Ein buntes Bukett der jazzigen Art

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Vom Flügel aus leitet Tobias Becker seine Bigband.
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Messerscharfe Bläsersätze sind das Markenzeichen der Tobias Becker Bigband beim Kapfenburg-Konzert.

Lauchheim. „Blumenfantasie“ hat Maren aus der Martinus Schule der Stiftung Haus Lindenhof ihr farbenprächtiges Bild überschrieben, das neben anderen im Bandhaus von Schloss Kapfenburg hängt. Sein Titel könnte auch gut das Konzert der Tobias Becker Bigband zusammenfassen, die Freitagabend im großen Saal ihr virtuoses Gebläse eingeschaltet hat.

Das Bukett, das Becker mit seiner 17-köpfigen Mannschaft überreicht hat, blüht wirklich in allen möglichen Klangfarben. Der Pianist, Komponist und Arrangeur hat den Strauß bis auf ein Stück von Count Basie als Zugabe und den für seine Bigband bearbeiteten gemütvollen „Abendsegen“ aus Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ ausschließlich aus eigenen Kompositionen zusammengestellt. Ohnehin ein Novum im Geschäft der großen Jazz-Orchester. Dort wird meist klassisches Repertoire von Glenn Miller bis Duke Ellington gespielt, um neben Basie nur die bekanntesten zu nennen auf die Notenständer gelegt.

Beckers Stücke haben es in sich. Sein liebstes Stilmittel sind die messerscharfen Bläsersätze, Klang gewordene Hurrikans. Selten nur darf das Ohr in deren ruhigem Auge verschnaufen. Was da von der Bühne stürmt, ist indes hoch differenziert. Ein Klangzauber, in dem das melodische Gefüge immer transparent bleibt. Die gute Akustik spielt voll in die Karten des Ensembles. Und seiner Solisten. Sie können aus dem kompakten Sound aufsteigen, wie Phönix aus der Asche.

Zum ersten Set ist Tobias Becker von der Pandemie inspiriert worden. Zeit zum Komponieren hatte er. Umso mehr genießt es die Band, die Früchte dieser Arbeit nun unter die Menschen zu bringen. Sie führt mit ihrem Publikum einen „Friends Talk“ (ein Gespräch unter Freunden), das jedoch nur mit Applaus antworten kann. Davon allerdings reichlich. „Wahnsinnig viel Enthusiasmus“ bescheinigt der smarte Vormann seiner Truppe. Sie zeigt wiederum eminent viel Spaß an der Freud‘.

Eigentlich müsste man alle Mann einzeln loben. Stellvertretend sei der Bariton-Saxophonist Christoph Beck genannt. Der reine Genuss, wie er mit seinem Tieftöner die „Sketches of a nightmare“ in einen lichten Blätterwald verwandelt. Als letztes Stück erweist diese bravouröse Band mit dem kantigen „Atomic B“ Count Basie ihre Reverenz, bevor sie den schon erwähnten „Abendsegen“ spendet. Dass sie, vom Publikum hartnäckig zurückgeklatscht, noch eine weitere Zugabe spielt, ist für Tobias Becker „ein echtes Novum“. „Schlossherr“ Moritz von Woellwarth hat zu Beginn seine Vorschusslorbeeren zurecht verteilt. 

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