Ein ganz großes sinfonisches Drama

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Die Cappella Aquileia unter Leitung von Marcus Bosch. Archivfoto: Oliver Vogel
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Zum zehnten Geburtstag der Cappella Aquileia im Heidenheimer Congress-Zentrum.

Heidenheim. Ein Orchester für die ganz großen Aufgaben, ein Solist, der DER Konzerttrompeter dieser Zeit ist, ein Dirigent, der international arbeitet und international berühmt ist, ein anspruchsvolles Programm – die richtigen Zutaten für einen großartigen sinfonischen Abend, den das Publikum im coronavollen Congress-Zentrum in Heidenheim am Sonntagabend erleben durfte.

Seit zehn Jahren gibt es die Cappella Aquileia, einst ein Liebhaberorchester, jetzt ein Profi-Ensemble mit vorzüglichen Semiprofis aus der Region. Marcus Bosch hat das Orchester für die Heidenheimer Opernfestspiele gegründet und entwickelt, der Klangkörper ist zu einem der besten Orchester weit und breit geworden, was am Sonntagabend einmal mehr bewiesen wurde. Die Spielkultur in jeder Hinsicht ist mit viel professionellem Eifer erlernt und getragen von musikalischer Intelligenz und individueller künstlerischer Ambition der über 50 Mitglieder.

Marcus Bosch dirigierte mit großer, belebter Gestik und auf der Basis gestalterischer Verabredungen. Er führt gleichwohl sein Orchester impulsiv, interpretiert bis in die Nuancen, kontrastiert die Kontraste, lässt die Melodien singen. Das Publikum ist gebannt, wird begeistert und unterhalten, entzückt und hingerissen. Ein prachtvolles Konzert, an das später als legendär erinnert wird.

Das Publikum hörte am Sonntagabend als Hauptstück nach der Pause die Fünfte von Beethoven, die meisten treuen Heidenheimer Konzertbesucher dürften dieses Hochamt der Sinfonik mit Bosch und der Cappella schon mal gehört haben, aber noch nicht in der Qualität wie jetzt.

Keine Sekunde, keinen Halbtakt lang war Beethoven as usual, man glaubte immer wieder Neues, Überraschendes, auf glückliche Art Glänzendes zu hören. Die Läufe im dritten Satz etwa, die Bosch in sehr raschem, aber seriösem Tempo taktete. Oder die bis ins Ätherische differenzierten Geigen-Pianos, die in schicksalsschwere Fortissimos explodierten. Oder die grandiosen Kontrabässe, die wunderbaren Holzbläser, die wohlklingenden Blechbläser, die rasanten Celli, alle Geigen, die Bratschen, die Schlagwerker –und ganz großes sinfonisches Drama.

Das Publikum dankte mit anhaltenden Standing Ovations.

Mit dem Trompetenkonzert von Daniel Schnyder von 1998 stand Zeitgenössisches auf dem Programm, mittlerweile schon ein Klassiker der Moderne. Ein Stück zwischen rührender Gefühligkeit und Jazz bis zum Krassen, anspruchsvoll für das Orchester, ein Paradestück für den guten Trompeter.

Der junge Manuel Blanco ist ein überaus guter Künstler, technisch und musikalisch, ein Weltstar mittlerweile, in gleicher Zeile zu nennen mit Maurice André und Alison Balsom. Sein filigranes und sein mächtiges Spiel und die formidable Orchesterleistung gaben auch noch den Banalitäten der Komposition Stil und Würde.

Zum Auftakt des Jubiläumskonzerts gab es die Candide-Ouvertüre von Leonard Bernstein, so wie von Bosch und der Cappella gestaltet ein funkelnder Hochkaräter. Das Konzert wurde moderiert von dem Klassik-Journalisten Axel Brüggemann. Grußworte sprachen der Heidenheimer Oberbürgermeister Michael Salomo und die baden-württembergische Staatsrätin Barbara Bosch.

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