der Akademie aus?

Viele sagen nach und nach ab, manche kommen, manche nicht. Schulklassen dürfen nicht mehr reisen, die sagen immer ab. Musikschulen wägen ab, manche können das organisieren, andere nicht. Wir erfüllen alle Coronaauflagen, testen hier täglich, die Dozenten kommen sogar mit einem PCR-Test angereist.

Wie waren Ihre ersten Monate?

Als ich im April angefangen habe, war alles sehr ruhig hier, von daher hatte ich viel Zeit mich einzulesen, eingearbeitet zu werden, alles kennenzulernen. Dann ging es mit dem Festival so richtig los. Trotz der Coronaauflagen und mit dem Sonderfond Kultur im Rücken. Das war eine schöne Erfahrung, weil die Mitarbeitenden langsam aus der Kurzarbeit kamen und alles nach Aufbruch aussah. Wir waren ausgebucht, auch mit Tagungen und Hochzeiten – nun ist wieder alles anders geworden.

Was bedeutet das konkret?

Wir überlegen, ob wir die 50 Mitarbeitenden im Januar anteilig wieder in Kurzarbeit schicken müssen. Das können wir eigentlich nur vermeiden, wenn wir auch unter 2G die Akademie zu 80 Prozent belegen können. Das Festival aber planen wir optimistisch.

Was erwartet die Gäste denn da?

Ein Stiftungsfest wird es wieder geben, allerdings bekommt es einen neuen Namen. Die Festival-Eröffnung wird nicht mehr in situ heißen, sondern da!SEIN als Ausdruck von Gegenwart und kultureller Fürsorge. Thema ist Blue Broadway. Die Junge Philharmonie Ostwürttemberg und die Sängerin Shelly Philips von der Popakademie mit einem Kollegen aus Mannheim werden den Abend gestalten. Fest gesetzt ist das Konzert mit BAP am 24. Juli und das Nachholkonzert mit Hubert von Goisern am 26. Juli. Wir haben bei dem Konzert mit Tim Bendzko gemerkt, dass wir auch ein jüngeres Publikum ansprechen können, weil auch Eltern mit ihren Kindern kamen. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir Shootingstar Lotte mit dem Support Lias für den 23. Juli gewinnen konnten. Für dieses Konzert wird es auch noch einen Contest geben, bei dem eine regionale Band als Vorband ausgesucht wird. Da kooperieren wir mit dem Veranstaltungsmagazin Xaver. Zum Abschluss des Festivals wird der Komponist Peter Schindler mit den Kinderchören der Region auftreten.

Das ist ein ambitioniertes Programm für Pandemiezeiten ...

Ich bin von Haus aus ein Optimist und als kulturelle Bildungseinrichtung können wir auf Mittel aus der öffentlichen Hand hoffen. Wir werden 2022 überstehen. Das würden wir natürlich am liebsten aus eigenen Anstrengungen heraus schaffen. Als wir das alles geplant haben, waren wir in Aufbruchstimmung. Unsere Aufgabe ist es, ja nicht den Stillstand zu verwalten, sondern den Aufbruch zu gestalten. Sollten wir das Jahr 2022 gut überstehen, dann können wir vielleicht sogar mit einer Silvesterparty im Konzertsaal von Schloss Kapfenburg in das Jahr 2023 gehen.

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