Die Blechbläser bestimmen den zweiten Festival-Tag

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Jazzbus und der Musikverein Hüttlingen stehen unter anderem auf der Bühne (oder vor der Bühne) beim Festival Schloss Kapfenburg
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Der Musikverein Hüttlingen, Jazzbus und mehr auf der Bühne im Schlosshof.

Tag zwei des Festivals auf Schloss Kapfenburg bescherte den Besuchern nicht nur eine bemerkenswerte Vielfalt verschiedenster Musikstile, auch die auftretenden Musiker hätten unterschiedlicher nicht sein können.

Nach mit einem fulminanten Feuerwerk untermalten Festivaleröffnung am Vorabend ließen in der nachfolgenden Samstagnacht Percussions indes nur en passant aufhorchen. Dafür gehörte der Sound diesmal meist den Blechbläsern, die Rhythmen dem Rock und Soul, dem Jazz und Dixi und auch einmal angloamerikanisch klingenden Weisen, die zwar durchaus rockig aber beifolgend wie landlerhafter Country daherkamen.

Letzeres lieferte unterhaltsam das Trio “Zott BXS“, eine ostälbische „musikalische Vereinigung“ (Eigenwerbung) um den Liedermacher Claudius Zott. Dessen dessen Helfershelfer: Steffen Köble und Thomas Göhringer. Alle drei sprechen mit Blick auf ihre Musik von Kuschelpunk „aus dem Sumpfdelta der Melancholiebäume“. Das sind hemmungslos ins Ohr gehende, bekannt klingende Melodien, die wie „So far away“ mit leichtem Südstaatenslang belegt in eine wenig kuschelige Vollmondnacht führten. Der Mond, das offizielle Hintergrundthema, machte sich allerdings rar diesem Abend, dafür stieß der wolkengraue Himmel immer wieder Regendrohungen aus, begleitet von heftigen Härtsfeldbrisen.

Für die Zotts kein Problem, sie singen davon ungerührt von Freedom und vom „Gambling man“, von der Liebe und den „Straßen der Hoffnung“.

Mit Blick auf die Wetterlage indes hoffnungslos, wie Schloss-Kapfenburg-Akademiedirektor Moritz von Woellwarth eingestehen musste. Doch glücklicherweise blieb der Regen aus, das Publikum hüllte sich in warme Decken, hielt so dem kühlen Wind stand und freute sich dafür umso mehr über den nachfolgenden Programmteil. Der Musikverein Hüttlingen unter der Leitung von Robert Wahl marschierte mit rund 80 Musikerinnen und Musikern in traditioneller Bergwerkskluft vor der Festivalbühne auf.

Auf dieser gesellte sich die Stuttgarter Street Band Formation „Jazzbus“ hinzu. Urig aussehende Jazzer um Bandleader Martin Keller, die gemeinsam mit dem Blasorchester eine überaus jazzige Attacke führten. Ein ungewöhnliches Hörerlebnis, erwähnt sei „King Kong im Supermarkt“, das zahm und wild, leise und laut einen musikalischen Gleichklang propagierte, der bereits nach ein paar Takten denn doch lieber ins Schräge und Chaotische abdriftete. Kakophonie at it´s best !

Musiker mit Posaune, Saxophon, Tuba und Schlagwerk - so anarchisch und roh das Sextett vor sich hin musizierte, so perfekt fügte es sich mit dem Blasorchester (oder umgekehrt) in das von Robert Wahl arrangierte Musikgefüge ein, ob beim Big-Band-Sound oder Dixi.

Längst war, auch ohne Blick auf den Mond, die Vollmondnacht vorangerückt, die Brise kälter und kräftiger geworden, als Moritz von Woellwarth den dritten Act ankündigte: Shelly Phillips. Man muss die 20-jährige Coburgerin (noch) nicht kennen, doch rechnen kann/muss man mit ihr in den nächsten Jahren durchaus. Solche Talente wolle er künftig regelmäßig auf die Festivalbühne holen, verspricht der Akademiedirektor folgerichtig. Shelly Phillips jedenfalls erinnert an Nena, nur dass sie nicht von „99 Luftballons“ singt, sondern fest verankert und trotzdem schwerelos („Astronautenlied“) Geschichten vom echten Leben. Rockmusik mit punkigem Einschlag, deutschsprachige Texte, hintersinnig mit samtweicher Stimme gesungen. Herbert Kullmann

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