Ein Barockgemälde erzählt Geschichte

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Ausstellung "Neue Blicke Schwäbisch Gmünd
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„Maria Magdalena - Neue Blicke auf Bild und Mythos“ im Prediger in Schwäbisch Gmünd. Zeitgenössisches Kunsthandwerk umrahmt das restaurierte Bild.

Schwäbisch Gmünd

Eine aus mehreren Gründen bemerkenswerte Ausstellung: „Maria Magdalena – Neue Blicke auf Bild und Mythos“ ist die Präsentation in der Galerie „Labor im Chor“ im Prediger überschrieben. Dort treffen Barock und Gegenwart aufeinander, dort öffnet sich ein Stück Stadt- und Klostergeschichte. Dazu kommt das Staunen über eine gelungene Restauration, die dem zentralen Gemälde der Ausstellung, Maria Magdalena,  zuvor nie gesehene Details sichtbar macht.

Restaurator Hermann Petersohn geht beim Rundgang geduldig auf Fragen des Publikums ein, freut sich selbst über die Präsentation nach fast einjähriger Arbeit am Bild. Museumsdirektor Dr. Max Tillmann spricht über die Hintergründe der Ausstellung. Auslöser war die Schenkung eines Kunstsammlers aus dem Rheinland. Er überließ dem Gmünder Museum ein Werk von Johann Christoph Katzenstein d.Ä. mit dem Titel „Joseph und seine Brüder“. Ein Gmünder Maler, von dem das Museum ein weiteres Werk besitzen müsste. Aber es war verschollen. „Maria Magdalena“ wurde 1912 auf dem Dachboden der Kirche in Straßdorf gefunden und in die Altertümersammlung  der Stadt überführt. Dann wurde es  nicht mehr gesichtet. Erst vor zwei Jahren kam es nach intensiver Suche zum Vorschein, vermutlich war das Bild nicht entsprechend katalogisiert.  

Die besondere Bedeutung für Schwäbisch Gmünd: Das 1686 entstandene  Werk war vermutlich Altargemälde der Maria Magdalena geweihten Dominikanerkirche –  dem heutigen Prediger. Und genau im Chor dieser ehemaligen Kirche ist das Werk während der Ausstellung zu sehen. Das mit vielen Symbolen ausgeschmückte Bild zeigt zum einen die Sündhaftigkeit Maria Magdalenas, dargestellt in der Geißel, zum anderen ihre menschliche Vergänglichkeit, dargestellt durch Totenschädel und Kruzifix. Das Salbgefäß im Vordergrund verweist auf sie als Begleiterin Jesu, dessen Füße sie mit Öl salbte. Nicht zuletzt setzte der Maler ihren Status als von Gott Auserwählte in Szene: durch das spirituelle Licht, das sie überströmt.

Beigaben, die zur aktuellen Ausstellungsidee führten. Das „Labor im Chor“ ist eine Galerie für zeitgenössisches Kunsthandwerk und  das bereichert nun auch diese Präsentation. Alkie Osterland, die die Galerie zusammen mit Maria Hokema und Angela Munz führt, erläutert den zahlreichen Gästen der Ausstellungseröffnung die Intention und die Arbeiten der beteiligten Kunsthandwerker und Kunsthandwerkerinnen.

So verweisen die grotesken Antlitze in den Glasarbeiten von Wilhelm Vernim auf die Erlösung Maria Magdalenas von den Dämonen. Der Totenschädel als Vanitas-Symbol erfährt eine gegenwärtige Spiegelung: Zum einen in einem bronzenen Totenschädel des Bildhauers und Grafikers Dietrich Klinge, zum anderen in den mit „Vanitas“ betitelten Arbeiten von Ursula-Maren Fitz aus farbigem, transparenten Glas, das durch ein Netz aus Stacheldraht geblasen wurde. Weiter knüpfen die Arbeiten von Angela Munz und Oliver Kreiter an die Symbolik des Salbgefäßes an. 

In die Ausstellung einbezogen ist auch die Leiterin der Stabsstelle für Chancengleichheit, Elke Heer. Sie geht bei der Ausstellungseröffnung auf die Person Maria Magdalena ein, auf die unterschiedlichen Rollen, die ihr zugeschrieben werden. Dargestellt in barocker Manier als Büßerin und Sünderin,  galt sie im 20. Jahrhundert als Heilige.

Elke Heer stellt den Zusammenhang zu „Maria 2.0“ her, zur Diskussion um Frauen im Priesteramt. Und sie erinnert an eine Gesprächsrunde am 10. März, in der es um das Thema geht.

Die Ausstellung „Maria Magdalena – Neue Blicke auf Bild und Mythos“ ist bis Sonntag, 24. April, im Prediger Schwäbisch Gmünd zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. An Karfreitag ist geschlossen. Infos auch unter labor-im-chor.de.

Ausstellung "Neue Blicke Schwäbisch Gmünd

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