Ein Dach fürs Schattentheater

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Eine moderne Figur im Schattentheater.
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In Schwäbisch Gmünd steht das Schattentheater-Museum kurz vor der Eröffnung. Es wird auch offen sein für Workshops und Veranstaltungen.

Schwäbisch Gmünd

Die Stadt ist auf dem Weg, sind endgültig als „Hauptstadt des Schattenspiels“ zu etablieren. Bis jetzt kommen Freunde dieses Genres nur alle drei Jahre beim Internationalen Schattentheater-Festival auf ihre Kosten. Künftig ist das Schattentheater mit seinen Figuren und Geschichten rund ums Jahr präsent: In zwei Wochen eröffnet das Schattentheater-Museum, nurwenige Meter vom städtischen Museum entfernt.

Auf mehreren Ebenen erhalten Besucherinnen und Besucher Einblicke in Geschichte und Gegenwart des Schattenspiels, erleben in einem interaktiven Bereich hautnah, wie sich Schatten verhalten. Dazu kommt ein großes historisches Kellergewölbe unter dem Neubau. Dort sind Veranstaltungen möglich, auch Präsentationen des Vereins „Sandtogether“, der aus der Gmünder Schattenszene hervorgegangen ist.

In diesen Wochen ist der Initiator des Museums, Rainer Reusch, intensiv mit Feinarbeiten des Aufbaus beschäftigt, unterstützt von Museumsdesigner Tomas Sturm, der nach Worten Reuschs „viel Erfahrung mitbringt und genauso über das Schattentheater-Museum denkt wie ich“. Das neue Museum ist leicht zu orten, es ist in einem turmartigen Gebäude untergebracht, das man vom Prediger aus übers Freudental erreichen kann.

Von weitem signalisiert der Rabe, das Symbol des Gmünder Schattenspiels, den Museumsort. „Ein modernes Museum“ will der Initiator, keine angestaubte Präsentation in Vitrinen. Besucher sollen im Mitmach-Museum zunächst mit dem Medium Schattentheater konfrontiert werden. Im Eingangsbereich steht dafür eine fünf Meter hohe Wand zur Verfügung. Auf einer weißen, trapezförmigen Fläche kann permanent ein Video abgespielt werden, auch Schattenspiel-Experimente sind dort möglich. Große Schattenfiguren aus aller Welt – sie kommen aus der Sammlung Rainer Reuschs – finden Platz in einem offenen Bereich des neuen Museums. Da kann ein traditionelles Werk aus Südindien neben einer zeitgenössischen Arbeit stehen. Oft sind die Figuren „so groß wie ein Mensch und sollen auch die Dimensionen zeigen, mit denen wir arbeiten“, sagt Rainer Reusch.

Im Erdgeschoss ist Platz für einen Museumsshop, in dem es Bücher zum Schattentheater gibt, auch andere Objekte mit Bezug zum Thema. Ebenfalls im Erdgeschoss wollen die Initiatoren Workshops für Schulen anbieten. Dazu laufen Gespräche.

Interaktiver Museumsbereich

Spannend ist für Rainer Reusch auch der Bereich, der nicht auf Anhieb zu sehen ist. Im unterkellerten Neubau findet ein weiterer interaktiver Teil der Ausstellung Platz. Das sind acht Experimentier- und Informationstische. Dort können Besucher selbst aktiv werden, Licht und Schatten erfahren, Figuren verschieben und die Reaktionenbeobachten. „Nur im Schattenspiel kann man aus einer Maus einen Elefanten machen“, sagt Reusch bei der Vorstellung dieser schon fertiggestellten Objekte. Zu ihnen zählt auch ein Silhouettentisch. Dort können Besucher auf Pergamentpapier Konturen einer Person oder eines Gegenstandes nachzeichnen. Erinnerungsstücke an den Besuch des Museums.

Platz ist auf dieser Ebene auch für eine Dauerausstellung. „Wo auf der Welt wird was gespielt“, das möchte Rainer Reusch Interessierten vermitteln. Zum einen richten sich Blicke auf die Schattenspiel-Traditionen in China, Indien, Indonesien und andere Länder Südostasiens. Auch in der Türkei, in Griechenland und im Iran ist die Kultur des Schattenspiels vertreten. Dazu wird der Initiator moderne Schattenspiel-Figuren aus eigenen Produktionen zeigen.

Schatten in Gmünd

Es ist die Passion eines theaterbegeisterten Pädagogen. 1982 lässt Rainer Reusch andere daran teilhaben: Er gründet das Gmünder Schattentrio, zusammen mit den Söhnen Matthias, Christoph und Sebastian. Sie packen Figuren und Technik ins Auto, zeigen ihr Stück „Erschaffen und erschöpft“ in Gemeindezentren, auch in Schulen. Das Schattenspiel fasziniert Freunde, Kollegen.

Aus einer Idee wird bald Realität: 1988 findet das erste Schattentheater-Festival in Schwäbisch Gmünd statt. Dazukommt die Gründung des Internationalen Schattentheater-Zentrums. Das Festival gibt es seither alle drei Jahre – wegen Corona diesmal erst im Oktober 2022. Auch die Technik ist ein Grund, weshalb sich das Schattenspiel wieder stark etabliert: Die Halogenlampe schafft die Voraussetzungen für neue Darstellungsformen, weil ihr Licht gebündelter ist das das der Glühlampe.

Interessierte können das neue Museum erstmals am Sonntag, 10. Oktober, bei einem Tag der offenen Tür erleben.

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