Die Auseinandersetzung mit Mensch und Natur

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Laura Louise van Meurs und Samuel Türksoy in der Inszenierung „FootPrint Project“.
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Die Reihe „Planet der Herzen“ präsentiert vor dem Kulturbahnhof eine Tanz- und Klang-Performance.

Es knistert aus den Verstärkern, eine Kuhglocke tönt, ein Flugzeug, ein Auto, protestierende Menschen. Chaos. Rufe wabern über den Georg-Elser-Platz beim Aalener Kulturbahnhof. Inmitten dieses atmosphärischen Wechselbades der Gefühle: die Artisten Laura Louise van Meurs und Samuel Türksoy.

Vor Publikum und im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Planet der Herzen“, initiiert vom Theater der Stadt Aalen, führt das Duo ein performatives Tanzstück auf und widmet sich damit einem kritischen Thema: Dem Konflikt durch die systematische Zerstörung der Erde durch den Menschen. „FootPrint Project“, so der Titel, ist eine Kooperation mit dem Kollektiv K, die Mitglieder Marc Lehnert und Jakob Rave sorgen für die Soundlandschaft, die so eindrucksvoll aus den Verstärkern tönt.

Während der rund 30-minütigen Darbietung werden immer wieder audiovisuell die Kontraste der Auseinandersetzung zwischen Mensch und Natur aufgezeigt. Kuhglocken, blökende Schafe – Laura Louise van Meurs rückt sich gleichzeitig den Hut zurecht, zieht an einer imaginären Zigarette, geht an ihr Smartphone. Mehrere Minuten lang, immer und immer wieder, ahmt sie denselben Bewegungsablauf nach – der Mensch gefangen im Hamsterrad – ein unangenehmes Gefühl macht sich beim Betrachter breit. „Muss i denn zum Städele hinaus“, singt Türksoy in die Szenerie, begleitet vom Klang einer Kreissäge und dem Rasenmäher.

Wasser, Konsum und Geld werden thematisiert. „Ich schwimme durch eure Hände, ich bin euer Money.“ Irgendwann spitzt sich die Soundlandschaft zu. Aufnahmen eines Protests beschallen den Platz – und wieder ist es da, das unangenehme Gefühl. Es folgt ein Beat, Tiergeräusche, Wellen, Möwen, das Duo bewegt sich seicht dazu. Freiheit, Ruhe, ein Rückzug zum Ursprung.

Nach der Performance wird der Aalener Samuel Türksoy nassgeschwitzt verraten, dass er gemeinsam mit Mitstudentin Laura Louise van Meurs an drei Tagen die Bewegungen, den Gesang und den Text zu den Tonaufnahmen eingeübt hat. Beide studieren an der Universität der Künste in Folkwang. „Endlich wieder auftreten“, sagt er glücklich.

Mit seiner Darbietung möchte das Duo aufrütteln. „Wir können im Kleinen und im Alltag etwas verändern – aber wenn wir wirklich etwas Großes verändern wollen, braucht es dazu Gesetze“, sagt Türksoy, der das Stück auch als Kritik an der Politik sieht. „Die Natur ist immer noch da, dafür sollte man sich Zeit nehmen“, hebt auch van Meurs hervor. Als die beiden sich verabschieden, lassen sie ein unbestimmtes Gefühl zwischen Faszination, Demut und Melancholie zurück.Benedikt Walther

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