Ein Gespräch mit zahlreichen Wendungen

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Stefan Waghubinger beim Hüttlinger Kleinkunstfrühling.
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Der Österreicher Stefan Waghubinger macht mit seinem Programm auf dem Hüttlinger Kleinkunstfrühling Halt.

Hüttlingen. Er blickt auf das Monopolyspiel zu seiner Linken, hantiert mit dem Golfschläger und den Blumen zu seiner Rechten und setzt sich ab und an auf den Stuhl in der Mitte. Stefan Waghubinger tigert geradezu auf der Bühne des Hüttlinger Bürgersaals umher. Dem hat der österreichische Kabarettist im Rahmen des Kleinkunstfrühlings einen Besuch abgestattet. Mit dabei: sein aktuelles Programm: „Ich sag´s jetzt nur zu Ihnen...“

„Keine Angst, Sie müssen dieses Mal nicht aktiv am Programm teilnehmen“, entwarnt Kleinkunstfrühling-Kurator Charlie Berth das Publikum und erinnert an den letzten Auftritt der Zauberkomödianten „Junge Junge!“. Mitmachen müssen die Besucherinnen und Besucher also nicht, und trotzdem stehen sie im ständigen Kontakt zum Mann auf der Bühne. Der redet schließlich ununterbrochen. Ein langer Dialog, der eher ein Monolog ist, geteilt in zwei Hälften.

Der 1966 in Österreich geborene und seit 1985 in Deutschland lebende Kabarettist Stefan Waghubinger hat 2021 den Kleinkunstpreis des Bundeslandes Baden-Württemberg eingeheimst. Für Berth ist der Theaterpädagoge „einer der Besten seines Fachs“.

Wenn Waghubinger beginnt zu erzählen, ist das locker-flockig und wie frei von der Leber. Die Formulierungen wirken dem Moment entsprungen und natürlich, so als würde der Österreicher über einen Schwank aus seinem Leben reden. Wären, ja wären da nicht diese skurrilen, zynischen und trockenhumorigen Einschübe, die der Österreicher subtil verpackt. Die Frau, die ihn verlassen hat, die gemeinsame Firma, Erinnerungen aus der Kindheit. „Ich habe Star Trek geliebt, wollte unbedingt den Overall von Capatin Kirk haben“, denkt er zurück. Den bekam er dann zu Weihnachten. Gestrickt von seiner Mutter. Und weil Aliens ja oft Antennen haben, hat sein Vater noch einen Hut dazu gebastelt. Entsetzt sei er gewesen beim Blick in den Spiegel, denn dort schaute ihn kein Captain, sondern Biene Maja an. Bei der Mitternachtsmesse habe er in dem kratzigen Overall dann das Christkind angeschaut und gewusst, wie es sich in dem Stroh fühlen muss.

Waghubinger therapiert sich selbst mit dem Monopolyspiel, das auf der Bühne steht oder telefoniert mit einem Freund, den er mit den Worten „du kannst dich jederzeit melden, wenn es dir besser geht“ verabschiedet. Die Waage zwischen ironischen-bissigen Anspielungen und melancholischen Zitaten hält sich. „Früher war das Jahr 2000 ferne Zukunft und plötzlich hat man mehr Zukunft hinter, als vor sich“, stellt er fest. Nicht einmal die Eichhörnchen würden bleiben. „Die roten werden von den grauen verdrängt“, stellt er fest und ist sich sicher: „Wenn in 50 Jahren ein Eichhörnchen rot ist, hat es eine Nussallergie.“

Stefan Waghubinger beim Hüttlinger Kleinkunstfrühling.
Stefan Waghubinger beim Hüttlinger Kleinkunstfrühling.

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