Der Monolog des Verräters Judas

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Ein Theaterstück zur Passionszeit in der Ellwanger Stadtkirche: Bernhard Dedera spielte den Verräter "Judas".
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Bernhard Dedera spielt die Figur ungewohnt emotional. Reinhard Krämer umrahmt an der Orgel.

Ellwangen. Mit schroffen dissonanten Akkorden von der Orgel beginnt das Theaterstück „Judas“ und die gut 30 Zuschauerinnen und Zuschauer in der evangelischen Stadtkirche ahnen, dass es wohl kein leichtes Thema ist, um das es an diesem Abend geht.

Bernhard Dedera, ganz in Schwarz gekleidet, aber barfuß, begibt sich in einem einstündigen Monolog in die Rolle des als Verräter bezeichneten Jünger Jesu. Eine bekannte Geschichte, was die Fakten betrifft: Judas hat Jesus für 30 Silberlinge verraten. Indem er ihn küsst, zeigt er den Soldaten im Garten Gethsemane, wer Jesus ist, den sie suchen.

Er wolle die unbekannte Geschichte dahinter erzählen, sagt der Mann vor dem Altar, seine Version der Geschehnisse damals vor 2000 Jahren. Warnt aber gleichzeitig: „Versuchen Sie nicht, mich begreifen zu wollen.“

Das Stück der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans lässt Judas Iskariot zu Wort kommen, seine ursprünglichen Hoffnungen und seine Zweifel. Bernhard Dedera zeigt diesen Judas, der einen starken König wollte, mit dem man in den Kampf gegen Unterdrückung und Fremdherrschaft ziehen kann. Und er zeigt einen reumütigen Mann: „Ich habe einen Fehler gemacht, durch dessen Schuld ein reiner Mensch zu Tode gekommen ist“, bekennt er. Ob Jesus ihm vergeben wird, frage er sich, oder hat sich seine Barmherzigkeit bei ihm, Judas, erschöpft?

Und das Problem mit dem Namen. Zum Fluch ist er geworden. Judas als erbärmliche Kreatur. In manchen Ländern ist es verboten, diesen Namen Neugeborenen zu geben. Ist hiereiner, der meinen Namen nimmt und sagt, ich heiße Judas und bin stolz darauf?, fragt der Schauspieler provokant ins Publikum hinein.

Überhaupt ist er nahe an den Zuschauern und spricht sie immer wieder an. Was wäre denn, wenn man die Geschichte zurückdrehen könnte: kein letztes Abendmahl, kein Kuss, kein Tod. Würdet ihr das wollen?, wendet er sich erneut ans Publikum.

Langen Beifall gibt es am Schluss für Bernhard Dedera und sein emotionales Spiel ebenso wie für Kirchenmusiker Reinhard Krämer, der mit Orgelstücken französischer Komponisten den musikalischen Rahmen setzte. Werke, die nicht von der Autorin vorgegeben sind, aber fester Teil ihrer eigenen Inszenierung, wie Regisseurin Renata Messing in der anschließenden Gesprächsrunde erläutert. Bewusst habe man sich entschieden, dieses Stück nur in Kirchen zu spielen, weil dort eine besondere Atmosphäre herrscht, sagt sie. ⋌Beate Krannich

Ein Theaterstück zur Passionszeit in der Ellwanger Stadtkirche: Bernhard Dedera spielte den Verräter "Judas".
Ein Theaterstück zur Passionszeit in der Ellwanger Stadtkirche: Bernhard Dedera spielte den Verräter "Judas".
Ein Theaterstück zur Passionszeit in der Ellwanger Stadtkirche: Bernhard Dedera spielt den Verräter „Judas“.

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