Die Münchner Regisseurin Anne Habermehl inszeniert in Aalen

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Die kreativen Köpfe des Theaters der Stadt Aalen freuen sich schon mächtig auf die neue Spielzeit. Intendant Tonio Kleinknecht (von links) und seine Stellvertreter Tina Brüggemann und Winfried Tobias haben im Napoleonzimmer im alten Rathaus das Programm 2022/2023 vorgestellt.
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Sieben Premieren und das Leitthema "Der Staat und ich" bestimmen das abwechslungsreichen Programm der Spielzeit 2022/2023 des Theaters der Stadt Aalen. Ein Grund zur Vorfreude.

Aalen. „Der Staat und ich“. Unter dieses Leitthema hat das Theater der Stadt Aalen seine Spielzeit 2022/2023 – die Dritte dann im Kulturbahnhof – gestellt. Und eine Menge spannende Stücke hineingepackt. Was alles, das haben die Intendanten Tonio Kleinknecht und seine Stellvertreter Tina Brüggemann und Winfried Tobias bei einem Pressegespräch im Alten Rathaus verraten. Auf gleich sieben Premieren darf sich das Publikum freuen.

„Außer Kontrolle“ startet am 8. Oktober, eine „Farce von Ray Cooney“ rund um Staatsminister Richard Willey, der in der turbolenten englischen Komödie sich lieber mit der Sekretärin des Oppositionsführers beschäftigt, als seiner Verantwortung als Staatsdiener nachzukommen. In der Hauptrolle Marc-Philipp Kochendörfer, die Regie hat Kleinknecht, Gerhard Herfeldt die Dramaturgie.

Wir sind richtig stolz, dass wir sie hierher bekommen haben."

Tina Brüggemann, Stellvertretende Intendatin

„Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt beschreibt das Sterben eines Kindes. Oskar hat Leukämie. Rosa ist Sterbebegleiterin in der Klinik, erzählt ihm eine Legende, in der ein Tag zehn Jahre lang dauert. Oskar lebt seine letzten 12 Tage danach, folgt Rosas Empfehlung und schreibt Gott lange Briefe über seine Gedanken über das Leben, den Tod, Schmerz, Verlust und Freude. Alice Katharina Schmidt, die lange fest zum Aalener Ensemble gehörte, ist die Dame in Rosa, die kurz nach Oskars Tod seine Briefe liest. „So schrecklich das klingt, so getröstet gehen wir aus dem Stück“, kündigt die Regisseurin an. Premiere ist am 12. November.

Am 20. November startet Winfried Tobias' Weihnachtskinderstück „Pünktchen trifft Anton“, das er eigentlich schon vor zwei Jahren auf die Bühne bringen wollte. Frei nach Erich Kästner rückt die Fassung von Volker Ludwig die sozialen Verhältnisse in den Focus, in denen die beiden Großstadtkinder aufwachsen. Im Mittelpunkt der Geschichte um diese ganz besondere Freundschaft steht stark das Gerechtigkeitsempfinden. „Das wird eine sehr musikalische Aufführung“, sagt Tobias, die Musiker Axel Nagel und Christian Steiner begleiten live.

„Wir sind richtig stolz, dass wir sie hierher bekommen haben“, erzählt Brüggemann. Die Rede ist von der Münchner Regisseurin Anne Habermehl, die in Aalen mit „Automatenbüffet“ ein Gesellschaftsbild der 20er Jahre zeichnet. Premiere ist am 14. Januar 2023. „Als Anna Gmeyner das Stück 1932 schrieb, war es zu kritisch für den erstarkenden Faschismus“, sagt Brüggemann. Für die Mitglieder der Aalener Spielclubs sei dies eine tolle Chance, mit der bekannten Theaterfrau zu arbeiten.

„Ich will schon lange mal etwas von Juli Zeh inszenieren“, erzählt die Regisseurin. Jetzt tut sie es, ab 28. Februar mit „Corpus Delicti“. Kritisch und amüsant beleuchte das Stück den Staat und seine Einflussnahme. Ein Gesundheitsstaat, komplette Überwachung und mitten drin, die junge Biologin Mia, die plötzlich – ausgelöst durch den Freitod ihres Bruders – nicht mehr mitmacht, sich gehen lässt, nicht mehr funktioniert und Mittelpunkt eines großen Schauprozesses wird. Das Stück sei ein Plädoyer für ein selbstbestimmtes Ich, in dem eine Menge philosophischer Gedanken rund um „Was darf der Staat?“ steckten. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der offen diskutiert werden kann. Dinge wie die Impfpflicht beispielsweise“, so Brüggemann und freut sich: „Ab diesem Stück ist Larissa Wagenhals fest an unserem Haus.“

In Kooperation mit den Opernfestspielen Heidenheim kommt ab Mai 2023 eines der bedeutendsten Dramen der deutschen Literatur auf die Bühne. Das Abiturthema „Woyzeck“ von Büchner. „Ein lebendiges Stück und ein Plädoyer mit Unterschiedlichkeiten umzugehen ist „Lahme Ente, blindes Huhn“ von Ulrich Hubs", kündigt Tobias an. Eine sprachwitzige Geschichte zweier Antihelden, die große Abenteuer erleben und ein Geheimnis entdecken, zu sehen ab dem 18. Juni 2023 für kleine und große Theaterbesucher.Panja Tillmann-Mumm

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