Der Kern in Basts 44 Reclam-Büchlein

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Der in Abtsgmünd und Berlin arbeitende Alfred Bast hat nach sieben Jahren sein Projekt mit den Notizbüchern abgeschlossen. Was dahinter steckt und was nun daraus wird.

Abtsgmünd-Hohenstadt

Bild-Gedanken. Gedanken-Bilder vom eigenen Sein und der Welt. So umschreibt der Künstler Alfred Bast die Arbeit an seinem „kleinen Großprojekt.“ Sieben Jahre lang hat er dabei jeden Tag Kunst geschaffen. Seit dem 1. Mai 2015 ein Tagebuch geführt. Besser gesagt nun 44 an der Zahl. Ein Projekt, das der in Abtsgmünd-Hohenstadt und Berlin lebende Künstler zusammen mit dem Reclam-Verlag realisiert hat. Im April 2020 klappte Bast den Deckel des letzten Kunst-Tagebuches zu. Nun wird ein neues aufgeschlagen. Das eines Buchprojektes, in dem das Projekt nochmals auf 72 Seiten zusammengefasst wird.

Sieben Jahre lang, jeden Tag: Das kann eine Last sein oder schiere Freude. Für Bast gilt Zweiteres. „Es hört sich wie ein Riesending an“, sagt er dazu. Er aber verbinde es mit Leichtigkeit, Mühelosigkeit, als „tägliche Gymnastik für die linke und rechte Hemisphäre des Gehirns“. Text und Bild zusammenzuführen begleitet Bast ohnehin schon sein gesamtes Künstlerleben lang. Und Disziplin. „Aber ich bin nicht mein eigener Sklavenhalter“, erklärt er. Bast arbeitet nicht „konsequenzlerisch, sondern erlebbar“, wie er es beschreibt. Jeden Tag habe er dafür ein frisches Blatt gehabt. Es mal mit nur einem Wort, mal mit einem Bild, für das er fünf Stunden gearbeitet habe, gefüllt. „Es war eine Freude, jeden Tag diesen Platz zur Verfügung zu haben. Aber mehr davon auch nicht.“ Nicht einmal habe er gedacht: „Das mache ich jetzt nicht mehr“, erzählt Bast. Bis zum März 2020. „Da kam der Moment, wo ich dachte: Jetzt ist es zu Ende.“ Nicht wegen der Pandemie, sondern weil er wieder Lust auf große Arbeiten gehabt habe. Und so endete am 30. April 2020 mit Buch 44 das Projekt, das am 21. Dezember 2012 begann.

Der Beginn des Projektes: ein Tonherz, vom Künstler gestaltet

Entstanden war es eher durch Zufall. Bast hatte sich damals an einem Wettbewerb der Stiftung Kinderherz mit einem von ihm gestalteten Terrakotta-Herz beteiligt, das Rainhilt Reclam dann als Dauerleihgabe erwarb. Im Mai 2012 besuchte sie den Künstler auf dessen Einladung hin im Frauenhof bei Abtsgmünd. Mit einem Reclam-Notizbüchlein als Gastgeschenk in der Tasche. Bast selbst hatte da schon mehr als zehn Jahre lang mit der Wintersonnenwende Word-Bildprojekte zu bestimmten Themen umgesetzt. „Da dachte ich, dafür nehme ich jetzt das kleine Büchlein“, erinnert sich Bast. Es wurde ein Mehrjahresprojekt daraus.

Mit einem „Kern“ als Inhalt, wie Bast erklärt. Den Hinweis auf as Potenzial des Menschen, das nicht an Apparate delegiert werden könne. Es gehe um Fähigkeiten und Erwartungen, die man an sich selber habe. „Ich kann etwas schreiben, kritzeln, anspruchslos. Da entsteht dann was. Die Eröffnung der Kreativität als eine Erinnerung an das menschliche Potenzial.“ Um diese Dimension zu wecken, müsse man nicht Riesenbilder malen. „Das ist ein Alltagsgeschehen. Das sind Überraschungen, die man mit sich selber haben kann.“ Wenn man sich stattdessen nur im Dialog mit der künstlichen Intelligenz aufsaugen lasse, sei das „ein schlechtes Geschäft“. Verlustreich. „Da bewege ich mich dafür.“

Auch ein Virus kommt im letzten Büchlein 44 vor

2562 Doppelseiten hat der Künstler seit dem 21. Dezember 2012 mit dem Projekt geschaffen. Auch ein Virus kommt im letzten Buch vor, das ursprünglich in Indien fertiggestellt werden sollte, wo Bast immer wieder arbeitet. Doch die Pandemie bremst ihn da aus. Am 2. März 2020 zeichnet Bast im Frauenhof „Viren Schutz Figürchen“. Er ist schwer an Grippe erkrankt. „Da wussten wir noch nichts von den schockierenden Veränderungen im Miteinander“, sagt Bast. Die Entindividualisierung durch das Tragen der Masken habe ihn sehr beschäftigt. Anders als die Isolation, da er in seinem Atelier ja ohnehin alleine arbeite. Oder Angst vor dem Virus. Diese als einzige Gefühlskraft zulassen - für den Künstler keine Option.

Seit dem Ende des Projektes war er aber er immer noch mit dem Reclam-Projekt beschäftigt. Zusammen mit der Kunstexpertin Ulla Röber hat er die Auswahl für den Gesamtband getroffen. Es sei eine rhythmische Entscheidung gewesen. Texte, viel Natur, Experimente farblicher Art, halb surrealistische Zeichnungen. „Ich denke, wir haben eine Balance gefunden“, sagt Bast.

Mittlerweile arbeitet der Künstler an „farbigen Warteschlangen von Ideen“.

Es war eine Freude, jeden Tag diesen Platz zur Verfügung zu haben.“

Alfred Bast, Künstler

Wo man Basts Buch 44 nachlesen kann

Band 44 ist einsehbar unter https://www.reclam.de/special/alfred_bast_7. Der Gesamtband soll voraussichtlich im Juni dieses Jahres im Reclam-Verlag erscheinen.

Der Künstler Alfred Bast wurde 1948 in Schwäbisch Gmünd geboren. Bevor er an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart 1968 sein Studium aufnimmt, macht er eine Lehre als Schriftsetzer. 2018 feierte er 50 Jahre künstlerisches Schaffen. Bast hat als Stipendiat in Südindien, Ungarn, den USA, Kanada und Afrika gearbeitet.

Auszug aus dem Tagebuch 44.

Rubriklistenbild: © Alfred Bast Privat

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