Die Freundschaft von Hölderlin und Schubart

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Professorin Barbara Potthast moderiert den Abend. Mit dabei: die Wortkünstler Rudolf Guckelsberger und Ramon Schmid.

Rudolf Guckelsberger und Ramon Schmid entführen im KubAA in die Dichtkunst.

Aalen. Ein von der stellvertretenden Vorsitzenden der Schubart-Gesellschaft, Professorin Barbara Potthast, moderierter Rezitationsabend beleuchtete das Verhältnis von Friedrich Hölderlin zu Christian Friedrich Daniel Schubart. Deren Gedichte wurden von den Wortkünstlern Rudolf Guckelsberger und Ramon Schmid verlebendigt.

Während Schubart, Dichter, Musiker und Journalist, ein Mann der Aufklärung, zu Lebzeiten berühmt, den Nerv der Zeit mit seiner Dichtkunst trifft, wie Barbara Potthast erklärt, gar bildungsferne Schichten mit seinen Worten erreicht, ist der junge Hölderlin, noch unbekannt, von seinen Zeitgenossen wenig geschätzt. Heute ist er hingegen ein Dichter von Weltruhm, Schubart nahezu vergessen.

Beide haben trotz aller Unterschiede viele Gemeinsamkeiten, wie der imaginierte Dialog auf der Bühne zeigt. Beispielsweise stammen sie aus streng pietistischen Elternhäusern, was ihr Leben prägt. So macht Schubart dies verantwortlich für Schuldgefühle und Ängste. Hölderlin findet stattdessen zu einem ästhetischen Pantheismus. Beide sind zerrissene Menschen, an der Enge ihrer Zeit leidend. Auch daran, dass sie statt der Dichtkunst sich widmen zu können, einem ungeliebten Brotberuf nachgehen müssen. Freiheit sehen sie als wichtigste Bedingung des Lebens. So ist es nicht verwunderlich, dass sie sich für die Französische Revolution, Menschenrechte und Selbstbestimmung begeistern.

Mit eindringlicher Betonung entführen Guckelsberger und Schmid in die Dichtkunst. Zornig spricht Schubart „den Fürsten heiße Wahrheit ins Antlitz“, in den Gedichten „Die Fürstengruft“ und dem „Kaplied“ rechnet er mit der Fürstenwillkür ab. Mit „Schubartschem Furor“ (Barbara Potthast) geißelt Hölderlin die „Ehrsucht“ als Laster aller Menschen. Dass die Württemberger sich ein Beispiel nehmen würden an den Franzosen, hoffen Schubart wie Hölderlin vergeblich.

Toleranz, Meinungsfreiheit und Aufklärung, sei Schubarts oberstes Ziel, fasst Potthast zusammen. Während Hölderlin im Ton dunkler vom freien Menschentum, von der Versöhnung mit der göttlichen Natur spricht. Trotz aller Verschiedenheit finden Schubart und Hölderlin hier zusammen. Zweck der Dichtkunst sei es nämlich, deren ganze Kraft zum Wohl der Menschheit einzusetzen. Dafür zahlen beide einen hohen Preis: Schubart wird zehn Jahre lang auf dem Hohenasperg eingekerkert. Hölderlin kommt 1806 in die Irrenanstalt. kul

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