Die junge Philharmonie auf neuem Niveau

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Die Junge Philharmonie Ostwürttemberg spielte am Freitagabend das Auftaktkonzert ihres Sommerprojekts 2021 in Schwäbisch Gmünd. Weitere Konzerte folgen in Aalen, Ellwangen, Neresheim und Heidenheim.Foto: Heinz Joos
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Chefdirigent Uwe Renz führt die JPO zur professionellen Aufführung der 9. Sinfonie von Dvorak. Die Ostwürttemberg-Tournee des Orchesters mit dem Sommerprojekt 2021 hat begonnen.

Schwäbisch Gmünd. Das Hauptstück des Abends: „Aus der neuen Welt“, die Sinfonie Nr. 9 von Antonin Dvorak. Das große Orchester musiziert in professioneller Manier auf einem vielleicht noch nicht gehörten Niveau: der warme und große sinfonische Sound, die Klarheit und Präzision der Stimmgruppen und des Zusammenspiels, die Transparenz, in der die Schönheiten und die vielfältigen Varianten der Themen erkennbar und genießbar waren, die genauen, die wuchtigen, die sensiblen Einsätze, die eleganten Phrasierungen, das wunderbare Tutti-Piano, die kultivierten Fortissimi – wir haben große Musik gehört, ein sinfonisches Fest nach der langen Coronadürre. Diese „Neunte“ war kein Durchstarten nach der Zwangspause, am Freitag in Gmünd begann eine neue Epoche nach den ersten 25 Jahren der JPO.

Ein mit entspannter Zuverlässigkeit dirigierter Brahms (Ungarischer Tanz Nr. 6) krönte das wundervolle Konzert am Freitag im Gmünder Stadtgarten und in der Aalener Stadthalle am Samstag nach ganz großem Applaus im coronagerecht halb vollen Saal.

Die beiden Solokonzerte im ersten Teil des Konzertes kamen als Aufführungen eines Jugendorchesters im besten Sinne daher: solide, am Freitag noch nicht ganz fertig, die Solistin und der Solist auf unterschiedlichem Niveau, aber hoffnungsvoll beide. Hanna Keller lieferte den Solobeitrag des Klarinettenkonzertes von C.M.v.Weber mit Souveränität und virtuoser Sicherheit ab. Die Abstimmung mit dem Orchester klappte weitgehend, die Klarinette war eingebettet ins Orchester und zunehmend im Dialog mit dem Ensemble und dem Dirigenten. Eine feine Leistung und feiner Hörgenuss in jedem Fall, in beiden Konzerten.

Jim Thomas hatte es in der Premiere am Freitag zunächst schwer, sein wuchtiges Instrument im Kontrabasskonzert von Serge Koussevitzky (1874-1951) als gleichberechtigt mit dem Orchester erkennbar zu machen. Zu leise die virtuosen Passagen über den Tutti, zu flüchtig mancher Lauf in den hohen Lagen. In Aalen war die Abstimmung ausgeglichener. Das Publikum bejubelte den beherzten Auftritt des 22-jährigen Musikanten voller Spielfreude und frohgemutem Selbstbewusstsein. Unterhaltsam vor der Pause die Zugabe der beiden Solisten mit dem Orchester, eine Polka mit Klarinette und Kontrabass im lustigen "Tanz umeinand‘.

Uwe Renz leitet und bildet die JPO seit 20 Jahren und formt von Jahr zu Jahr das Ensemble neu. Die Fluktuation ist naturgemäß groß. Und doch gibt es von dem einen auf das nächste Projekt Entwicklungen des erreichten Standards. Die Probenarbeit in der Woche vor der Projekttournee ist legendär wegen ihrer strengen Arbeit und guten Stimmung. Renz erreicht die jungen Frauen und Männer, die die musikalische Nachwuchselite der Region repräsentieren. Zehn bis zwölf Stunden Proben am Tag und der lockere, loyale Umgang aller miteinander zeigen Wirkung, in diesem Jahr vielleicht noch mehr als üblich.

Die Premiere des diesjährigen Sommerprojektes war am Freitagabend in Gmünd, die zweite Aufführung am Samstag in der Aalener Stadthalle und am Sonntag am Kressbachsee bei Ellwangen.

Weitere Konzerte mit dem Programm am Freitag, 17. September, um 20 Uhr Open air in Neresheim und am Samstag, 18. September, in der Waldorfschule in Heidenheim. Tickets: www.reservix.de sowie an der Abendkasse

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