Ein Feuerwerk pianistischer Meisterleistungen

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Pianist Michael Nuber.

Michael Nuber begeistert sein Publikum beim Neujahrskonzert im Forum Schönblick.

Schwäbisch Gmünd. Gleich am ersten Tag des Jahres veranstaltete das Forum Schönblick sein Neujahrskonzert. Eingeladen war der Gmünder Konzertpianist Michael Nuber. Schönblick-Leiter Martin Scheuermann stellte den Pianisten vor, berichtete dabei auch von der kirchlich-ehrenamtlichen Tätigkeit Nubers.

Der Saal war sehr gut besetzt, das Ambiente passte, und Michael Nuber schien sich richtig wohlzufühlen in dieser Atmosphäre. Er übertrug seine Freude an der Musik gleich zu Anfang auf das Publikum, das ergriffen den Walzern und Nocturnes von Chopin lauschte. Nuber belebt diese Werke mit einer Mischung aus spontanem Erleben, einem durchgeistigten Überblick, mit feinsten Anschlagstechniken, er schafft Chopins polnischen Ursprung, seine Melancholie genauso aus dem Flügel zu zaubern wie seine französische Wahlheimat mit ihrer salonhaften Leichtigkeit.

Höhepunkt des ersten Teils war das Konzertstück „Andante spianato et Grande Polonaise brillante“, ebenfalls von Chopin. Auch hier gelang Nuber wieder diese Verschmelzung der verschiedenen Seiten des Meisters und er führte das Publikum mit einer faszinierenden Technik und scheinbarer Leichtigkeit in die Pariser Salons des 19. Jahrhunderts. Schnelle Akkordbrechungen und Läufe, Doppeltriller, riesige Sprünge, alle Technik des beginnenden Jahrhunderts wurden aber nie um ihrer selbst willen vorgeführt, nein, es war bei Nuber nur Mittel zur Erschließung dieser bezaubernden Musik.

Der zweite Teil begann, wie der erste aufhörte – diesmal ein Werk eines der Schüler Chopins: von A.W. Gutmann ließ Michael Nuber den „Bolero brillant“ erklingen – auch hier ein technisches Feuerwerk, auch hier rhythmisch packende Musik und wieder großer Beifall.

Liszts „Liebestraum Nr.3“ und die Konzertetüde „Un Sospiro“ zeigten den Pianisten mit singenden Melodien, dramatischen Steigerungen, unglaublichen Kaskaden und Arabesken. Die Etüde faszinierte durch scheinbar dreihändiges Klavierspiel und versetzte das Publikum in Erstaunen.

Debussys Arabesque Nr. 1 ließ Zeit zum Träumen in den spätromantisch-französischen Harmonien. Nuber interpretierte dieses Werk äußerst gefühlvoll und zart mit leicht freiem Tempo. Steht dieses Jugendwerk Debussys noch im Zeichen der Romantik, wandelte sich sein Schaffen in den folgenden Jahren, der Komponist benutzte neue Harmonien wie Pentatonik, Ganztonleiter, führte extreme Dissonanzen und bewegte Mikrocluster ein, er wandte sich ab von größeren melodischen Einheiten und baute Werke mehr aus kleinen Motiven auf. Hier brannte Nuber mit dem Prélude „Feux d’artifice“ ein Feuerwerk pianistischer Meisterleistungen ab – alles was man sich vorstellen kann zauberte er hier aus dem Flügel: riesige, zum Teil beidhändige Glissandi, unglaubliche Akkordsprünge, rasende Klangbrechungen, ständiger Farbenwechsel durch feinste Nuancen. Das total begeisterte Publikum verlangte Zugaben und Michael Nuber spielte Chopins Walzer cis-moll und dessen Nocturne Es-Dur. Ein begeisternder Jahresauftakt für Publikum und Pianisten, dem an diesem Tag alles gelang und dessen Spiel-und Lebensfreude übersprang.
Gudrun Schreiber

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