Ein grandioser Abend im Kabarett vom Feinsten

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Daniel Schmidt, Helmut Vondram, Mäc Härder können, was sie wollen: witzig unterhalten, perfekt schauspielen und singen. Beim Stiftsbund-Abend in Ellwangen war das Publikum begeistert.
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Bamberger Kabarett gastiert mit derbem Charme und bester Professionalität im Ellwanger Spitalhof.

Ellwangen. Das Bamberger Kabarett ist berühmt über die fränkischen Welten hinaus und gastiert trotzdem offenbar mit Inbrunst in der Provinz, am Freitagabend im Spitalhof am Rande der Ellwanger Gemarkung, worüber sich die drei Herren mit derbem Charme anfangs lustig machten und was sie ebenso offenbar im Laufe des Abends prima fanden. Denn das Publikum des Stiftsbund-Abends war hingerissen und begeistert bis hin zu den Zugaben nach mehr als einhundertfünfzig Minuten Kabarett vom Feinsten.

Daniel Schmidt, Helmut Vondram, Mäc Härder können, was sie wollen: witzig unterhalten, perfekt schauspielen und singen, sie können Persiflage und Satire, Slapstick und Parodie, alles grundsolide in der perfekten Performance.

Das Programm ist eine Abfolge von schnellen Nummern, die komödiantische Kraft wird von Kostümen verstärkt, Sombrero und Kardinalsgewand, Gauland-Jackett und Jeckenkapp‘ und vieles mehr. Keine Längen, manche Improvisation, fürs Publikum spürbare Freude an Spiel und Witz bei den drei Männern im besten aller Alter.

Es ist Kabarett ohne Zaunpfahl, aber klar und unmissverständlich auch in der derben Zote. Der Wahlkampf kommt zwei Tage vor dem Wahltag nur am Rande vor, die Politik ist aber allgegenwärtig, als genaue Beobachtung, als satirische Darstellung, als entlarvende Überzeichnung. Wenn für „Steuerflüchtlinge“ ein Lied gesungen, „für Menschen, für die es keine Lieder gibt“, oder ein Mathematiker mit irisierendem Gesang seine Sex-Beklemmungen metaphert.

Prall voll ist der Themenkorb, bunt gemischt wie die Stile der Szenen. Es werden sehr einfache Witze erzählt (der Tausendfüßler kann nicht rechtzeitig kommen, er steckt in der Pediküre fest), komische Parodien beispielsweise eines Politikers, der mit einer grotesken Verschwörungslegende beweisen will, dass seine Partei keine Verschwörungstheorien pflegt. Oder die grandiose Persiflage auf die überzogenen Sondersendungen des öffentlichen Fernsehens, am Beispiel des in China umgefallenen Sackes Reis. Auch diese Story wird mit dicker Feder gezogen bis ins Skurrile (der Professor für Sackologie), ins Groteske (Puffreis im Sack - Zwangsprostitution).

Dass die Truppe immer mal wieder in die Blödelei driftet, ist Absicht und erfrischend, auch die kräftigen Songs zwischendrin sind musikalisch attraktive Bamberger Cover-Versionen. Ein grandioser Abend.

Rainer Wiese

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