Die Zeit, sich über einen Ölklumpen zu unterhalten

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Ruppe Kosellek (links) und Thomas Behling stellen im Gmünder Kunstverein im Kornhaus aus.
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Konzeptkünstler Ruppe Kosellek und Thomas Behling in der Galerie des Gmünder Kunstvereins.

Schwäbisch Gmünd. Die Preise sind günstig, die BP-Aktie ist am Freitag auf 3,47 Euro gefallen. Was hat das mit der Ausstellung im Gmünder Kunstverein im Kornhaus zu tun? Jede Menge, denn Konzeptkünstler Ruppe Koselleck ist in seinem Element.

Seinem erklärten Ziel, mit dem Erlös aus Verkäufen BP-Aktien für eine „feindliche Übernahme“ zu kaufen, kommt er an diesem Abend ein Stück näher. 6007 Aktien hat der Künstler nach dem Engagement des stellvertretenden Kunstvereinsvorsitzenden Stanislaus Müller-Härlin. Der investiert 34,70 Euro für zehn Aktien, dafür gibt‘s ein Bild des Künstlers, eine ganz besondere Frottage: Ruppe Koselleck wischt einen in Bad Godesberg gefundenen Ölklumpen so lange übers Papier, bis der Abdruck fertig ist. Die Unterlage? Ein BP-Kanister natürlich. „Der Titel ist die halbe Miete“ heißt die Ausstellung. Die andere Hälfte ist nicht weniger interessant. Thomas Behling arbeitet in seinen Bildobjekten nach eigenen Worten „mit dem Patina besetzten weltanschaulichen Erbe in unseren Hinterköpfen, das oft unserem bewussten Selbstverständnis widerspricht“. Dabei verbirgt er in seinen Bildobjekten vieles. Und lässt die Kunstwelt rätseln. Warum trägt ein neu geschaffenes Werk die Patina aus vielen Jahren, warum ist die Bildaussage versteckt in einem Behältnis?

Da öffnen sich die Berührungspunkte, die inhaltlichen Parallelen der beiden Künstler Ruppe Koselleck und Thomas Behling. Kosellecks Tagebücher zum Beispiel. Sie liegen aufgereiht auf einer Reihe von Biergarten-Klapptischen und geben die Arbeit aus 19 Jahren und 200 Tagen frei. Bei seinen Streifzügen durch Städte und Landschaften ist Ruppe Koselleck immer auf der Suche nach all den Dingen, die Menschen einfach wegwerfen. Sein Versuch, Spielkarten zu finden, bis das ganze Kartenspiel zusammen ist, hat so lange gedauert. „Kreuz 9“ hat er lange nicht gefunden. Dafür viel Beifang. Fahrkarten, Blister, Aufkleber oder auch Verpackungsreste. Alles ist in den „Tagebüchern“ eingeklebt.

Die Ausstellung zeigt inhaltliche Parallelen. Obwohl sich die Künstler nie zuvor begegnet sind, entsteht ein harmonisches Ganzes. Thomas Behling sammelt zwar nicht am Strand und auf der Straße, seine „Fundstücke“ macht er selber. Wenn der patinierte Barockrahmen zum neuen Gemälde kommt, schafft er die Verbindung zwischen Alt und Neu, bespritzt das Kunstwerk samt Rahmen, als wäre es bei Schmuddelwetter am Straßenrand gestanden.

Derweil nimmt Konzeptkünstler Ruppe Koselleck seinen Lieblingsplatz in der Galerie ein, das „Büro zur Feindlichen Übernahme von BP“. Die Rauminstallation ist sein Arbeitsplatz am Eröffnungsabend, dort investieren weitere Kunstfreundinnen und Kunstfreunde in die Idee. Die Rauminstallation würde der Künstler auch komplett verkaufen. Samt (leerem) Benzinkanister, Stiften Filz und Flyern.

Eine Ausstellung zum Suchen und Finden, ein Rundgang, der Spaß machen kann und jede Menge Ernsthaftigkeit besitzt. Kuno Staudenmaier

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