Ein Abend mit dem „General der Musikanten“

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Hans-Roman Kitterer am Flügel im Kubaa
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  • Beate Krannich
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Hans-Roman Kitterer spielt Beethoven im ausverkauften Theatersaal des Kubaa.

Aalen. Nicht umsonst hat Beethovens Klaviersonate op. 57 in f-Moll den Beinamen „Appassionata“ erhalten. Hier bündeln sich die Leidenschaften. Düster und schwermütig beginnt der erste Satz. Aufwühlende Passagen, stürmisches Drängen und immer wieder heitere Episoden wechseln sich ab. Hans-Roman Kitterer setzt kraftvolle Akkorde, formt geschmeidige Triller und brilliert im rasanten Arpeggio-Spiel. Wie ein Rahmen umschließen Anfangs- und Schlusssatz der „Appassionata“ den Abend – und dazwischen ein ganzes Künstlerleben.

Ludwig van Beethoven steht im Mittelpunkt des Geschehens. Seine Musik und seine Biografie. Dann schwenkt die Beleuchtung vom Flügel zu Arwid Klaws, der an einem schmalen Holztisch sitzt, mit dem Weinglas in der Hand. Der Schauspieler gibt dem großen Komponisten Stimme und Gestalt. Erzählt von seiner Kindheit, den prekären Verhältnissen und dem trunksüchtigen Vater, der aus seinem Sohn einen zweiten Mozart machen wollte.

Von den Tricks, ein musikalisches Wunderkind, aufzubauen, weiß Margarete Lamprecht als Beethovens Mutter zu berichten: Man macht das Kind bei seinen Auftritten einfach etwas jünger. Die Schauspielerin schlüpft in wechselnde Rollen. „Gestatten, Fürstin Lichnowsky“, als adlige Wiener Dame mit opulentem Hut begrüßt sie den jungen Beethoven in der Metropole. Hier hat er Erfolg, erntet Respekt für seine Improvisationen am Klavier. Selbstbewusst zeigt Arwid Klaws diesen Beethoven, der als schwieriger Charakter gilt, als reizbar und jähzornig.

Texte und Musik in dem von Hans-Roman Kitterer konzipierten Format sind eng miteinander verknüpft. Knapp zwanzig Stücke interpretiert er an diesem Abend. Sätze aus bekannten Werken wie „Mondscheinsonate“, „Waldsteinsonate“ und „Grande sonate pathétique“. Die Widmungen der Werke verraten die adligen Gönner und Liebschaften.

Belastend die zunehmende Taubheit. Das schildert Klaws eindrücklich. Wenn die Virtuosität auf dem Klavier nachlässt und das innere Ohr das äußere ersetzen muss. Und die Einsamkeit kommt. Da bleibt nur noch die Haushälterin, die Margarete Lamprecht mit überzeugendem Wiener Zungenschlag gibt.

Mit einem furiosen Finale, dem 3. Satz aus der „Appassionata“, endet die Geschichte über den „General der Musikanten“. Der lange Applaus zollt vor allem Kitterer Bewunderung für den etwas anderen Klavierabend. Beate Krannich

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