Der schwäbische Till Eulenspiegel in Bopfingen

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Der Schwabe und Kabarettist Ernst Mantel

Ernst Mantel zeigt mit seinem neuen Programm in der Schranne, was Schwoaba so elles drauf hend.

Bopfingen. Zum offiziellen Auftakt der Kultursaison in Bopfingen begrüßt der Kabarettist Ernst Mantel sein Publikum in der Rathausschranne. Bopfingens Kulturreferentin Victoria Schrödersecker freut sich über die Auftaktveranstaltung. „Und darüber, dass sie überhaupt stattfinden kann. Kultur fehlt schon. Nicht nur uns als Stadt, sondern auch den Menschen in und um Bopfingen.“

Die Schranne ist coronagerecht ausverkauft. „Das zeigt das große Interesse der Menschen an Kulturveranstaltungen“, sagt Schrödersecker. Das letzte Mal trat Ernst Mantel vor acht Jahren in Bopfingen auf. „Die vergangenen Monate waren auch für uns Künstler eine lange Durststrecke. Jetzt freue ich mich um so mehr, hier in Bopfingen wieder auftreten zu können“, sagt Mantel. Die Vorzeichen hätten nach seiner Meinung, mit Blick auf den Ukraine-Krieg, aber ruhig etwas besser sein können. „Das ist traurig und beschämend, was dort geschieht. Aber gerade deswegen ist es auch wichtig, an einem solchen Abend auch mal an etwas anderes denken zu dürfen.“

Sein neues Programm „Gell“ fängt Mantel traditionell mit dem „Anfang“ an. Das musikalische Stück nimmt den Anfang im Satzbau ins Visier, denn Mantel weiß ganz genau: „Ohne Anfang ist alles nichts, der Mittelteil und der Schluss machen ohne einen Anfang einfach keinen Sinn“, singt Ernst Mantel seine Anfangsstrophen und lässt den Schluss immer wieder offen und fängt lieber wieder von vorne an. Das Publikum ist nach jeder Strophe geneigt zu klatschen – und wird immer wieder von neuen Strophen daran gehindert. Am richtigen Schluss verpasst man das Klatschen und muss von Mantel daran erinnert werden.

Der Kabarettist ist ein Mundartpoet, der das Schwäbische liebt und gleichzeitig durch den Kakao zieht. Schwäbisch ist nicht nur in der Phonetik lustig anzuhören, sondern hat seine kleinen Niedlichkeiten und Zimperle. Schwaben wollen verstanden werden. Und wenn nicht, ist es ihnen auch egal, sagt Mantel.

Unter Gleichgesinnten unterhält es sich sowieso besser. Das typisch schwäbische „Gell“, welches dem neuen Programm von Ernst Mantel seine Identität verleiht, ist ein unschuldiges, unscheinbares schwäbisches „Partikel“. „Gelletse ist die höflichere Form des Gell und eigentlich ein Klugscheißersyndrom“, so Mantel und hat auch gleich darauf ein kleines Liedchen.

Das Publikum erlebt einen entspannten, ruhigen, aber nichtsdestoweniger schelmischen Ernst Mantel. Der schwäbische Till Eulenspiegel hält den Schwaben den Spiegel vor, damit diese sich erkennen und bekennen. Das funktioniert beim Bopfinger Publikum in ganz vorzüglicher Weise. Man erkennt, man lacht, man amüsiert sich und ist stolz, ein Schwabe zu sein. Ernst Mantel genießt es, unter Gleichgesinnten zu sein, die den schwäbischen Humor zu schätzen wissen. Und so fragt sich Mantel sogar selbst nach einigen Stunden Auftritt: „So, was hab i denn no für Sie?“, und denkt gar daran, von der Bühne abzutreten.⋌Martin Bauch

Der Kabarettist Ernst Mantel in der Schranne.

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