Ein fataler Eros

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„Don Giovani“ in Schwäbisch Gmünd
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Mozarts Don Giovanni erfrischend inszeniert

Schwäbisch Gmünd. Die Oper Don Giovanni gilt als ein Meisterwerk der Gattung; Mozart schuf mit seinem spanischen Frauenhelden und Verführer einen Männertyp, der viele Schriftsteller, Regisseure und andere Künstler nach ihm inspirierte. Das Theater Pforzheim startete jetzt mit seiner populären „Oper aller Opern“ in die neue Spielzeit, und das erste Gastspiel führte prompt nach Schwäbisch Gmünd, wo die rund dreistündige Inszenierung mit Generalmusikdirektor Robin Davis begeistert aufgenommen wurde.

Don Giovanni, gespielt von Birger Radde, hat schon viele Frauen verschlissen; sein Diener Leporello – der Name deutet darauf hin – führt eine lange Liste der Verflossenen und Sitzengelassenen. Doch das Blatt wendet sich, als er zum Duell von Donna Annas Vater herausgefordert wird, die er ebenfalls zu verführen versuchte, und ihn tötet. Donna Anna (Stamatia Gerothanasi) und ihr Verlobter Don Ottavio (Santiago Bürgi) sinnen auf Rache und verfolgen Don Giovanni. Auch Donna Elvira (Dorothee Böhnisch) will den Draufgänger, der sie enttäuscht hat, zur Rede stellen.

Als der Verführer sich auf einer Bauernhochzeit just am Hochzeitstag an die Braut Zerlina heranmachen will, ist das Maß voll und er wird von allen Seiten gejagt.

Die Besetzung der gegensätzlichen Rollen ist perfekt. Leporello, gespielt von Lukas Schmid-Wedekind, gibt den hemdsärmeligen, gutmütigen Diener, der sich – die französische Revolution liegt in der Luft – langsam emanzipiert und das Treiben seines Herrn nicht gutheißt. Mit seiner warmen Bassstimme trotzt er allen Stürmen, die sein feuriger Herr entfacht. Ganz anders Don Giovanni, was gleich die erste Arie „Fin ch’han dal vino“ zeigt, mit der zum großen Besäufnis eingeladen wird: Da heizt einer derart an, dass die Badische Philharmonie Pforzheim alles geben muss.

Ein weiteres Gegensatzpaar ist Adel und Bauerntum. Zerlina, gespielt von Elisandra Melián, gibt das natürliche und kesse Bauernmädel, dem die Avancen eines Adeligen zunächst schmeicheln. Sie ist es, die am ehesten für eine unverkrampfte und freie Sexualität steht und lässt sich von ihrem Masetto, gespielt von Dimitru Madarasam, mit einem Cunnilingus stimulieren, worauf sie ihm keck eine Maske aufsetzt.

Ihr Leben konnte durch das böse Spiel Don Giovannis nicht wirklich zerstört werden. Doch Don Giovanni ist dem Untergang geweiht: „Dies ist das Ende dessen, der Böses tut!“ singen die zurückbleibenden fünf Frauen und Männer, nachdem der Geist des erstochenen Komturs zu guter Letzt den Unhold holt.

Gelungen waren neben dem Bühnenbild die Kostüme von Thoma Mogendorf, der historische Elemente mit heutiger Mode verband. Der Protagonist etwa trägt zumn Frack mit extravagantem Paisley-Muster eine Jeans. Lang anhaltender Applaus für das Ensemble.

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