„Die Routine ist weg“

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Michael „Flex“, Flechsler, Vorsitzender der Kulturfreunde Galgenberg.
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Michael „Flex“ Flechsler erklärt im Interview, warum man das Galgenbergfestival am Freitag, 6. und Samstag, 7. August nicht verpassen sollte.

Aalen

Es ist ein Festival, das von der Begegnung lebt. Der Begegnung mit alten Freunden, der mit bekannten Musikerinnen und Musikern, aber auch der mit neuen Bands. Für all das steht das Galgenbergfestival der Kulturfreunde Galgenberg, das alljährlich am ersten Augustwochenende Musikfans auf das Aalener Gaskessel-Areal lockt. In diesem Jahr ist das Festival dort aufgrund aktuell niedriger Inzidenzen wieder möglich. Die 3G-Regel gilt zwar - trotzdem soll das vertraute Festivalgefühl aufkommen. Wie das gelingt und wer auf der Bühne steht, darüber spricht der Vorsitzende des Vereins der Kulturfreunde Galgenberg Michael „Flex“ Flechsler im Interview mit Dagmar Oltersdorf.

Wenn freitags beim Festival traditionell das Vereinsorchester spielt, dann gibts normalerweise auch ein großes Hallo zwischen den Menschen. Wie funktioniert das in Zeiten von Corona?

Flex: Das ist schon immer wie ein großes Klassentreffen. Viele gehen wegen der Kontakte hin. Wir sind deshalb auch froh, dass wir eine Mischform genehmigt bekommen haben. Wer sitzt, kann die Maske abnehmen, wer sich auf dem Gelände bewegt, muss sie tragen. Wer tanzen will oder mit Menschen sprechen, kann das tun, wenn er den Mund-Nasenschutz trägt. Beim Jazzfest im Stadtgarten konnte man die Erfahrung machen, dass die Menschen das schon annehmen.

Das Festival kostet Geld. Bibbert Ihr wegen steigender Inzidenzen?

Wenn sie über 35 steigt, dann würde uns das Probleme machen. Wenn nur maximal 500 Besucherinnen und Besucher möglich sind, wäre das ein finanzielles Fiasko. Aber wir sind da guter Dinge. Sorgen machen uns eher die Menschen, die sagen: Wir wollen wieder Kultur, das aber dann nicht annehmen und uns eigentlich damit in den Rücken fallen, nur weil sie keine Masken tragen wollen. Wenn man Kultur will, muss man eben in den sauren Apfel beißen. Man muss nach vorne treiben und dafür sorgen, dass die Menschen in diesem Bereich auf wieder Geld verdienen. Wer als partout keine Maske tragen will: Karte kaufen, nicht hingehen oder sie verschenken. Und wer sich diese Woche noch eine Dosis Johnson und Johnson geben lässt, der ist am 6. August frei.

Warum habt ihr das Festival nicht einfach ausfallen lassen?

Die Entscheidung dafür war schon ein längerer Prozess. Man verursacht ja früh Kosten. Als wir geplant haben, waren wir bei einer 50er Inzidenz. Aber du musst eben trotzdem rechtzeitig Hotels buchen, den Bands definitiv zusagen, weil die mittlerweile schon wieder anderweitige Anfragen bekommen haben. Die Wochenenden im Jahr werden ja nicht mehr, für Open Air schon gar nicht. Wir haben dann gesagt, wir ziehen das durch. Würden wir es nicht, haben wir auch fast einen fünfstelligen Betrag zu bezahlen. Trotzdem ist es ein großes Wagnis. Wir zahlen den Bands noch etwas mehr Gage, weil ihre Auftritte 2020 ausgefallen sind und sie sich für uns den Termin freigehalten haben.

Wie finanziert sich das?

Unter anderem auch über unseren größten Sponsor, das Vereinsorchester. Alle Musikerinnen und Musiker spielen an diesem Abend immer ohne Gage. Aber wir haben auch weitere Sponsoren: Die Stadtwerke und Plan B, die Firma Hachtel und IFO aus Schwäbisch Gmünd - alle sind dabei geblieben, haben teilweise aufgestockt. Es ginge nicht ohne. Zudem unterstützt uns der Bauhof der Stadt, die Firma Ostalb PA macht uns gute Konditionen.

Trotzdem wird es diesmal besonders sein ...

Ja, weil die Bands wirklich ganz wild darauf sind, zu spielen. Die Routine ist weg, es gibt keine normalen Touren und wenn man einen ganz frischen Gig sehen will, dann jetzt. Das ist für musikinteressierte Menschen eine tolle Sache. Norbert Schneider hat in Wien gerade in einem Garten gespielt. Ich habe das Video gesehen. Das war toll.

Was bieten die Bands am Samstagabend denn?

Den Auftakt machet I-Fire, eine Reggae-Band mit Ska-Anleihen aus Hamburg. Die verbreiten so richtig Sommerfreude, Festivalmusik, wie man sie sich vorstellt. Norbert Schneider steht bei uns schon länger seit 2019 auf dem Zettel. Früher hat er englischen Blues und Swing gemacht, danach zwei CDs auf Wienerisch. Der Schmäh harmoniert sehr gut mit den Bläsern, mit denen er kommt, das geht gut nach vorne. Riders Connection waren bei Los Lobos im Vorprogramm. Da war die Resonanz so bombastisch, dass wir sie gefragt haben, ob sie noch mal kommen. Tun sie, diesmal zu fünft und wir haben sie an den Schluss gepackt, weil sie sehr gut Stimmung machen.

Der man nicht entkommen kann?

Doch, wir gehen auf dem Gelände weiter nach hinten, damit wir vorne mehr Platz haben. Wir dürfen nur 60 Prozent der Platzkapazität belegen, aber wir können das dann so entzerren, dass diejenigen, die in Ruhe und abgeschiedener sitzen können, das auch das auch tun können.

Ihr feiert das 20. Festival. Was wird das Vereinsorchester spielen?

Wir haben ein Brainstorming gemacht und eine interne Best-of-Liste erstellt. Balladen, Tanzbares, Hits, das kommt alles vor. Es werden wieder alle Musikerinnen und Musiker spielen. Wenn ich mit Kollegen an anderen Orten spreche, fragen die immer, wie wir das hinbekommen, mit so vielen unterschiedlichen Musikerinnen und Musikern, die eine Menge Spaß und wenig Konflikte haben. Die meisten sind ja sonst in Trios oder im Quartett unterwegs. Hier geht aber alles, man kann bei dieser mehr als 20-köpfigen Besetzung und Qualität eigentlich jede Nummer machen und muss nichts herunterkonzeptionieren. Sondern eher mal was draufsetzen. Das ist eben sehr speziell.

Hier gibt es die Tickets für das Festival

Der Verein Kulturfreunde Galgenberg e.V. weist darauf hin, dass ein Einlass nur mit gültigem 3G Nachweis (geimpft – getestet – genesen) gewährt werden kann. Vor Ort gibt es keine Teststation.

Der Vorverkaufsbeginn läuft ab sofort bei: Touristik Service - Café Wunderlich - ZeitRaum im Kubus und online bei www.reservix.de. Das Ticket für Freitag kostet 20 Euro, das für Samstag 30, das Kombiticket 45 ohne VVK-Gebühr. Ermäßigte Tickets für SWA- Kunden gibt es nur beim KIZ in der Gmünder Straße 20.

Infos unter www.galgenberg-festival.de oder Facebook / Instagram

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